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Jeder sechste Schüler wird im Chat gemobbt

Eine neue WDR-Umfrage zeigt: Jedes sechste Kind zwischen 10 und 16 Jahren wird im Klassenchat beleidigt oder gemobbt. Mehr als ein Drittel hat dort belastende Erfahrungen gemacht. Viele Eltern wissen nicht, was in diesen Gruppen passiert — und auch nicht, dass Cybermobbing in Deutschland strafbar ist. Was Eltern jetzt tun sollten, wenn ihr Kind betroffen ist.

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•18. März 2026•3 Min. Lesezeit•72 Aufrufe
Jeder sechste Schüler wird im Chat gemobbt
Symbolbild

صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Leonhard_Niederwimmer/Pixabay · Pixabay License

22 Uhr, das Handy Ihres Kindes leuchtet alle paar Sekunden auf. Dutzende Nachrichten in der Klassen-WhatsApp-Gruppe. Sie denken: Mathe-Hausaufgaben. Doch eine neue Umfrage zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind dort beleidigt wird, alles andere als gering ist. Jeder sechste Schüler berichtet von Mobbing im Klassenchat.

Was die WDR-Umfrage zeigt

Infratest dimap hat im Auftrag des WDR 1.257 Schülerinnen und Schüler zwischen 10 und 16 Jahren befragt. Die Ergebnisse, veröffentlicht am 18. März 2026, zeichnen ein klares Bild: Vier von fünf Befragten nutzen einen Klassenchat, überwiegend auf WhatsApp. Mehr als ein Drittel hat dort unangenehme oder belastende Inhalte erlebt. Jeder Sechste wurde direkt beleidigt oder gemobbt.

Die Folgen bleiben nicht digital. Jeder sechste betroffene Schüler wollte wegen des Klassenchats nicht mehr in die Schule gehen. Jeder Vierte machte sich Sorgen über dort gepostete Inhalte. Was in der Gruppe passiert, wirkt sich direkt auf den Schulalltag aus.

Cybermobbing ist kein Kinderstreit — es ist strafbar

Viele Eltern tun Cybermobbing als normalen Streit unter Kindern ab. Das deutsche Strafrecht sieht das anders: Beleidigung nach § 185 StGB, Bedrohung nach § 241 StGB und Nötigung nach § 240 StGB gelten auch im digitalen Raum. Ab 14 Jahren sind Jugendliche in Deutschland strafmündig.

Thomas-Gabriel Rüdiger, Leiter des Instituts für Cyberkriminologie an der Hochschule der Polizei Brandenburg, warnte im WDR: "Wir haben Kinder und Jugendliche seit zwei Generationen im digitalen Raum komplett alleine gelassen." Die Folge sei ein Absinken der Hemmschwellen — Kinder werden in Klassenchats zu Opfern, aber auch zu Tätern.

Was Eltern sofort tun sollten

Erster Schritt: Alles dokumentieren. Screenshots von beleidigenden Nachrichten sichern — mit Datum, Uhrzeit und Absendername. Keine Nachrichten löschen, denn gelöschte Inhalte können später nicht mehr als Beweis dienen. Zweiter Schritt: Mit dem Kind sprechen, ruhig und ohne Vorwürfe. Zuhören. Das Handy nicht sofort wegnehmen — sonst schweigt das Kind beim nächsten Mal.

Die Meldekette: An wen man sich wendet

Erste Anlaufstelle ist die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer. Schulen in Deutschland sind durch das Schulgesetz verpflichtet, Schüler zu schützen — auch im digitalen Raum. Reagiert die Lehrkraft nicht, geht man zur Schulleitung. Bleibt auch dort eine Reaktion aus, ist das Schulamt der nächste Schritt.

Bei eindeutig strafrechtlich relevantem Inhalt — Morddrohungen, Gewaltbilder, rassistische Hetze — sollte man nicht abwarten, sondern direkt Anzeige bei der Polizei erstatten. Drohungen im Klassenchat sind rechtlich nicht anders zu bewerten als Drohungen von Angesicht zu Angesicht. Ein Schulleiter aus Hattingen bestätigte gegenüber dem WDR, dass polizeiliche Intervention in vergangenen Fällen an seiner Schule eine nachhaltige Wirkung hatte.

Anlaufstellen und Beratungsangebote

Die Nummer gegen Kummer ist unter 116 111 erreichbar — kostenlos und anonym. Der Dienst bietet mehrsprachige Unterstützung an, wobei die Verfügbarkeit einzelner Sprachen je nach Region und Zeitfenster variiert.

Für Jugendliche selbst bietet juuuport.de Peer-Beratung an: Geschulte junge Menschen beraten andere Jugendliche auf Augenhöhe zu digitalen Problemen. Für Eltern, die sich tiefer einarbeiten wollen, bietet klicksafe.de praxisnahe Leitfäden und Materialien zur Internetsicherheit für Kinder.

Nicht warten, bis das Kind verstummt

Rüdiger forderte verpflichtende digitale Bildung an allen Schulen ab der ersten Klasse und Fortbildungen für Eltern, damit sie ihre Kinder im Netz begleiten können. Schulen, die früh handeln, sehen Ergebnisse: An einer Schule in Hattingen gibt es Handytrainings für alle Fünftklässler, bei denen eine Vertrauenslehrerin mit den Kindern bespricht, wie Nachrichten wirken und warum es nicht in Ordnung ist, Bilder anderer Kinder ohne Erlaubnis zu teilen.

Der Klassenchat Ihres Kindes ist die eine Gruppe auf dem Handy, in die Sie vermutlich nie hineingeschaut haben. Die Umfrage legt nahe: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, nachzufragen — nicht um zu kontrollieren, sondern um da zu sein.

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