Krankmeldungen kosten Deutschland Milliarden
Eine neue Studie enthüllt: Krankheitsbedingte Fehlzeiten kosten die deutsche Wirtschaft jährlich Milliarden Euro. Bei Rekord-Krankenständen werden Rufe nach Reformen lauter.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Christina Morillo/Unsplash
In seinem Büro bei einem Maschinenbauer in Stuttgart geht Markus Fischer zum dritten Mal in Folge den Schichtplan durch. Drei von acht Teammitgliedern sind krankgemeldet. Das ist mittlerweile Routine, sagt er kopfschüttelnd.
Fischer steht nicht allein da. Laut einer diese Woche veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) beliefen sich die Kosten krankheitsbedingter Fehlzeiten in Deutschland 2025 auf rund 26 Milliarden Euro — ein neuer Rekord.
Aber was passiert da eigentlich? Und wie betrifft das Arbeitnehmer — insbesondere mit Migrationshintergrund?
Die Zahlen, die Berlin beunruhigen
Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen: Die durchschnittlichen Krankheitstage pro Arbeitnehmer stiegen 2025 auf 15,2 Tage — gegenüber 11,1 Tagen vor fünf Jahren. Ein Plus von 37 Prozent.
Ein Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) erklärte, die Lage sei nicht mehr tragbar. Besonders kleine und mittlere Unternehmen kämpften damit, kurzfristige Ausfälle zu kompensieren.
Die Techniker Krankenkasse bestätigte ihrerseits: Psychische Erkrankungen wie Depression und Burnout machen inzwischen 19 Prozent aller Fehltage aus. Diese Zahl hat sich binnen eines Jahrzehnts verdoppelt.
Telefonische Krankschreibung: Segen oder Fluch?
Seit der Corona-Pandemie können sich Beschäftigte in Deutschland per Telefon oder Video krankschreiben lassen — ohne persönlichen Arztbesuch. Doch diese Erleichterung ist umstritten.
Der Bundesgesundheitsminister warnte, einige Arbeitnehmer missbrauchen das System. Die Regierung prüfe Einschränkungen bei telefonischen Krankschreibungen. Gewerkschaften reagierten scharf: Das Problem liege nicht bei den Beschäftigten, sondern bei belastenden Arbeitsbedingungen.
Was bedeutet das für ausländische Arbeitnehmer?
Für Beschäftigte mit Migrationshintergrund ist die Lage komplexer. Viele von ihnen — besonders in Bau, Reinigung und Pflege — arbeiten in körperlich anspruchsvollen Jobs, was das Verletzungs- und Erschöpfungsrisiko erhöht.
Sarah, eine syrische Pflegerin in einem Berliner Seniorenheim, berichtete: Ich scheue mich, mich krankzumelden, selbst wenn ich wirklich krank bin. Der Grund? Ich fürchte, negativ aufzufallen — oder dass es meine Vertragsverlängerung gefährdet.
Diese Angst — obwohl das deutsche Recht das Recht auf Krankmeldung schützt — spiegelt reale Drucksituationen wider, denen viele ausländische Arbeitnehmer ausgesetzt sind.
Ihre Rechte
Die Bundesagentur für Arbeit weist darauf hin: Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat Anspruch auf sechs Wochen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Danach zahlt die Krankenkasse Krankengeld — etwa 70 Prozent des Bruttolohns.
Wichtig: Ihr Arbeitgeber darf nicht nach Ihrer Diagnose fragen. Er erhält nur eine Bescheinigung über Ihre Arbeitsunfähigkeit — ohne Details.
Werden geplante Reformen diese Rechte einschränken? Die Regierung verneint das bisher. Aber die Debatte läuft — und Arbeitgeber drängen zunächst auf Einschränkungen bei telefonischen Krankschreibungen.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- Statistisches Bundesamt - Arbeitsmarkt
- Techniker Krankenkasse - Gesundheitsreport
- Bundesagentur für Arbeit - Arbeitnehmerrechte
- DW - Krankmeldungen in Deutschland
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