Autoindustrie-Krise - Ist es Zeit, die Branche zu verlassen?
Tausende arabische Ingenieure und Techniker arbeiten in der deutschen Autoindustrie. Jetzt kündigen Firmen Schließungen und Massenentlassungen an. Sollten Sie die Branche wechseln oder abwarten?
فريق برليننا
Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.
Photo by Glenn Carstens-Peters on Unsplash
Tarek sitzt in seinem Büro in Wolfsburg und scrollt durch seine E-Mails. "Dringende Besprechung um 14:00 Uhr - Restrukturierung." Er weiß, was das bedeutet.
Er ist einer von 12.000 Ingenieuren bei Volkswagen, die ihren Job verlieren könnten. Er ist nicht allein – Porsche kündigte die Schließung eines Werks in Stuttgart an, BMW stoppt Neueinstellungen, Mercedes reduziert die Produktion um 23%.
Das Bundesarbeitsministerium schätzt, dass 186.000 Jobs in der Autoindustrie bis 2026 gefährdet sind. Etwa 8% davon sind Araber - Ingenieure, Programmierer, Techniker aus Syrien, Irak, Ägypten und Jordanien.
Was passiert hier? Und ist es Zeit, das sinkende Schiff zu verlassen?
Die Krise: Nicht überraschend, aber schmerzhaft
Die deutsche Autoindustrie war jahrzehntelang das Rückgrat der Wirtschaft. Doch drei Schocks trafen sie auf einmal:
- E-Mobilität - Deutsche Firmen hinken China und Tesla hinterher
- Chinesische Konkurrenz - BYD-Autos sind 40% günstiger als VW
- Energiekosten in Deutschland - nach dem Stopp russischen Gases stiegen Industriestrompreise um 60%
Das Ergebnis? Laut Statistischem Bundesamt sanken die Gewinne deutscher Autofirmen 2025 um 34%. Verkäufe in China - dem größten Markt - brachen um 18% ein.
VW allein verlor 2025 4,2 Milliarden Euro. Die Lösung? Werke schließen, Mitarbeiter entlassen.
Wer geht zuerst?
Nicht alle Jobs sind gleich gefährdet. Firmen zielen zuerst auf:
- Verbrennungsmotor-Jobs - Benzin- und Dieselingenieure, Wartungstechniker für traditionelle Motoren
- Fließbandarbeiter - E-Autos brauchen 30% weniger Montage-Personal
- Verwaltungsjobs - mittlere Managementebenen
- Zeitverträge - Zeitarbeit und befristete Verträge gehen zuerst
Relativ sichere Jobs:
- Batterie- und Elektroingenieure
- Automotive-Software-Entwickler
- KI- und autonomes Fahren-Ingenieure
- Supply-Chain-Experten
Wenn Sie traditioneller Motorenentwickler sind, läuft Ihnen die Zeit davon.
Sollten Sie jetzt gehen oder warten?
Samir, Elektroingenieur bei Porsche, fragt: "Soll ich jetzt nach einem neuen Job suchen oder auf das Abfindungspaket warten?"
Die Antwort hängt von Ihrer Situation ab:
Wenn Sie befristet angestellt sind:
Suchen Sie jetzt. Befristete Verträge werden nicht verlängert. Sie bekommen keine Abfindung. Je früher Sie handeln, desto besser.
Wenn Sie unbefristet mit Kündigungsschutz sind:
Sie haben Optionen. Nach deutschem Kündigungsschutzgesetz können Firmen Sie nicht einfach rauswerfen. Sie bieten meist ein freiwilliges Abfindungspaket:
- Finanzielle Abfindung: meist 0,5-1 Monatsgehalt pro Arbeitsjahr
- Jobsuch-Unterstützung: Weiterbildung, Karriereberatung
- Verlängerte Krankenversicherung für einige Monate
Beispiel: 6 Jahre gearbeitet, 4.500€ Monatsgehalt → 27.000€ Abfindung (6 Jahre × 4.500 × 1).
Aber Vorsicht: Nehmen Sie das erste Angebot nicht an. Verhandeln Sie. Holen Sie sich Hilfe vom Betriebsrat - das ist Ihr kostenloses Recht.
Wenn Sie über 50 sind:
Der Arbeitsmarkt ist härter. Firmen bevorzugen Jüngere. Aber Sie haben stärkeren Kündigungsschutz. Konsultieren Sie einen Arbeitsrechtsanwalt vor jeder Entscheidung.
Wohin gehen? Alternative Branchen
Fatima war Programmiererin bei BMW. Jetzt arbeitet sie bei Siemens Energy. Höheres Gehalt, bessere Arbeitszeiten.
