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Öl über 100 Dollar: Dreifacher Druck
Während der Ölpreis infolge der Iran-Krise die 100-Dollar-Marke überschreitet, geraten arabische Familien in Deutschland unter dreifachen Druck: steigende Heizkosten, teurere Lebensmittel — besonders nahöstliche Importwaren — und sinkende Kaufkraft ihrer Rücküberweisungen in die Heimatländer.
Berlinuna Redaktion
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102 Dollar pro Barrel. Das war der Preis, mit dem die Ölmärkte am Montagmorgen aufwachten - nach einer Woche militärischer Eskalation gegen den Iran. Für die rund 1,5 Millionen Araberinnen und Araber in Deutschland ist diese Zahl mehr als eine Wirtschaftsschlagzeile. Sie bedeutet: Die kommenden Monate werden teuer.
Sara, eine syrische Mutter in Berlin-Neukölln, bemerkte den Unterschied, bevor sie die Nachrichten las. Ihre monatliche Heizkostenabrechnung stieg um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im Supermarkt kostete das importierte Olivenöl plötzlich 12,49 statt 8,99 Euro. Und die monatliche Überweisung an ihre Familie in Damaskus? Die kauft dort deutlich weniger als noch vor einem halben Jahr.
Heizkosten: Der erste Schlag
Laut Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) stiegen die Energiepreise für Haushalte im Februar 2026 um 14,2 Prozent im Jahresvergleich. Erdgas - von dem mehr als die Hälfte aller deutschen Wohnungen abhängt - wurde direkt vom Ölpreisanstieg mitgerissen. Aber die Belastung verteilt sich nicht gleichmäßig. Arabische Familien (viele davon in schlecht isolierten Altbauwohnungen) zahlen bis zu 22 Prozent mehr als der deutsche Durchschnitt, so Schätzungen des Berliner Energieforschungszentrums.
Saras Wohnung an der Karl-Marx-Straße wurde in den 1960er Jahren gebaut. Alte Fenster, keine Dämmung. Das Ergebnis? Fast 280 Euro monatlich allein für die Heizung - Strom nicht eingerechnet.
Lebensmittel: Preise, die wehtun
Der zweite Schlag kommt aus den Supermarktregalen. Ein aktueller Destatis-Bericht bestätigte einen Anstieg der Lebensmittelpreise um 6,8 Prozent in den ersten beiden Monaten 2026. Aber dieser Durchschnitt verschleiert die Realität. Produkte aus dem Nahen Osten und Nordafrika - Olivenöl, Datteln, Kichererbsen, Gewürze - verteuerten sich um 15 bis 30 Prozent.
Ein Wirtschaftsexperte am DIW Berlin erklärte, dass die gestiegenen Frachtkosten durch die Spannungen in der Straße von Hormus 8 bis 12 Cent pro Kilogramm importierter Ware aufschlagen. Familien, die sich nahöstlich ernähren, tragen die größte Last.
Rücküberweisungen: Weniger Kaufkraft daheim
Der dritte Druckfaktor kommt unerwartet. Daten der Deutschen Bundesbank zeigen, dass Überweisungen aus Deutschland in arabische Staaten 2025 rund 4,3 Milliarden Euro betrugen. Doch die Kaufkraft dieser Überweisungen schrumpft. In Syrien reicht eine Überweisung, die vor zwei Jahren eine Familie einen Monat lang versorgte, heute nur noch für zwei Wochen.
Ökonomen warnen: Steigende Ölpreise schwächen den Euro gegenüber dem Dollar (der Referenzwährung für Ölpreise). Jeder überwiesene Euro wird in weniger Dollar umgetauscht - und damit in weniger Kaufkraft in den Herkunftsländern. Die Ironie? Einige ölproduzierende arabische Staaten profitieren von den hohen Preisen, während die Diaspora den Preis doppelt bezahlt.
Was können Betroffene tun?
Sozialberater in Beratungsstellen weisen darauf hin, dass einkommensschwache Familien einen Anspruch auf Wohngeld mit Heizkostenzuschuss haben. Die Zahl der Empfänger stieg seit Jahresbeginn um 35 Prozent. Aber viele arabische Familien (besonders neu Angekommene) wissen nichts von diesem Anspruch.
Sara wusste es nicht. Ihre deutsche Nachbarin hat es ihr erzählt. Jetzt wartet sie auf die Antwort - und hofft, dass sie kommt, bevor die nächste Rechnung eintrifft.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
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- Aktualisiert
- 9. März 2026
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