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AOK oder TK? Ein Kassenvergleich

Ein praktischer Leitfaden für arabische Einwanderer in Deutschland zur Wahl der richtigen Krankenkasse

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فريق برليننا

Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.

•1. Februar 2026•4 Min. Lesezeit•77 Aufrufe
AOK oder TK? Ein Kassenvergleich

صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Priscilla Du Preez/Unsplash

Als Mariam vor anderthalb Jahren nach Berlin kam, hatte sie genau drei Tage, um sich bei einer Krankenkasse anzumelden. Ihr Arbeitgeber brauchte die Mitgliedsbescheinigung — sofort. "Ich habe einfach gegoogelt und die erstbeste genommen", erzählte sie uns. Eine Entscheidung, die sie Monate später bereute.

In Deutschland ist die Krankenversicherung Pflicht. Jeder Einwohner muss versichert sein, entweder gesetzlich (GKV) oder privat (PKV). Für die meisten Einwanderer — insbesondere Angestellte mit einem Einkommen unterhalb der Versicherungspflichtgrenze — kommt nur die gesetzliche Variante in Frage. Der Basisverband GKV-Spitzenverband zählt derzeit über 90 Kassen bundesweit. Doch welche ist die richtige?

Medizinische Beratung in einer Praxis
Symbolbild. Photo by National Cancer Institute on Unsplash

Die Grundleistungen sind bei allen gesetzlichen Kassen nahezu identisch — rund 95 Prozent der Leistungen sind gesetzlich vorgeschrieben. Die Unterschiede stecken im Detail. Und genau dort wird es für Neuankömmlinge interessant.

Die großen Drei im Vergleich

Drei Namen tauchen in Gesprächen mit arabischen Einwanderern immer wieder auf: TK, AOK und Barmer. Die Techniker Krankenkasse (TK) ist mit über elf Millionen Versicherten Deutschlands größte gesetzliche Kasse. Ihr Vorteil: ein starkes digitales Angebot. Über die internationale Online-Plattform lassen sich viele Angelegenheiten auf Englisch erledigen — von der Mitgliedsanmeldung bis zur Kostenerstattung. Wer kein fließendes Deutsch spricht (und seien wir ehrlich, das trifft auf viele Neuankömmlinge zu), profitiert enorm davon.

Die AOK — in Berlin ist das die AOK Nordost — setzt dagegen auf persönliche Beratung. Mit dutzenden Geschäftsstellen in der Hauptstadt, darunter eine Filiale in Kreuzberg, dem Herzen der arabischen Community, bietet sie etwas, das keine App ersetzen kann: ein Gesicht hinter dem Schalter. Eine Mitarbeiterin dort betonte, dass viele Versicherte den direkten Kontakt bevorzugen, besonders bei komplizierten Anliegen. Die Leistungspalette der AOK umfasst umfangreiche Präventionsangebote und Familienprogramme.

Und Barmer? Liegt irgendwo dazwischen — solide digitale Dienste, gute Präventionsprogramme, mit einem besonderen Schwerpunkt auf psychische Gesundheit. Kein schlechter Kompromiss.

Was es wirklich kostet

Taschenrechner und Finanzdokumente
Symbolbild. Photo by Towfiqu barbhuiya on Unsplash

Der allgemeine Beitragssatz beträgt 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens — je zur Hälfte getragen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Hinzu kommt der kassenindividuelle Zusatzbeitrag. Laut Krankenkassen.de liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2026 bei etwa 1,7 Prozent — ein spürbarer Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren.

Ein Rechenbeispiel: Bei einem Bruttogehalt von 3.000 Euro monatlich beträgt der Unterschied zwischen einer Kasse mit 1,2 Prozent Zusatzbeitrag und einer mit 2,45 Prozent rund 19 Euro im Monat — also über 225 Euro im Jahr. Nicht die Welt, aber auch kein Kleingeld. Vor allem nicht, wenn man gerade in einem neuen Land Fuß fasst und jeden Euro zweimal umdrehen muss.

Kassenwechsel: Einfacher als gedacht

Wer mit seiner Kasse unzufrieden ist, kann wechseln — und zwar deutlich unkomplizierter, als viele glauben. Seit 2021 gilt: Nach zwölf Monaten Mitgliedschaft steht einem der Wechsel frei. Erhöht die eigene Kasse den Zusatzbeitrag, besteht sogar ein Sonderkündigungsrecht. Praktisch funktioniert es so: Man meldet sich bei der neuen Kasse an, und diese übernimmt die Kündigung bei der alten. Laut Schätzungen der Stiftung Warentest wechseln jährlich rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland ihre Krankenkasse.

Mariam hat genau das getan. Nach sechs Monaten bei einer kleinen Betriebskrankenkasse wechselte sie zur TK — vor allem wegen der englischsprachigen Online-Dienste. "Ich konnte endlich alles selbst regeln, ohne jemanden um Übersetzungshilfe bitten zu müssen", berichtete sie. Aber sie vermisst manchmal die Möglichkeit, spontan in ein Büro zu gehen, wie es bei der AOK möglich gewesen wäre.

Es gibt keine universell beste Krankenkasse. Die richtige Wahl hängt von den eigenen Prioritäten ab — digitaler Komfort oder persönliche Beratung, niedrigerer Beitrag oder breiteres Zusatzangebot. Entscheidend ist: Niemand muss bei einer Kasse bleiben, die nicht passt. Der Wechsel ist ein Recht, kein Privileg.

Hinweis zum Datenschutz: "Mariam" ist ein geänderter Vorname. Die Betroffene bat um Anonymisierung. Alle inhaltlichen Angaben zu ihrer Erfahrung sind unverändert.

Quellen

  1. TK International Services Portal
  2. AOK Leistungen und Services
  3. Krankenkassen.de – Informationsportal

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