Sie kommen mit Knieschmerzen ins Krankenhaus um die Ecke, und dort sagt man Ihnen: Diese Operation machen wir nicht mehr. Fahren Sie bitte in die nächste Stadt. Was nach einem schlechten Witz klingt, könnte in einigen Jahren Realität werden. Am Freitag, dem 28. März 2026, hat der Bundesrat die Krankenhausreform gebilligt.
Zunächst das Wichtigste: Die Notfallversorgung bleibt unangetastet. Bei einem Herzinfarkt oder Unfall fahren Sie weiterhin ins nächste Krankenhaus. Daran ändert das Gesetz nichts. Was sich ändert, betrifft geplante Eingriffe und Behandlungen.
Und das ist keine kleine Änderung.

Was sind Leistungsgruppen?
Der Kern der Reform: Krankenhäuser sollen nicht mehr alles anbieten, sondern sich spezialisieren. Medizinische Leistungen werden in sogenannte Leistungsgruppen eingeteilt, für die jeweils klare Qualitätskriterien gelten. Fachärztliches Personal, technische Ausstattung, pflegerische Mindeststandards. Nur wer die Vorgaben erfüllt, darf die entsprechende Behandlung weiterhin anbieten.
Laut Bundesgesundheitsministerium soll so die Behandlungsqualität steigen. Die Logik dahinter: Ein Chirurg, der 200 Knieoperationen im Jahr durchführt, operiert besser als einer, der es fünfmal macht. Spezialisierung rettet Leben.
Auch die Finanzierung ändert sich grundlegend. Bisher bekommen Kliniken Geld pro behandeltem Fall (Fallpauschalen). Das neue System ergänzt dieses Modell um eine sogenannte Vorhaltevergütung: 60 Prozent des Krankenhausbudgets werden künftig unabhängig von der Fallzahl garantiert. Die übrigen 40 Prozent hängen weiterhin von den tatsächlich erbrachten Leistungen ab.
Was bedeutet das für Patienten?
Wer einen geplanten Eingriff braucht (Gelenkersatz, Tumorentfernung, Herzoperation), muss möglicherweise weiter fahren als bisher. Das gilt besonders für ländliche Gebiete. Laut RBB24 haben Brandenburger Gesundheitspolitiker bereits kritisiert, dass die Reform Landkrankenhäuser benachteiligen könnte.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken betonte hingegen, die Grundprinzipien seien klar: mehr Qualität, mehr Spezialisierung, mehr Effizienz. Die Krankenhausplanung bleibe Ländersache. Die Bundesländer entscheiden also weiterhin, welches Krankenhaus welche Leistungen anbietet.
Werden Krankenhäuser geschlossen? Nicht direkt. Das Gesetz schließt keine Klinik per Dekret. Aber es schafft ein System, in dem manche Häuser über die Jahre bestimmte Abteilungen verlieren könnten. Kleinere Kliniken, besonders auf dem Land, haben die Möglichkeit, sich in sogenannte sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen umzuwandeln. Diese verbinden stationäre, ambulante und pflegerische Leistungen unter einem Dach.

Was sollten Sie jetzt tun?
Sofort handeln müssen Sie nicht. Die Umsetzung erfolgt schrittweise über mehrere Jahre, mit Übergangsfristen für die Kliniken. Aber es schadet nicht, vorbereitet zu sein.
Die wichtigste Anlaufstelle bleibt Ihr Hausarzt. Er überweist Sie an das passende Krankenhaus für Ihren Eingriff. Wer noch keinen Hausarzt hat, kann die Telefonnummer 116 117 nutzen. Dieser ärztliche Bereitschaftsdienst ist rund um die Uhr erreichbar und hilft bei der Suche nach dem richtigen Arzt oder Krankenhaus.
Im echten Notfall gilt weiterhin: 112 anrufen. Das nächste Krankenhaus nimmt Sie auf. Daran hat sich nichts geändert.
Wie geht es weiter?
Das ursprüngliche Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) wurde Ende 2024 verabschiedet. Was der Bundesrat am Freitag beschlossen hat, ist das Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG), das die praktische Umsetzung regelt. Die Einführung der Leistungsgruppen und der neuen Vergütungsstruktur erfolgt stufenweise.
Niemand wird morgen vor einem geschlossenen Krankenhaus stehen. Die Veränderungen kommen, aber sie kommen langsam. Wer vor einem geplanten Eingriff seinen Hausarzt nach dem richtigen Krankenhaus fragt, ist auf der sicheren Seite.
Quellen
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