Australien löscht 4,7 Mio. Kinderkonten
In nur einem Monat haben soziale Medien 4,7 Millionen Konten von Kindern unter 16 Jahren in Australien gelöscht. Das neue Gesetz entfacht eine globale Debatte: Sollte Deutschland dem australischen Modell folgen?
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: MChe Lee/Unsplash
4,7 Millionen Konten. In einem Monat. Das ist die Zahl, die die australische Regierung diese Woche bekannt gab - die Anzahl der Kinderkonten, die auf sozialen Medien geschlossen wurden, seit das Gesetz zum digitalen Kinderschutz im vergangenen Dezember in Kraft trat.
Das Gesetz ist einfach in seiner Idee und streng in seiner Umsetzung: Personen unter 16 Jahren ist es verboten, Konten auf Facebook, Instagram, TikTok oder Snapchat zu besitzen. Und die Plattformen - nicht die Kinder - sind für die Altersverifizierung verantwortlich.
Ich hatte nicht erwartet, dass die Auswirkungen so gross sein würden, erklärte die australische Kommunikationsministerin Michelle Rowland. Aber die Zahlen bestätigen, dass Millionen von Kindern diese Plattformen nutzten - und genau das wollten wir angehen.
Was passiert in Australien?
Das neue australische Gesetz - das strengste seiner Art weltweit - verpflichtet Social-Media-Unternehmen, unter 16-Jährige an der Kontoerstellung zu hindern. Die Bussgelder sind hoch: bis zu 50 Millionen Australische Dollar (etwa 30 Millionen Euro) für Verstösse.
Die Altersverifizierung erfolgt über verschiedene Technologien: digitale Ausweise, Gesichtserkennung oder KI-basierte Altersschätzungssysteme. Das Ergebnis? Eine massive Welle von Kontosperrungen.
Aber das Gesetz hat auch Kontroversen ausgelöst. Kinderrechtsorganisationen begrüssten es als notwendigen Schritt zum Schutz der psychischen Gesundheit von Jugendlichen. Datenschutzexperten hingegen warnten vor den Risiken der Erfassung biometrischer Daten von Kindern. Und andere fragten: Ist ein Verbot die Lösung? Oder ist Aufklärung besser?
Die Situation in Deutschland
Deutschland hat derzeit kein vergleichbares Gesetz. Das offizielle Mindestalter auf den meisten Plattformen beträgt 13 Jahre (gemäss Nutzungsbedingungen), aber die Überprüfung ist praktisch nicht vorhanden. Laut einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds (mpfs) nutzen etwa 34% der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren in Deutschland regelmässig soziale Medien.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser wies in einer früheren Erklärung darauf hin, dass der Schutz von Kindern im Internet Priorität hat, kündigte aber keine Pläne an, das australische Modell zu übernehmen. Der europäische Digital Services Act (DSA) enthält Bestimmungen zum Schutz von Minderjährigen, schreibt aber kein umfassendes Verbot vor.
Was bedeutet das für arabische Familien?
In unserer Gemeinschaft ist die Beziehung zur Technologie komplex. Viele Eltern sehen das Smartphone als digitalen Babysitter, der Kinder ruhig hält. Und viele (besonders die Elterngeneration, die nicht mit dieser Technologie aufgewachsen ist) wissen nicht genau, was auf den Bildschirmen ihrer Kinder passiert.
Meine Tochter ist 11 Jahre alt und hat einen TikTok-Account, sagte eine irakische Mutter in Berlin. Ich weiss, dass sie jung ist, aber alle ihre Freundinnen sind dort. Was soll ich tun - sie von allen isolieren?
Diese Frage wird in vielen arabischen Haushalten gestellt. Der soziale Druck ist real. Und die Angst vor Isolation - besonders bei Migrantenkindern, die mit ihren Altersgenossen in Kontakt bleiben müssen - lässt Eltern nachgiebig werden.
Was Experten sagen
Ein auf Jugendgesundheit spezialisierter Psychiater in Berlin betonte: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind klar: Übermässige Nutzung sozialer Medien korreliert mit erhöhter Angst und Depression bei Jugendlichen. Er fügte hinzu: Aber die Lösung muss nicht unbedingt ein vollständiges Verbot sein. Elterliche Kontrolle und offener Dialog könnten effektiver sein.
Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation leidet jeder siebte Jugendliche (10-19 Jahre) an einer psychischen Störung. Die Verbindung zwischen sozialen Medien und psychischer Gesundheit ist - trotz ihrer Komplexität - in Dutzenden von Studien dokumentiert.
Praktische Schritte für Eltern
Bis klarere Gesetze in Deutschland kommen, stehen Eltern jetzt schon Werkzeuge zur Verfügung. Die meisten Smartphones bieten Kindersicherungs-Optionen, die Nutzungszeit und erlaubte Apps begrenzen. Apple hat Screen Time, Google hat Family Link, und beide sind kostenlos.
Wichtiger als technische Tools? Dialog. Fragen Sie Ihr Kind: Was schaut es sich an? Mit wem chattet es? Wie fühlt es sich nach einer Stunde auf TikTok? Diese einfachen Fragen können mehr Türen zum Verständnis öffnen als jede App.
Das australische Experiment - ob es gelingt oder scheitert - wird weltweit aufmerksam beobachtet. Und vielleicht sehen wir in ein paar Jahren ähnliche Gesetze in Europa. Aber bis dahin liegt die Verantwortung bei den Eltern. Und die Frage, die wir uns stellen sollten: Wissen wir wirklich, was auf den Bildschirmen unserer Kinder passiert?
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- DW Arabisch - Millionen Kinderkonten in Australien gesperrt
- KIM-Studie - Mediennutzung bei Kindern in Deutschland
- Weltgesundheitsorganisation - Psychische Gesundheit bei Jugendlichen
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