Branchen, die jetzt Ingenieure suchen:
1. Erneuerbare Energien
Deutschland investiert bis 2030 500 Milliarden Euro in grüne Energie. Firmen wie Siemens Energy, E.ON und RWE suchen:
- Elektroingenieure (für Windturbinen und Solar)
- Maschinenbauingenieure (für Anlagenwartung)
- Programmierer (für Smart Grids)
Gehälter ähnlich wie Auto: 55.000-75.000€ jährlich für Ingenieure.
2. Luftfahrt und Verteidigung
Airbus, Rheinmetall und Hensoldt erweitern die Produktion. Sie brauchen Systemingenieure, Programmierer und Logistikexperten.
Aber: Verteidigungsjobs erfordern deutsche oder EU-Staatsbürgerschaft. Mit Aufenthaltstitel nicht zugänglich.
3. Chemie und Pharma
BASF, Bayer und Boehringer Ingelheim suchen Prozess- und Automatisierungsingenieure.
Vorteil: stabiler als Auto. Nachteil: 10-15% weniger Gehalt.
4. Tech und Software
SAP, Zalando und Deutsche Telekom stellen massiv ein. Wenn Sie Programmierhintergrund haben:
- Machen Sie ein Bootcamp in Python oder Cloud Computing (3-6 Monate)
- Fokus auf AI/ML - dort ist die Nachfrage höchst
- Höhere Gehälter: 65.000-95.000€ für Software-Ingenieure
Wie wechseln? Praktischer Plan
Warten Sie nicht, bis Sie Ihren Job verlieren. Starten Sie jetzt:
Monat 1: Fähigkeiten bewerten
- Liste Ihrer übertragbaren Skills (Embedded Systems? CAD? Projektmanagement?)
- Suchen Sie auf Arbeitsagentur.de nach gefragten Jobs
- Buchen Sie kostenlose Karriereberatung bei der Arbeitsagentur
Monate 2-3: Lücken schließen
Wenn Sie neue Skills brauchen, gibt es kostenlose Regierungsprogramme:
- Bildungsgutschein - Regierung zahlt 100% der Kurskosten
- WeGebAU - Unterstützung für Beschäftigte über 45 zur Umschulung
- Aufstiegs-BAföG - günstiger Kredit für Meister oder Techniker
Bildungsgutschein bei Arbeitsagentur beantragen dauert 2-4 Wochen. Tun Sie es bevor Sie den Job verlieren - einfacher zu bekommen.
Monate 4-6: Suchen und bewerben
- Aktualisieren Sie LinkedIn und Xing - setzen Sie "offen für neue Möglichkeiten"
- Bewerben Sie sich auf 15-20 Jobs wöchentlich
- Nutzen Sie Ihr Netzwerk - 70% der Jobs werden über Empfehlungen besetzt
- Besuchen Sie Jobmessen in Berlin, München, Stuttgart
Was, wenn Sie Ihren Job verlieren?
Wenn das Schlimmste passiert, haben Sie ein Sicherheitsnetz:
Arbeitslosengeld I
Sie erhalten 60% Ihres Nettogehalts (67% mit Kindern) für:
- 12 Monate bei unter 5 Jahren Beschäftigung
- 15 Monate bei 5-8 Jahren
- 18 Monate bei 8-10 Jahren
- 24 Monate bei über 10 Jahren und über 58 Jahre alt
Beispiel: 4.000€ netto, ein Kind, 6 Jahre gearbeitet → 2.680€ monatlich für 15 Monate.
Wichtig: Melden Sie sich am ersten Tag der Arbeitslosigkeit bei der Arbeitsagentur. Verzögerung kostet Zahlungstage.
Die große Frage: Ist Auto in Deutschland vorbei?
Nein. Aber es verändert sich.
VW wird nicht verschwinden. Mercedes wird nicht schließen. Aber die Jobs 2030 werden radikal anders sein als 2020.
Laut Fraunhofer-Studie wird Deutschland bis 2030 186.000 Auto-Jobs verlieren - aber 124.000 neue Jobs in grüner Tech und Batterien schaffen.
Verlierer: traditionelle Motorenentwickler, Fließbandarbeiter.
Gewinner: Software-Ingenieure, Chemie-Experten (Batterien), KI-Spezialisten.
Die Frage ist nicht "Bleibe ich in Auto?", sondern "Aktualisiere ich meine Skills, um wertvoll zu bleiben?"
Hinweis: Namen in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
المصادر / Quellen
- Statistisches Bundesamt - Arbeitsmarkt und Erwerbstätigkeit
- Bundesagentur für Arbeit - Jobsuche und Qualifizierung für Ausländer
- Tagesschau - Was die Autoindustrie in Deutschland retten soll
- Make it in Germany - Fachkräfteeinwanderung und Berufswechsel
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