Bankkonto eröffnen: Was Ihnen keiner sagt
Wer ohne SCHUFA-Score nach Deutschland kommt, steht oft vor verschlossenen Türen bei Sparkasse und Co. Doch das Zahlungskontengesetz garantiert jedem Einwohner ein Basiskonto. Von N26 bis DKB: Welche Banken wirklich funktionieren, welche Dokumente nötig sind und wie man die typischen Fallen vermeidet.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: TheDigitalWay/Pixabay · Pixabay License
Sara, Ingenieurin aus Syrien, steht mit ihrem neuen Arbeitsvertrag in einer Sparkassen-Filiale in Neukölln. Der Berater schaut auf den syrischen Reisepass, tippt etwas in den Computer und fragt nach der SCHUFA-Auskunft. Die hat sie nicht. Nächster freier Termin? In vier Wochen. Das erste Gehalt kommt in zehn Tagen. Diese Szene wiederholt sich tausendfach, jeden Monat.
Was Sara nicht wusste, und was ihr in der Filiale niemand sagte: Das deutsche Recht gibt ihr einen klaren Anspruch. Nach dem Zahlungskontengesetz (ZKG) muss jede Bank in Deutschland ein Basiskonto anbieten. Keine SCHUFA nötig, keine EU-Staatsbürgerschaft. Es reicht, legal in Deutschland zu wohnen.
Das eigentliche Problem? Viele Bankmitarbeiter kennen diese Regelung nicht. Oder sie verschweigen sie. Und viele Zugewanderte (besonders aus Nicht-EU-Staaten) verlassen die Filiale, ohne zu wissen, dass es eine Lösung gibt.
SCHUFA: Die unsichtbare Hürde
Die SCHUFA ist Deutschlands wichtigste Auskunftei. Sie sammelt Finanzdaten, bewertet Zahlungsverhalten und vergibt einen Score zwischen 0 und 100. Für traditionelle Banken wie Sparkasse oder Volksbank ist dieser Score Pflicht bei der Kontoeröffnung. Wer frisch nach Deutschland kommt, hat keinen. Und kein Score bedeutet in der Praxis: unbekanntes Risiko.
Laut Statistischem Bundesamt verzeichnete Deutschland 2023 einen Nettomigrationssaldo von über 1,46 Millionen Menschen. Jede einzelne dieser Personen startet mit einem SCHUFA-Score von null. Rund 97 Prozent aller Mietverträge und Mobilfunkverträge in Deutschland setzen eine SCHUFA-Prüfung voraus. Den Score aufzubauen, wird zur Priorität ab Tag eins.
Aber wie baut man einen Score auf, wenn man dafür ein Konto braucht und für das Konto einen Score? Der Trick: Digitalbanken melden das neue Konto automatisch an die SCHUFA. Damit startet der Aufbau. Ein kleiner Handyvertrag (schon ab 10 Euro monatlich) liefert einen weiteren Datenpunkt. Nach sechs bis zwölf Monaten entsteht ein brauchbarer Score.
Digitalbanken: Der schnelle Einstieg
Für Neuangekommene haben Digitalbanken die Spielregeln verändert. Keine Filialen, keine Termine, kein Deutsch erforderlich. Finanzexperten von Finanztip heben vier Anbieter hervor, die für Ausländer in Deutschland besonders gut funktionieren.
N26 ist die bekannteste Option unter Zugewanderten. Kostenloses Konto mit Mastercard, App auf Englisch und Deutsch, Kontoeröffnung per Video-Ident in rund acht Minuten. Keine SCHUFA für das Standardkonto nötig. Die Warnung: N26 ist dafür bekannt, Konten ohne Vorwarnung wegen "interner Prüfungen" zu sperren. Nie als einziges Konto nutzen.
Wise punktet beim Geldtransfer ins Ausland. Kein klassisches Bankkonto, sondern ein Multi-Währungskonto mit dem echten Wechselkurs. Eine Überweisung von 500 Euro nach Ägypten oder Syrien kostet bei Wise 3 bis 5 Euro, bei einer klassischen Bank 15 bis 25 Euro. Deutsche IBAN inklusive, allerdings akzeptieren manche Arbeitgeber die Wise-IBAN nicht für Gehaltszahlungen.
