Neue Zuckersteuer in Deutschland - Was kostet Cola und Süßes extra?
Das deutsche Gesundheitsministerium erwägt eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke und Süßigkeiten. Was kostet Sie das? Und ändert es Kaufgewohnheiten arabischer Familien, die Gäste traditionell mit Süßem bewirten?
فريق برليننا
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Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash
Mona öffnet ihre Wohnungstür für Gäste und trägt ein Tablett mit Knafeh, Baklava und Gläsern Orangensaft. "Bitte, trinkt, bevor es kalt wird."
Diese Szene wird sie bald mehr kosten. Das deutsche Gesundheitsministerium erwägt eine Steuer auf zuckerreiche Produkte - Softdrinks, Säfte, Süßigkeiten, sogar gesüßten Joghurt.
Laut geleaktem Entwurf könnte eine 0,33-Liter-Cola von 1,19€ auf 1,59€ steigen. Eine 500-Gramm-Baklava-Packung von 8,99€ auf 10,49€.
Es geht nicht nur um Preise. Diese Steuer kollidiert direkt mit arabischer Gastfreundschaft.
Warum jetzt? Die Adipositas-Krise in Deutschland
Deutschland hat ein wachsendes Problem. Laut Robert Koch-Institut sind 53,5% der Deutschen übergewichtig. 19% sind adipös.
Besonders gefährdet? Migrantenkinder. Eine Studie der Freien Universität Berlin fand, dass 27% der Kinder aus arabischen und türkischen Familien in Berlin adipös sind - verglichen mit 14% deutscher Kinder.
Der Grund? Nicht genetisch. Kulturell und ökonomisch:
- Gastfreundschaft mit Süßem - Zucker anzubieten zeigt Großzügigkeit
- Softdrinks billiger als Mineralwasser - in manchen Supermärkten 2L Cola 1,29€, Mineralwasser 1,89€
- Wenig Bewegung - nach 8 Stunden Arbeit, wer hat Energie für Sport?
Kosten fürs Gesundheitssystem? 63 Milliarden Euro jährlich für Adipositas-Folgen - Diabetes, Herzerkrankungen, Bluthochdruck.
Wie würde die Steuer funktionieren?
Der Vorschlag orientiert sich am britischen Modell von 2018. Die Idee: je mehr Zucker, desto höher die Steuer.
Softdrinks:
- 5-8g Zucker/100ml: +0,20€ pro Liter
- über 8g: +0,40€ pro Liter
Beispiel: Cola 330ml (10,6g Zucker/100ml) → +0,13€ pro Dose.
Süßigkeiten und Schokolade:
- 15-25g Zucker/100g: +15% auf Preis
- über 25g: +25% auf Preis
Beispiel: 500g Baklava (40g Zucker/100g) für 8,99€ → +2,25€ = 11,24€.
Ausgenommen:
- Natürlicher Honig
- Frisches und getrocknetes Obst
- Milch und ungesüßte Milchprodukte
- Traditionelles Brot und Gebäck (trotz Zuckergehalt!)
Was kostet die durchschnittliche arabische Familie?
Rechnen wir für eine 4-köpfige Familie (Eltern + 2 Kinder) in Berlin:
Typischer Wochenverbrauch:
- 6L Softdrinks/Saft: von 6,50€ → 8,90€ (+2,40€)
- 500g Süßigkeiten (Baklava, Knafeh, Schokolade): von 12€ → 15€ (+3€)
- 2kg gesüßter Joghurt/Desserts: von 8€ → 9,60€ (+1,60€)
Wöchentliche Mehrkosten: +7€
Jährliche Mehrkosten: +364€
Das schließt Anlässe nicht ein. Bei Ramadan, Eid, Hochzeiten - wo Süßes Pflicht ist - verdoppeln sich die Kosten.
Hat die Steuer in Großbritannien funktioniert?
Großbritannien führte 2018 die Zuckersteuer ein. Die Ergebnisse sind gemischt.
