SCHUFA: Die geheime Akte, die Ihr Leben bestimmt
Wohnungsantrag abgelehnt? Handyvertrag verweigert? Der Grund ist oft eine Akte, von der Sie nie gehört haben. Die SCHUFA ist ein privates Unternehmen, das Daten über jeden in Deutschland sammelt - und ihre Bewertung kann Türen öffnen oder schließen. Hier ist alles, was Sie wissen müssen.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Christian Lue/Unsplash
Leyla kam vor drei Jahren nach Berlin. Guter Job, festes Gehalt, keine Schulden. Trotzdem - ihr Antrag für eine Wohnung in Charlottenburg wurde abgelehnt. Der Grund? "Unzureichender SCHUFA-Score".
"Ich wusste nicht einmal, was SCHUFA ist", sagt Leyla. "Ich dachte, es geht um mein Vorstrafenregister oder so etwas."
Sie ist nicht allein. Die meisten Neuankömmlinge in Deutschland (und viele Deutsche selbst) verstehen nicht, wie dieses mysteriöse Unternehmen funktioniert - und warum es so viel Macht über ihren Alltag hat.
Was genau ist die SCHUFA?
Die SCHUFA Holding AG ist ein privates deutsches Unternehmen (keine Behörde), gegründet 1927. Ihre Aufgabe: Finanzdaten über Privatpersonen und Unternehmen in Deutschland sammeln und dann an Interessenten verkaufen.
Das Unternehmen besitzt Daten über mehr als 68 Millionen Menschen in Deutschland - fast jeden Erwachsenen im Land. Laut eigenen Angaben bearbeitet die SCHUFA jährlich über 165 Millionen Anfragen von Unternehmen, die wissen wollen: "Ist diese Person finanziell vertrauenswürdig?"
Wer fragt nach Ihnen - und warum?
Wenn Sie sich um eine Wohnung bewerben, verlangt der Vermieter oft eine "SCHUFA-Auskunft". Wenn Sie einen Handyvertrag unterschreiben, fragt der Anbieter Ihre Akte ab. Banken tun das vor der Kontoeröffnung. Sogar manche Arbeitgeber (ja, das ist in bestimmten Fällen legal).
Die Liste ist lang: Stromversorger, Elektronikgeschäfte bei Ratenkäufen, Versicherungen und Online-Shops mit "Später zahlen"-Option.
Wie wird Ihr Score berechnet?
Hier liegt das große Problem. Niemand weiß es genau.
Die SCHUFA hält den Algorithmus zur Berechnung Ihres "Scores" geheim - eine Zahl zwischen 0 und 100, die Ihre finanzielle Kreditwürdigkeit bestimmt. Bekannt ist nur, dass Faktoren wie Zahlungshistorie, Anzahl der Bankkonten, Kreditkarten und sogar Umzugshäufigkeit einfließen.
Ein Score über 95% gilt als "ausgezeichnet". Zwischen 90-95% ist "gut". Unter 80%? Erwarten Sie Schwierigkeiten.
Das Problem der Neuankömmlinge
Wenn Sie gerade erst nach Deutschland gekommen sind, ist Ihre SCHUFA-Akte fast leer. Keine Kredithistorie, die beweist, dass Sie Ihre Verpflichtungen erfüllen. Und das Paradoxe? Eine leere Akte ergibt einen niedrigen Score - nicht weil Sie unzuverlässig sind, sondern weil das Unternehmen "Sie nicht kennt".
Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigte, dass Neuzuwanderer im Durchschnitt einen um 15 Punkte niedrigeren Score erhalten als in Deutschland Geborene - selbst bei gleichem Einkommen und Beruf.
Wie bekommen Sie Ihre Akte kostenlos?
Nach Artikel 15 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) haben Sie das Recht, einmal jährlich eine kostenlose Kopie Ihrer Akte zu erhalten. Die offizielle Website nennt sie "Datenkopie".
Achtung: Die SCHUFA versucht, Ihnen kostenpflichtige Dienste zu verkaufen (29,95 Euro monatlich für sofortigen Zugang). Die kostenlose Kopie kommt innerhalb von 1-4 Wochen per Post.
Zum Antrag gehen Sie auf schufa.de/datenkopie und wählen "Datenkopie (nach Art. 15 DS-GVO)" - nicht die kostenpflichtige "SCHUFA-BonitätsAuskunft".
Fehler in Ihrer Akte gefunden?
Das passiert häufiger als Sie denken. Ein Bericht der Verbraucherzentrale zeigt, dass etwa 30% der Akten ungenaue oder veraltete Informationen enthalten.
Wenn Sie einen Fehler finden - eine bezahlte Rechnung, die noch als "überfällig" eingetragen ist, oder ein längst gekündigter Vertrag - können Sie schriftlich Widerspruch einlegen. Die SCHUFA ist gesetzlich verpflichtet, innerhalb von 30 Tagen zu prüfen und zu korrigieren.
Tipps zur Verbesserung Ihres Scores
Eröffnen Sie ein Bankkonto und nutzen Sie es regelmäßig; eröffnen Sie nicht unnötig mehrere Konten. Bezahlen Sie jede Rechnung pünktlich, auch wenn es nur 5 Euro sind. Vermeiden Sie einen "Mahnbescheid" (gerichtlichen Mahnbescheid) um jeden Preis - dessen Wirkung bleibt jahrelang in Ihrer Akte. Und bewerben Sie sich nicht innerhalb kurzer Zeit um mehrere Mietverträge oder Kredite, denn jede Anfrage wird registriert und wirkt sich negativ aus.
Und das Wichtigste: Ignorieren Sie keine Post von Unternehmen, die Geld fordern, selbst wenn Sie glauben, dass sie falsch ist. Eine Antwort mit Widerspruch ist besser als Schweigen.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- SCHUFA - Über das Unternehmen
- SCHUFA - Datenkopie beantragen
- Verbraucherzentrale - Was die SCHUFA über Sie speichert
- BDSG §34 - Auskunftsrecht
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