DKB und ING sind die bessere Wahl auf lange Sicht. Beide bieten kostenlose Konten mit Visa-Karten, und jeder deutsche Arbeitgeber akzeptiert sie. Finanztip stuft die DKB regelmäßig als eines der besten Gratiskonten Deutschlands ein. Der Haken: Beide verlangen eine SCHUFA-Auskunft bei der Eröffnung. Die praktische Lösung: Erst N26 oder Wise für sechs Monate nutzen, Score aufbauen, dann zu DKB oder ING wechseln.
Traditionelle Banken: Wann lohnt es sich?
Sparkasse und Volksbank haben einen entscheidenden Vorteil: Filialen. Wer persönliche Beratung braucht, auf Deutsch oder in einzelnen Filialen in Berlin und Düsseldorf sogar auf Arabisch, findet sie dort. Die Kontogebühren liegen zwischen 5 und 12 Euro pro Monat, je nach Standort. Laut einer Studie der Deutschen Bundesbank zum Zahlungsverhalten nutzen 58 Prozent der Deutschen täglich Bargeld. In arabischen Geschäften und auf Wochenmärkten sowieso. Eine Filialbank erleichtert den Bargeldzugang über Tausende Geldautomaten im ganzen Land.
Lohnen sich die Gebühren? Wer viel mit Bargeld zahlt und persönliche Beratung schätzt, ja. Wer mit Apps zurechtkommt und keine Filiale braucht, spart sich das Geld.
Basiskonto: Ihr gesetzlicher Anspruch
Wird ein Antrag abgelehnt, gilt Folgendes: Paragraf 31 des Zahlungskontengesetzes verpflichtet jede Bank, ein Basiskonto zu eröffnen, und zwar für jeden, der sich legal in Deutschland aufhält. Das betrifft Geflüchtete, Asylbewerber und internationale Studierende gleichermaßen. Das Konto umfasst SEPA-Überweisungen, eine EC-Karte zum Abheben und Bezahlen sowie Online-Banking. Die Gebühren müssen "angemessen" sein, in der Praxis zwischen 3 und 9 Euro monatlich.
Lehnt eine Bank den Basiskonto-Antrag trotzdem ab, verstößt sie gegen das Gesetz. Die BaFin weist ausdrücklich darauf hin: In diesem Fall kann man sich direkt bei der Aufsichtsbehörde beschweren oder die Verbraucherzentrale des jeweiligen Bundeslandes einschalten. Oft reicht es, das Wort "Basiskonto" zu nennen und auf den Rechtsanspruch hinzuweisen.
Welche Dokumente braucht man?
Das Minimum für eine Kontoeröffnung: ein gültiger Ausweis (Reisepass oder Aufenthaltstitel) und eine Meldebescheinigung vom Bürgeramt. Manche Banken verlangen zusätzlich einen Arbeitsvertrag oder Einkommensnachweis, beim Basiskonto ist das aber nicht vorgeschrieben.
Ein Detail, das viele übersehen: Ist der Reisepass abgelaufen oder stammt er aus einem Staat, den Deutschland nicht anerkennt, genügt der Aufenthaltstitel als Ausweisdokument. Mehrere Verbraucherzentralen bestätigen das. Auch Digitalbanken akzeptieren den Aufenthaltstitel beim Video-Ident-Verfahren.
Typische Fehler vermeiden
Fehler Nummer eins: Nur ein Konto haben. Wird das N26-Konto gesperrt (und das passiert), steht man ohne Zahlungsweg da. Mindestens zwei Konten eröffnen. Fehler Nummer zwei: Bankpost ignorieren. Die Briefe kommen auf Deutsch, enthalten aber mitunter wichtige Hinweise auf neue Gebühren oder Vertragsänderungen. Sie nicht zu lesen, kann teuer werden. Und Fehler Nummer drei, der teuerste von allen: Den Unterschied zwischen Girokonto, Sparkonto und Tagesgeldkonto nicht verstehen. Das erste ist für den Alltag, das zweite für langfristiges Sparen, das dritte für flexibles Sparen mit Zinsen.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- Zahlungskontengesetz (ZKG) - Gesetzestext
- Statistisches Bundesamt - Migration und Integration
- Finanztip - Girokonto-Vergleich 2026
- Deutsche Bundesbank - Zahlungsverhalten in Deutschland
- SCHUFA Holding AG - Offizielle Website
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