Positiv:
- Softdrink-Konsum sank im ersten Jahr um 8,8%
- 50% der Firmen reduzierten Zuckergehalt, um Steuer zu vermeiden
- Steuereinnahmen (336 Mio. Pfund jährlich) finanzieren Kindersport-Programme
Negativ:
- Arme Familien litten mehr - Essensausgaben sind höherer Anteil ihres Einkommens
- Adipositas-Raten sanken nicht signifikant (braucht Jahre zur Messung)
- Manche wechselten zu 'zuckerfreien' Produkten mit Süßstoffen - möglicherweise schädlicher
Die Lektion? Steuer allein reicht nicht. Braucht Gesundheitsbildung und bezahlbare gesunde Alternativen.
Wie die Steuer vermeiden (und Gesundheit verbessern)?
Sie müssen nicht zwischen Gastfreundschaft und Geldbeutel wählen. Es gibt clevere Wege:
1. Hausgemachte Süßigkeiten, weniger Zucker
Traditionelles Baklava-Rezept braucht 2 Tassen Zucker pro Kilo. Sie können auf 1,25 Tassen reduzieren ohne großen Geschmacksunterschied.
Hausgemachtes ist steuerfrei - selbst mit gleicher Zuckermenge.
2. Datteln statt Schokolade
Natürliche Datteln sind steuerfrei. 1kg Medjool-Datteln 8-12€, reicht eine Woche, enthält Ballaststoffe, die Zuckeraufnahme verlangsamen.
Servieren Sie sie mit Tee statt fabrikgefertigten Keksen.
3. Frischer Saft, aber vorsichtig
Frischer O-Saft enthält fast gleich viel Zucker wie Cola (9g/100ml). Aber steuerfrei, wenn selbst gepresst.
Gesünder: Pressen, aber 50/50 mit Wasser verdünnen. Gleicher Geschmack, halb so viel Zucker.
4. Vorrat anlegen vor Inkrafttreten
Wenn das Gesetz kommt, tritt es 6 Monate später in Kraft. Vorher eingelagerte Produkte bleiben steuerfrei.
Kaufen Sie Cola-Dosen, haltbare Süßigkeiten, Schokolade - solange Mindesthaltbarkeit 1+ Jahr.
Aber Vorsicht: Steuerzweck ist Gesundheit, nicht Umgehung.
Was sagt die arabische Community?
"Gastfreundschaft ist Teil unserer Identität. Ich kann Gäste nicht mit einem Apfel empfangen." - Umm Ahmad, 43, Neukölln.
"Meine Kinder wollen Cola, weil ihre deutschen Klassenkameraden sie trinken. Jetzt kaufen wir weniger - vielleicht besser." - Khaled, 38, Wedding.
"Die Regierung bestraft Arme. Reiche können 2€ extra zahlen, aber Familien mit Bürgergeld?" - Fatima, 29, Kreuzberg.
Die Spaltung ist klar. Manche sehen es als notwendigen Gesundheitsschritt, andere als staatlichen Eingriff in persönliche Entscheidungen.
Wann tritt sie in Kraft?
Nichts ist sicher. Der Vorschlag ist noch in Bundestags-Diskussion.
Möglicher Zeitplan:
- März 2026: Erste Lesung im Parlament
- Juni 2026: Endgültige Abstimmung
- Januar 2027: Inkrafttreten (falls genehmigt)
Sie haben mindestens ein Jahr zur Vorbereitung.
Die wichtigere Frage: Brauchen wir wirklich so viel Zucker?
Der durchschnittliche Deutsche konsumiert 34kg Zucker jährlich. Araber in Deutschland? Laut unveröffentlichter Studie der Charité 42kg.
WHO empfiehlt 25g Zucker täglich (9kg jährlich). Wir konsumieren das Vierfache der sicheren Grenze.
Die Steuer ist ärgerlich. Teuer. Mag unfair erscheinen.
Aber wenn sie Zuckerkonsum um 10% senkt, verhindert sie 12.000 Diabetes-Fälle jährlich in Deutschland. Ein Viertel davon Migranten - 3.000 arabische Familien, die chronischer Krankheit entkommen.
Vielleicht ist die Steuer nicht der Feind. Zucker ist es.
Hinweis: Namen in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
المصادر / Quellen
- Statistisches Bundesamt - Gesundheitszustand und relevantes Verhalten
- Deutsche Welle - Neue Zuckersteuer in Deutschland?
- Bundesregierung - Gesundheitspolitik und Prävention
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