"Connections matter, but not how you think" - Networking auf Deutsch
Karim verbrachte zwei Jahre auf Networking-Events in Berlin - null Jobchancen. Dann entdeckte er: Deutsche netzwerken nicht auf Partys. Die ungeschriebenen Regeln des deutschen Professional Networking.
فريق برليننا
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Karim besuchte 34 Networking-Events in Berlin über zwei Jahre hinweg.
Er sammelte 127 Visitenkarten. Tauschte WhatsApp-Nummern mit 42 Leuten. Schrieb Follow-up-Nachrichten an 89 Kontakte. Ergebnis? Null Jobangebote. Null Projekte. Nicht mal Antworten.
Das Problem waren nicht seine Fähigkeiten - Master in Data Engineering aus Damaskus, 5 Jahre Erfahrung. Das Problem? Er spielte ein völlig anderes Spiel als die Deutschen.
"In Syrien werden Beziehungen bei Kaffee und über Bekannte aufgebaut", sagt er. "In Deutschland entdeckte ich: Es geht um bewiesene Kompetenz, nicht um Sympathie".
Der kulturelle Unterschied: Beziehungen vs. Qualifikation
In der arabischen Welt ist "wen du kennst" oft wichtiger als "was du weißt". Eine Empfehlung von einem Verwandten, Familienfreund oder Bekannten öffnet Türen. Das ist keine Korruption - es ist Vertrauen basierend auf persönlichen Beziehungen.
Deutschland funktioniert genau umgekehrt. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamts werden 73% der Positionen in Deutschland basierend auf "objektiven Qualifikationen" als Hauptfaktor besetzt, verglichen mit 27%, wo "persönliches Netzwerk" eine wichtige Rolle spielt.
But - and this is crucial - "network" in Germany doesn't mean what you think it means.
Regel Nummer 1: Kompetenz vor Kontakte
Deutsche bauen Netzwerke nicht auf Freundschaft auf - sondern auf verdientem professionellem Respekt.
Martina Schmidt, Personalmanagerin bei einem Berliner Tech-Unternehmen, erklärt: "Wenn ein deutscher Mitarbeiter jemanden empfiehlt, riskiert er seinen professionellen Ruf. Ich empfehle dich nicht, weil du nett bist oder weil dein Onkel meinen Onkel kennt. Ich empfehle dich, wenn ich dich ein schwieriges Problem lösen sehe, eine exzellente Präsentation halten oder wertvolle Expertise beitragen".
Das erklärt, warum Karims Strategie scheiterte. Er versuchte Freundschaften aufzubauen, während er Wert beweisen sollte.
Die fünf großen Fehler arabischer Professionals beim deutschen Networking
1. Direkt nach einem Job im ersten Gespräch fragen
Der Fehler: "Hallo, ich suche einen Job. Stellt Ihre Firma ein?"
Warum es scheitert: Deutsche sehen das als opportunistisch und oberflächlich. Du bittest um etwas, bevor du irgendeinen Wert gezeigt hast.
Besser: "Ich interessiere mich für [X]-Bereich. Mir ist aufgefallen, dass Ihre Firma an [Y] arbeitet. Wie gehen Sie mit der Herausforderung [Z] um?"
2. Übermäßiger Smalltalk
Der Fehler: 15 Minuten über Wetter, Familie und Essen reden, bevor man zum Punkt kommt.
Warum es scheitert: Deutsche schätzen Effizienz. Wenn du 10 Minuten hast, nutze 8 davon für inhaltliche Diskussion.
Besser: Eine Minute Begrüßung, dann: "Ich würde gerne Ihre Meinung zu [spezifisches Fachthema] hören".
3. Um einen "Gefallen" bitten statt Wert zu tauschen
Der Fehler: "Können Sie meinen Lebenslauf an Ihren Manager weiterleiten?"
Warum es scheitert: Du bittest ohne zu geben. Deutsche bevorzugen ausgewogenen Austausch.
Besser: "Ich habe Erfahrung in [X]. Mir ist aufgefallen, dass Ihr Team an [Y] arbeitet. Wäre es hilfreich, eine Case Study zu teilen, wie wir ein ähnliches Problem gelöst haben?"
4. LinkedIn-Kontakt ohne Kontext
Der Fehler: "Hallo, ich würde gerne mit Ihnen vernetzen!" [Kontaktanfrage ohne Nachricht]
Warum es scheitert: Akzeptanzrate für zufällige LinkedIn-Anfragen in Deutschland: 12%. Versus 67% für personalisierte Anfragen.
