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Deutsche Autoindustrie: 140 Jahre und Krise
Vor 140 Jahren erfand Carl Benz das Auto und veraenderte die Welt. Heute steht die deutsche Autoindustrie vor ihrer schwersten Krise. Was bedeutet das fuer arabische Arbeiter in den Werken?
Berlinuna Redaktion
Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.
Volkswagen verlor allein 2025 20 Milliarden Euro an Marktwert. Mercedes-Benz kuendigte den Abbau von 10.000 Stellen an. BMW bereitet sich darauf vor, eine komplette Produktionslinie in Muenchen zu schliessen. Die Zahlen sind erschuetternd.
Aber hinter jeder Zahl steckt eine Geschichte. Und Mahmoud, seit 12 Jahren Arbeiter im VW-Werk Wolfsburg, kennt diese Geschichten gut.
Jede Woche hoeren wir von einem Kollegen, dessen Vertrag beendet wurde, sagt er. Die Stimmung im Werk hat sich veraendert. Niemand spricht mehr ueber die Zukunft - jeder denkt: Bin ich der Naechste?
140 Jahre Ruhm
Am 29. Januar 1886 meldete Carl Benz das Patent fuer das erste Automobil der Geschichte an. Es fuhr 16 Kilometer pro Stunde und sah eher aus wie ein Dreirad mit Motor. Niemand ahnte, dass es den Planeten veraendern wuerde.
Heute beschaeftigt die deutsche Automobilindustrie 786.000 Menschen direkt und etwa zwei Millionen in verwandten Sektoren, so der Verband der Automobilindustrie (VDA). Sie traegt etwa 5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Doch diese Zahlen sinken.
Drei Herausforderungen auf einmal
Was passiert? Drei Faktoren treffen gleichzeitig zusammen.
Erstens, China. Vor einem Jahrzehnt war China ein offener Markt fuer deutsche Luxusautos. Heute exportiert China seine Elektroautos nach Europa zu Preisen, mit denen deutsche Hersteller nicht mithalten koennen. Der chinesische Hersteller BYD verkauft ein E-Auto fuer 25.000 Euro - waehrend das guenstigste Elektroauto von VW bei 35.000 beginnt.
Zweitens, die Elektrifizierung. Ein Elektroauto braucht weniger Teile - und weniger Arbeiter. Experten schaetzen, dass die Produktion eines E-Motors nur 30 Prozent der Arbeitsstunden eines Verbrennungsmotors erfordert.
Drittens, die deutsche Buerokratie. Ein Bericht des ifo-Instituts wies darauf hin, dass die Energiekosten in Deutschland 40 Prozent ueber dem europaeischen Durchschnitt liegen und die Unternehmenssteuern zu den hoechsten weltweit gehoeren.
Arabische Arbeiter im Auge des Sturms
In deutschen Automobilwerken machen Arbeiter mit Migrationshintergrund einen erheblichen Anteil aus - bis zu 25 Prozent in manchen Werken, laut Schaetzungen der IG Metall. Viele sind Araber und Tuerken, die als Gastarbeiter in den 60er und 70er Jahren kamen, oder deren Kinder und Enkel.
Mein Vater hat 35 Jahre bei Opel gearbeitet, erzaehlt Tarek aus Ruesselsheim. Er sagte mir immer: Das Unternehmen wird dich nicht im Stich lassen. Heute? Ich weiss nicht, was ich meinen Kindern sagen soll.
Das Paradoxe ist, dass viele dieser Arbeiter - besonders die Aelteren - keine formale Ausbildung haben. Sie arbeiteten jahrzehntelang am Fliessband, aber ohne anerkannte Zertifikate. Das macht ihre Wiederbeschaeftigung viel schwieriger.
Was tun bei Jobverlust?
Wenn Sie in der Automobilbranche arbeiten und um Ihren Arbeitsplatz fuerchten, gibt es Schritte, die Sie jetzt unternehmen koennen.
Erstens, unterschreiben Sie keinen Aufhebungsvertrag, ohne vorher einen Anwalt oder Ihre Gewerkschaft zu konsultieren. Viele Arbeiter unterschreiben unter Druck und verlieren ihre Ansprueche auf zusaetzliche Abfindungen.
Zweitens, melden Sie sich bei der Bundesagentur fuer Arbeit, sobald Sie von Ihrer Kuendigung erfahren - nicht erst danach. Verzoegerungen koennen Sie Wochen an Arbeitslosengeld kosten.
Drittens, erkundigen Sie sich nach Umschulungsprogrammen. Die Arbeitsagentur finanziert vollstaendige Weiterbildungen fuer Arbeitnehmer, die von Strukturwandel betroffen sind - einschliesslich Gehalt waehrend der Ausbildung.
Gibt es Hoffnung?
Das Bild ist nicht voellig duester. Deutschland ist immer noch der drittgroesste Autoexporteur der Welt. Und deutsche Unternehmen investieren Milliarden in Elektrofahrzeuge und autonomes Fahren.
Aber der Wandel wird schmerzhaft. Das Statistische Bundesamt erwartet, dass der Sektor bis 2030 weitere 100.000 Arbeitsplaetze verliert. Die eigentliche Frage: Wie viele davon finden eine Alternative?
Mahmoud, der VW-Arbeiter, denkt jede Nacht darueber nach. Ich habe abends einen Programmierkurs angefangen, sagt er. Ich weiss nicht, ob es hilft. Aber Warten ist keine Option.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphaere geaendert.
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- 27. Januar 2026
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