Energiekosten senken: Was jetzt hilft
Seit die Ölpreise wegen der Iran-Krise über 100 Dollar gestiegen sind, zahlen deutsche Haushalte bis zu 38 Prozent mehr für Heizung und Strom. Dieser Ratgeber zeigt fünf konkrete Schritte, um die Nebenkosten zu senken — vom Anbieterwechsel bis zum Wohngeld-Antrag.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Sritam_kumar_Sethy/Pixabay · Pixabay License
Als Nadia ihre Heizkostenabrechnung in ihrer Neuköllner Altbauwohnung öffnete, traute sie ihren Augen nicht: 2.400 Euro. Das Doppelte vom Vorjahr. Die Wohnung ist schlecht gedämmt, der Gaszähler dreht sich unaufhörlich — und die Krise im Nahen Osten hat die Energiepreise in eine andere Dimension katapultiert.
Nadia ist kein Einzelfall. Seit der Eskalation des Iran-Konflikts und dem Anstieg der Ölpreise auf über 100 Dollar pro Barrel sind die Gas- und Stromkosten in Deutschland laut Statistischem Bundesamt um rund 38 Prozent gestiegen. Arabische Familien — häufig in älteren Mietwohnungen mit schlechter Dämmung — trifft es besonders hart.
Aber es gibt konkrete Maßnahmen, die sofort helfen. Nicht morgen. Heute.
Stromanbieter wechseln — sofort
Der einfachste und wirksamste Schritt heißt Stromanbieterwechsel. Wie die Verbraucherzentrale erläuterte, zahlen viele Haushalte den teuren Grundversorgungstarif. Der Unterschied zum günstigsten Angebot? Bis zu 500 Euro pro Jahr für eine vierköpfige Familie.
So funktioniert es: Auf einem Vergleichsportal wie CHECK24 oder Verivox geben Sie Ihren Jahresverbrauch in Kilowattstunden ein (steht auf Ihrer letzten Rechnung unter „Jahresverbrauch“) und wählen das beste Angebot. Der neue Anbieter übernimmt die Kündigung. Und keine Sorge — eine Stromunterbrechung ist gesetzlich ausgeschlossen.
Nebenkostenabrechnung prüfen
Die jährliche Nebenkostenabrechnung kommt meist im Frühjahr. Das Problem? Viele Mieterinnen und Mieter (besonders diejenigen mit geringen Deutschkenntnissen) zahlen, ohne die Details zu prüfen. Laut Verbraucherzentrale enthält jede dritte Nebenkostenabrechnung in Deutschland Fehler. Jede dritte.
Bei einer unerwartet hohen Abrechnung haben Sie zwölf Monate Zeit für einen Widerspruch. In der Berliner Verbraucherzentrale an der Hardenbergstraße 20 können Sie einen kostenlosen Beratungstermin vereinbaren — dort wird Ihre Abrechnung gemeinsam durchgegangen. Wussten Sie, dass der Vermieter nach Wohnfläche abrechnen muss und nicht pauschal nach Personenzahl? Aber das wissen die wenigsten Neumieter.
Wohngeld: Mehr Menschen berechtigt als gedacht
Das Wohngeld ist ein monatlicher Zuschuss für Haushalte, die kein Bürgergeld beziehen. Seit der Reform 2023 hat sich die Zahl der Empfänger laut Statistischem Bundesamt auf über zwei Millionen verdoppelt. Und trotzdem beantragen viele Berechtigte nichts — schlicht, weil sie davon nie gehört haben.
Der Antrag läuft über die zuständige Wohngeldstelle im jeweiligen Bezirk. Benötigt werden Einkommensnachweis, Mietvertrag und ein gültiger Ausweis. Eine vierköpfige Familie mit einem Nettoeinkommen von 2.500 Euro kann mit 300 bis 400 Euro monatlich rechnen. Seit der Reform enthält das Wohngeld auch eine Heizkosten-Komponente — und genau die macht diesen Winter den Unterschied.
Härtefallfonds bei Zahlungsengpässen
Wenn eine hohe Energierechnung ins Haus flattert, die Sie nicht bezahlen können — ignorieren Sie sie nicht. Denn der Versorger kann Strom oder Gas abstellen. Die Verbraucherzentrale warnte, dass 2024 über 230.000 Stromsperren in Deutschland verhängt wurden. Stattdessen: Kontaktieren Sie Ihren Anbieter und fragen Sie nach einer Ratenzahlung. Die meisten stimmen zu.
Und wenn selbst die Raten nicht reichen, gibt es den Härtefallfonds — ein Hilfsprogramm, das in verschiedenen Bundesländern existiert. In Berlin bietet die Verbraucherzentrale kostenlose Energieberatung an. Aber handeln Sie schnell — bevor die Sperrankündigung kommt.
Fünf Minuten, Hunderte Euro gespart
Abseits der formellen Schritte machen kleine Änderungen einen großen Unterschied. Die Heizung um nur ein Grad senken spart laut Verbraucherzentrale rund sechs Prozent der Gaskosten jährlich. Und Stoßlüften (Fenster für fünf Minuten ganz öffnen, dann schließen) ist deutlich effektiver, als das Fenster den ganzen Tag gekippt zu lassen — eine Gewohnheit, die in vielen Haushalten verbreitet ist.
Überraschend: Viele Elektrogeräte verbrauchen auch im Standby Strom — der sogenannte Standby-Verbrauch. Ein einfaches Strommessgerät (kostenlos ausleihbar in den Berliner Stadtbibliotheken) zeigt, welche Geräte heimlich Strom fressen.
Die Krise ist real, die Zahlen sind besorgniserregend. Aber Handeln ist möglich — und jeder Schritt (selbst der kleinste) bringt Sie einer niedrigeren Rechnung näher. Wechseln Sie diese Woche den Anbieter, prüfen Sie Ihre Nebenkostenabrechnung, und klären Sie Ihren Wohngeld-Anspruch. Niemand wird an Ihre Tür klopfen, um Sie auf Ihre Rechte hinzuweisen.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
المصادر / Quellen
- Statistisches Bundesamt — Verbraucherpreisindex und Inflationsrate
- Verbraucherzentrale — Preise, Tarife, Anbieterwechsel
- Verbraucherzentrale — Heizen und Warmwasser
- Verbraucherzentrale — Energiekosten im Griff
- Verbraucherzentrale — Strom sparen
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