Bibliotheken: Berlins kostenlose Hilfe
Hinter den Türen der Berliner Bibliotheken warten kostenlose Sprachkurse, Kinderprogramme, arabische Buchsammlungen und Gemeinschaftsräume, von denen viele Araber nichts wissen.
فريق برليننا
Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.
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An einem kalten Wintermorgen betrat Huda mit ihrem vierjährigen Sohn eine öffentliche Bibliothek in Berlin. Sie suchten nur Schutz vor dem Regen, der sie beim Einkaufen überrascht hatte. Doch was Huda an diesem Morgen fand, veränderte ihren Alltag vollständig — eine Kinderecke voller Bilderbücher, ein frei zugänglicher Computer und ein Aushang über einen kostenlosen Deutschkurs, der in der nächsten Woche beginnen sollte.
Huda wusste nicht, dass öffentliche Bibliotheken in Deutschland all dies anbieten. Und die Wahrheit ist: Sie ist nicht allein. Viele Araber in Berlin wissen nicht, dass diese Einrichtungen (die auf den ersten Blick wie reine Bücherlager erscheinen mögen) in Wirklichkeit echte Integrationszentren sind, die kostenlose oder nahezu kostenlose Dienste bieten, die jede Erwartung übertreffen.
Und hier drängt sich die Frage auf: Warum nutzen nur so wenige Menschen diese Angebote?
Das Netzwerk VÖBB (Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins) umfasst über achtzig Standorte in allen Bezirken der Stadt. Achtzig Standorte. Die Jahreskarte kostet nur zehn Euro — und ist völlig kostenlos für Kinder unter achtzehn und für Inhaber des Berlin-Passes. Das bedeutet, dass gerade die Bedürftigsten ohne jegliche Kosten profitieren können.
Mehr als nur Bücher
Eine Bibliothekarin in einer Filiale in Berlin-Mitte erläutert, dass arabische Besucher oft von der Vielfalt der Angebote überrascht sind. Denn die heutigen Bibliotheken sind nicht die stillen Orte, die man sich vorstellt. Es sind lebendige Räume mit Sprachcafés, in denen Neuankömmlinge in lockerer Atmosphäre mit Muttersprachlern Deutsch üben, digitale Workshops, die älteren Menschen den Umgang mit dem Internet beibringen, und mehrsprachige Vorlesestunden für Kinder — darunter auch auf Arabisch.
Besonders bemerkenswert ist die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) in der Breite Straße mit ihrer arabischsprachigen Sammlung, die Romane, Kinderbücher und Lehrmaterialien umfasst. Keine riesige Sammlung, aber sie existiert und wächst stetig. Und das allein ist bemerkenswert — mitten in Berlin ein Regal zu finden, das Werke von Nagib Mahfuz und Ghassan Kanafani neben arabischen Kindergeschichten beherbergt.
Eine Mutter berichtet, dass sie ihre Kinder wöchentlich zur mehrsprachigen Vorlesestunde mitnimmt. Sie beschreibt die Erfahrung als etwas, das ihren Kindern eine innige Beziehung zur arabischen Sprache zurückgegeben habe, die sie zu verlieren fürchtete. Und das Schönste — so sagt sie — ist, dass die deutschen Kinder in der Gruppe angefangen haben, arabische Wörter zu lernen und nach mehr zu fragen.
Ein digitales Tor, das kaum jemand kennt
Aber der eigentliche Schatz könnte digital sein. Allein mit der Bibliothekskarte erhält man kostenlosen Zugang zu Online-Lernplattformen wie OverDrive für digitale Bücher und PressReader, der Tausende von Zeitungen und Zeitschriften aus aller Welt zugänglich macht — darunter auch arabische. All dies vom Handy aus, ohne die Bibliothek überhaupt besuchen zu müssen.
Arabische Nutzer berichten, dass das kostenlose WLAN in den Bibliotheken in ihren ersten Wochen in Deutschland eine Rettungsleine war, als sie noch keinen Internetvertrag für zu Hause hatten. Und die Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz ermöglicht die kostenlose Nutzung von Desktop-Computern für eine Stunde täglich — genug, um einen Lebenslauf zu schreiben, nach Arbeit zu suchen oder offizielle Formulare auszufüllen.
Sichere Räume abseits des Drucks
Fachleute im Integrationsbereich weisen auf einen weiteren, selten erwähnten Aspekt hin. Die Bibliothek ist ein neutraler Raum. Niemand fragt nach dem Aufenthaltsstatus oder verlangt einen Ausweis beim Eintreten. Man kann stundenlang in einem bequemen Sessel sitzen, lesen was man möchte, das Internet nutzen und im Winter die Heizung sowie im Sommer die Klimaanlage genießen. Diese Einfachheit — die manche unterschätzen mögen — bedeutet viel für jemanden, der in einer engen Notunterkunft lebt oder sich ein Zimmer mit einer anderen Familie teilt.
Eine Migrationsforscherin betont, dass Bibliotheken eine psychologische Rolle spielen, die nicht weniger wichtig ist als ihre Bildungsfunktion. Ein Ort, den man aus eigenem Willen aufsucht. Ein Ort, der einem nichts vorschreibt. Dieses Gefühl von Autonomie und freiwilliger Zugehörigkeit — so einfach es auch erscheinen mag — macht einen echten Unterschied auf dem Weg der Integration.
Wie fängt man an?
Der erste Schritt ist denkbar einfach. Man geht zur nächsten Bibliotheksfiliale (zu finden auf der VÖBB-Website) und bringt einen Ausweis oder Reisepass sowie eine Meldebescheinigung mit. In zehn Minuten hat man seine Karte. Und wenn man einen Berlin-Pass hat, zahlt man nichts.
Wichtiger als die Karte selbst ist es, zu fragen. Man sollte die Mitarbeiter nach Sprachprogrammen fragen, nach Vorlesestunden für Kinder, nach kommenden Veranstaltungen. Die meisten Bibliotheksangestellten sind den Umgang mit Neuankömmlingen gewohnt und sprechen geduldig und langsam, wenn nötig. Manche sprechen sogar Arabisch oder Türkisch.
Was Huda betrifft: Seit ihrem ersten „zufälligen" Besuch ist über ein Jahr vergangen. Sie ist heute eine feste wöchentliche Besucherin. Ihr Sohn kennt die Bibliothekarin beim Namen und ruft sie, wenn er hereinkommt. Und Huda selbst hat den kostenlosen Sprachkurs besucht und das Niveau B1 erreicht, ohne einen einzigen Euro für einen privaten Kurs ausgegeben zu haben.
Die öffentliche Bibliothek ist nicht nur ein Gebäude mit Büchern. Sie ist eines der besten kostenlosen Geheimnisse, die Deutschland zu bieten hat — und eines der am meisten übersehenen in unserer arabischen Gemeinschaft. Es ist an der Zeit, das zu ändern.
Hinweis: Die in diesem Artikel genannten Personen sind zusammengesetzte Figuren, die auf mehreren realen Erfahrungen basieren, um die Privatsphäre der Betroffenen zu schützen. Alle Informationen und Zahlen zu den Bibliotheken sind korrekt und belegt.
Quellen
- Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB): voebb.de - Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB): zlb.de - Goethe-Institut Sprachkurse: goethe.de - Berliner Bildungsportal: berlin.de/sen/bildung
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