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Ausbildung: 327 Berufe ohne Studium

Viele arabische Familien sehen nur das Studium als Karriereweg.

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Ausbildung: 327 Berufe ohne Studium

SymbolbildBildquelle: natsan · Pixabay License

Redaktioneller BelegVon der Berlinuna Redaktion1 offizielle LinksAktualisiert 8. März 2026Methodik
Quellenbeleg

Als Nader seinen Eltern in Damaskus erklärte, er werde eine Ausbildung zum Mechatroniker machen statt Medizin zu studieren, herrschte langes Schweigen am Telefon. Kein Einzelfall - viele arabische Familien (besonders aus Syrien und dem Irak) wissen nicht, dass die duale Ausbildung in Deutschland Türen öffnet, die selbst Hochschulabsolventen manchmal verschlossen bleiben.

Die Zahlen sind eindeutig. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) verzeichnet 327 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe im dualen System. Von Elektrotechnik über IT bis hin zu Pflege und Hotelmanagement. Und das Wichtigste? Es gibt keine Altersgrenze.

Aber die Frage, die arabische Eltern stellen, bleibt: Reicht das wirklich für eine gute Zukunft?

Gehalt ab Tag eins

Was die Ausbildung vom Studium unterscheidet, ist der unmittelbare finanzielle Aspekt. Auszubildende erhalten ein monatliches Gehalt zwischen 900 und 1.200 Euro im ersten Jahr, das jährlich steigt. In einigen Berufen (IT, Mechatronik) liegt der Einstieg noch höher. Laut Statistischem Bundesamt betrug die durchschnittliche Ausbildungsvergütung 2025 bundesweit rund 1.066 Euro monatlich.

Zum Vergleich: Ein Studium dauert vier bis fünf Jahre ohne Einkommen (oder mit einem BAföG-Darlehen, das teilweise zurückgezahlt werden muss). Die Ausbildung dauert zwei bis dreieinhalb Jahre - und währenddessen verdient man bereits.

Die Beschäftigungsquote spricht für sich

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit finden über 90 Prozent der Ausbildungsabsolventen innerhalb von sechs Monaten eine Anstellung. In Bereichen wie Pflege, Handwerk und Technik liegt die Quote noch höher. Deutschland leidet unter einem akuten Fachkräftemangel - das bedeutet, dass Unternehmen um Auszubildende konkurrieren. Nicht umgekehrt.

Und Nader (der seine Eltern mit seiner Entscheidung verärgerte) arbeitet heute als Techniker in einem Industrieunternehmen in Berlin-Spandau. Sein Gehalt nach drei Jahren liegt bei über 3.500 Euro monatlich. Derzeit bereitet er sich auf den Meister vor - eine Qualifikation, die im Deutschen Qualifikationsrahmen formal dem Bachelor gleichgestellt ist.

Wie fängt man an?

Der Weg ist einfacher, als viele denken. Man braucht zunächst mindestens Deutschkenntnisse auf B1-Niveau (B2 für medizinische und kaufmännische Berufe), dann sucht man einen Ausbildungsplatz über die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder die Handwerkskammer (HWK). Der Betrieb übernimmt die praktische Ausbildung an drei bis vier Tagen pro Woche, während die Berufsschule den theoretischen Teil an ein bis zwei Tagen abdeckt.

Was viele überrascht - es gibt weder ein Mindest- noch ein Höchstalter. Ein Berufsberater im Jobcenter Neukölln erklärte, dass Auszubildende in den Dreißigern und Vierzigern längst keine Ausnahme mehr seien, gerade unter Zugewanderten.

Der Meister: Was nach der Ausbildung kommt

Wer mehr will, dem eröffnet der Meister- oder Fachwirt-Abschluss die Möglichkeit, ein eigenes Unternehmen zu gründen oder Führungspositionen zu übernehmen. Untersuchungen des BIBB belegen, dass Meister im Durchschnitt mehr verdienen als viele Hochschulabsolventen (insbesondere in den Geisteswissenschaften). Im Handwerk allein übersteigt das Meister-Einkommen in vielen Regionen 4.500 Euro monatlich.

Die größte Hürde ist aber nicht finanzieller Natur. Sie ist kulturell. Viele arabische Familien sehen den Sohn als "Arzt" oder "Ingenieur" - das allein zählt als Stolz. Diese Sichtweise zu ändern braucht Zeit. Und echte Erfolgsgeschichten wie die von Nader.

Deutschland hat seine Wirtschaft auf diesem System aufgebaut. Und die Zahlen lügen nicht: Von zehn deutschen Beschäftigten haben sieben ihre Karriere mit einer Ausbildung begonnen, nicht mit einem Hochschulabschluss. Die Chance ist da. Die Frage bleibt: Sind wir bereit, sie zu sehen?

Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Quellen

  1. BIBB - Datenbank anerkannter Ausbildungsberufe
  2. Statistisches Bundesamt - Arbeitsmarkt und Verdienste
  3. Bundesagentur für Arbeit - Informationen für Menschen aus dem Ausland
  4. IHK Berlin - Service und Beratung zur Berufsausbildung

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