Einbürgerungstest: Was wird gefragt?
33 Fragen, 17 richtige Antworten zum Bestehen, Erfolgsquote über 90 Prozent. Der Einbürgerungstest klingt einfacher als gedacht, doch viele Bewerber sind nervös. Alle 310 Fragen sind vorab öffentlich einsehbar. Dieser Leitfaden erklärt das Format, die häufigsten Themen und die besten Vorbereitungsstrategien.
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Samer saß im Prüfungsraum der Volkshochschule in Berlin-Neukölln. Vor ihm lagen 33 Multiple-Choice-Fragen. Eine Stunde Zeit. Nach drei Jahren Papierkram und Behördengängen war er endlich beim Einbürgerungstest angekommen. Nervös? Nein. Denn er hatte jede einzelne Frage schon vorher gelesen.
Was viele Bewerber nicht wissen: Sämtliche Testfragen sind öffentlich zugänglich. Auf der offiziellen BAMF-Übungsseite finden sich alle 310 Prüfungsfragen, davon 300 allgemeine und 10 landesspezifische. Keine Überraschungen, keine versteckten Fragen.
Trotzdem ist die Nervosität real. Viele Bewerber (besonders jene ohne vergleichbare Prüfungserfahrung) machen sich mehr Sorgen als nötig. Die Bestehensquote liegt laut BAMF-Statistik bei über 90 Prozent. Der Test ist keine Falle. Er ist die letzte formale Hürde vor der Einbürgerung.

Format: 33 Fragen in 60 Minuten
Der Einbürgerungstest besteht aus 33 Fragen, die aus dem Gesamtkatalog ausgewählt werden: 30 allgemeine Fragen über Deutschland und 3 Fragen zum jeweiligen Bundesland. Jede Frage bietet vier Antwortmöglichkeiten, nur eine ist richtig. Zum Bestehen sind mindestens 17 richtige Antworten nötig, also rund 50 Prozent.
Die Prüfungszeit beträgt 60 Minuten. Die meisten Teilnehmer sind nach 30 bis 40 Minuten fertig. Es gibt keinen mündlichen Teil und keine Aufsätze. Einfach ankreuzen.
Die Gebühr: 25 Euro pro Versuch. Wer nicht besteht (was selten vorkommt), darf den Test beliebig oft wiederholen.
Was genau wird gefragt?
Die Fragen decken drei Themenbereiche ab. Der erste Bereich betrifft Politik in der Demokratie: Föderalismus, Bundestag, Wahlen, Bürgerrechte. Typische Fragen sind etwa: Was besagt Artikel 1 des Grundgesetzes? Antwort: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Oder: Wie viele Bundesländer hat Deutschland? Antwort: 16.
Der zweite Bereich umfasst Geschichte und Verantwortung, darunter Fragen zum Zweiten Weltkrieg, zur Berliner Mauer und zur Wiedervereinigung 1990. Aber keine Panik. Die Fragen sind nicht detailverliebt. Die meisten behandeln Grundwissen, das man nach einigen Jahren in Deutschland ohnehin kennt.
Der dritte Bereich heißt Mensch und Gesellschaft: Alltagsleben, Gleichberechtigung, Religionsfreiheit, Bildungssystem. Hier tauchen Fragen zum Föderalismus und zum Sozialversicherungssystem auf.

Wo und wie anmelden?
Der Test findet an BAMF-zugelassenen Prüfungsstellen statt, vor allem an den Volkshochschulen (VHS). Allein in Berlin gibt es 12 VHS-Standorte, die regelmäßig Prüfungstermine anbieten. Die Anmeldung erfolgt online oder persönlich, Termine gibt es alle paar Wochen.
Auch BAMF-zertifizierte private Bildungsträger bieten den Test an. Den nächsten Prüfungsort findet man über die Postleitzahlsuche auf der BAMF-Website.
Vorbereitung: Was wirklich hilft
Die effektivste Methode ist simpel: den offiziellen BAMF-Fragenkatalog durcharbeiten. Bundesland auswählen, alle 310 Fragen durchgehen, zwei- bis dreimal wiederholen. Viele erfolgreiche Prüflinge bestätigten, dass diese Methode ausreichend war.
Daneben gibt es kostenlose Smartphone-Apps mit denselben Fragen im Quiz-Format. Einige VHS-Standorte bieten ein- bis zweitägige Vorbereitungskurse an, die zwischen 15 und 30 Euro kosten. Aber der Kurs ist nicht Pflicht. Eigenständiges Lernen reicht in den meisten Fällen.
Ein praktischer Tipp: Nicht stur auswendig lernen, sondern Zusammenhänge verstehen. Wer das föderale System einmal begriffen hat, beantwortet gleich mehrere verwandte Fragen mühelos. Und die Frage zu Artikel 1 des Grundgesetzes? Die kommt fast immer. Die Antwort sollte sitzen.
Ausnahmen und Sonderfälle
Nicht jeder muss den Test ablegen. Das Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) sieht Befreiungen vor: Personen über 60 Jahre oder Menschen mit körperlichen oder psychischen Einschränkungen, die den Test nicht absolvieren können, werden befreit. Wer einen deutschen Hochschulabschluss hat oder die Schule in Deutschland besucht hat, muss den Test unter Umständen ebenfalls nicht ablegen.
Oft übersehen: Der Test "Leben in Deutschland" verwendet exakt denselben Fragenkatalog, wird aber für die Niederlassungserlaubnis (unbefristete Aufenthaltserlaubnis) verlangt. Der einzige Unterschied? Man braucht nur 15 statt 17 richtige Antworten.
Am Prüfungstag
15 Minuten vorher da sein. Personalausweis oder Reisepass mitbringen. Man sitzt mit anderen Prüflingen in einem Raum, bekommt den Fragebogen und los geht's. Kein Handy, kein Wörterbuch, keine Hilfsmittel.
Das Ergebnis kommt per Post, in der Regel nach vier bis sechs Wochen. Wer bestanden hat, bringt die Bescheinigung zum Einbürgerungstermin bei der Einbürgerungsbehörde mit. Die Bescheinigung gilt unbefristet.
Samer verließ den Raum nach 25 Minuten. 29 von 33 Fragen richtig. Er sei kein Genie, betonte er. Aber er war vorbereitet. Und genau das macht den Unterschied: nicht Talent, sondern schlicht die Bereitschaft, den öffentlich zugänglichen Fragenkatalog vorher durchzugehen.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- BAMF - Fragenkatalog Einbürgerungstest (310 Fragen online)
- BAMF - Statistik zum Einbürgerungstest (Bestehensquoten)
- Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) §10 - Einbürgerungsvoraussetzungen
- Volkshochschulen Berlin - Kursangebote und Prüfungstermine
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