Besser: "Hallo [Name], ich habe Ihren Artikel über [Thema] auf [Plattform] gelesen. Ich habe komplementäre Erfahrung in [Bereich]. Ich würde gerne Gedanken über [spezifischen Punkt] austauschen".
5. Sofortige Ergebnisse erwarten
Der Fehler: Follow-up nach 3 Tagen: "Haben Sie über mein Angebot nachgedacht?"
Warum es scheitert: Deutsche Berufsbeziehungen bauen sich langsam auf. Durchschnittliche Zeit vom ersten Kontakt zur Jobchance: 6-18 Monate.
Besser: Auf dem Radar bleiben mit regelmäßigem Wert - alle zwei Monate einen relevanten Artikel teilen, ihre Posts mit echtem Beitrag kommentieren, bei denselben Fachveranstaltungen erscheinen.
Wo echtes deutsches Networking stattfindet
Nicht auf Partys. Deutsche vermischen Vergnügen und Geschäft nicht stark.
Effektive Plattformen:
Spezialisierte Tech-Meetups - wie Meetup.com in Berlin. Suchen Sie nach Python-, Data Science- oder Product Management-Gruppen. Deutsche respektieren diejenigen, die konsistent teilnehmen und kluge Fragen stellen.
Xing - Die primäre deutsche Businessplattform (mehr als LinkedIn in manchen Sektoren). 70% der deutschen Recruiter sind aktiv auf Xing
Fachkonferenzen - Branchenspezifische Konferenzen. Teuer (300-800€), aber wo ernsthafte Verbindungen entstehen. Suchen Sie nach Events wie re:publica (Tech/Media) oder Bits & Pretzels (Startups).
Barcamp - "Un-Conference"-Events, wo Teilnehmer Themen vorschlagen. Oft kostenlos, und zeigt Ihre Expertise durch Leitung einer Session.
Karims neue Strategie: Von Null zum Vertrag
Nach zwei Jahren Scheitern änderte Karim seinen Ansatz komplett:
Monate 1-3: Sichtbarkeit aufbauen
- 3 spezifischen Meetup-Gruppen beigetreten (Data Engineering Berlin, Python Users Group, AWS Usergroup)
- Jedes Treffen besucht - nicht viel geredet, aber zugehört und eine gute technische Frage gestellt
- Nach jedem Event Notizen geschrieben und auf LinkedIn geteilt, Speaker getaggt
Monate 4-6: Wert beweisen
- Freiwillig für Lightning Talk (5 Minuten) beim Data Engineering Meetup gemeldet
- GitHub-Projekt geteilt, das ein häufiges Problem der Community löst
- 3 Personen im Online-Forum mit detaillierten technischen Lösungen geholfen
Monat 7: Die Gelegenheit
Ein regelmäßiger Teilnehmer - ein Deutscher, der 6 Monate lang dieselben Meetings besuchte - kontaktierte ihn: "Wir suchen einen Data Engineer. Ich habe Ihren Talk letzten Monat gesehen. Interesse an einem Gespräch?"
Es war keine traditionelle Empfehlung. Es war Anerkennung von bewiesenem Wert über 6 Monate.
Das Interview dauerte 90 Minuten - 60 davon tiefe technische Diskussion. Karim bekam das Angebot zwei Wochen später. Gehalt: 65.000€, 15% mehr als sein Ziel.
Die Lektion: Geduld + Kompetenz = Erfolg
Deutsches Professional Networking geht nicht darum, Kontakte zu sammeln - es geht darum, einen Ruf aufzubauen.
Karim besucht jetzt dieselben Meetings nicht mehr auf Jobsuche, sondern weil er Teil der Community ist. "Der Unterschied", sagt er, "ist, dass ich aufgehört habe zu versuchen, etwas von Menschen zu 'bekommen'. Ich fing an, etwas beizutragen. Deutsche reagieren darauf".
Das Rezept ist nicht geheim: Zeige deine Expertise an den richtigen Orten, mit Geduld, regelmäßig. Gelegenheiten werden kommen - nicht vom Bitten, sondern vom Verdienen.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- Statistisches Bundesamt - Arbeitsmarkt in Deutschland
- Meetup.com - Berlin Professional Events
- Xing - Deutsches Business-Netzwerk
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