Schule in Deutschland: Guide fuer Eltern
Gymnasium oder Gesamtschule? Entscheidet die vierte Klasse ueber die Zukunft meines Kindes? Viele arabische Eltern stehen vor einem komplexen Bildungssystem. Die Geschichte einer syrischen Mutter in Berlin zeigt, was Sie wissen muessen.
فريق برليننا
Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.
صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: MChe Lee/Unsplash
Huda sass im Wartezimmer der Schule ihres Sohnes Yousef und blickte auf ein Blatt Papier, von dem sie nur ein Wort verstand: Empfehlung. Aber Empfehlung wofuer?
Yousef war in der vierten Klasse. Und Huda wusste nicht, dass dieses Jahr - in grossem Masse - den Bildungsweg ihres Sohnes fuer die kommenden Jahre bestimmen wuerde.
In Syrien lernen alle denselben Lehrplan bis zum Abitur. Hier? Alles ist anders, beschrieb sie ihren ersten Schock.
Das deutsche System: Warum ist es komplex?
In den meisten arabischen Laendern ist der Weg einfach: Grundschule, dann Mittelschule, dann Gymnasium, dann Universitaet. Aber Deutschland folgt einem voellig anderen System - und es unterscheidet sich auch von Bundesland zu Bundesland.
In Berlin (einem Bundesland) beginnt es mit sechs Jahren Grundschule. Dann - und hier ist die Weggabelung - waehlen Eltern und Schule gemeinsam den Typ der weiterfuehrenden Schule.
Die drei Hauptoptionen sind:
Erstens Gymnasium: der direkte akademische Weg zur Universitaet. Endet mit dem Abitur nach 12-13 Schuljahren. Zweitens Integrierte Sekundarschule (oder Gesamtschule in anderen Bundeslaendern): ein flexiblerer Weg, der ebenfalls zum Abitur fuehren kann, aber mehr Optionen fuer berufliche Orientierung bietet. Drittens spezialisierte Berufsschulen fuer Schueler, die praktische Ausbildung bevorzugen.
Die Empfehlung in der vierten Klasse: Wahrheit und Mythos
Viele arabische Eltern hoeren: Wenn Ihr Kind nicht aufs Gymnasium kommt, ist seine Zukunft vorbei. Das stimmt nicht - aber es ist auch nicht einfach.
Am Ende der sechsten Klasse in Berlin (oder der vierten in anderen Bundeslaendern) gibt die Schule eine Empfehlung fuer den geeigneten Schultyp ab. Aber in Berlin - und das ist wichtig - ist die Empfehlung nicht bindend. Als Eltern koennen Sie das Gymnasium waehlen, auch wenn die Schule es nicht empfiehlt.
Huda wusste das nicht. Die Lehrerin sagte, Yousef brauche mehr Zeit. Ich verstand, er koenne niemals aufs Gymnasium. Aber eine deutsche Freundin erklaerte mir, dass es nur eine Meinung ist, keine endgueltige Entscheidung, berichtete sie.
Die Zahlen sprechen
Laut der Senatsverwaltung fuer Bildung Berlin wechseln etwa 45% der Berliner Schueler nach der Grundschule ans Gymnasium. Aber 20% derjenigen, die an einer Integrierten Sekundarschule beginnen, erhalten am Ende ebenfalls das Abitur.
Mit anderen Worten: Der Weg ist nicht versperrt. Aber er erfordert zusaetzliche Anstrengung.
Statistiken des Statistischen Bundesamts zeigen, dass der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund, die aufs Gymnasium gehen, von 31% im Jahr 2015 auf 38% im Jahr 2025 gestiegen ist. Eine spuerbare Verbesserung, aber die Luecke zu Kindern ohne Migrationshintergrund (52%) besteht weiterhin.
Was Sie wissen sollten
Erstens: Beginnen Sie frueh. Warten Sie nicht bis zur vierten oder sechsten Klasse. Sprechen Sie mit den Lehrern Ihres Kindes ab der ersten Klasse. Fragen Sie: Wie entwickelt sich sein Niveau? Was kann ich zu Hause tun?
Zweitens: Deutsch hat Prioritaet. Kinder, die frueh gut Deutsch sprechen, haben deutlich bessere Chancen. Aber - und das ist wichtig - bewahren Sie auch das Arabische. Studien zeigen, dass Zweisprachigkeit die kognitiven Faehigkeiten staerkt.
Drittens: Besuchen Sie Elternabende. Viele arabische Eltern meiden sie wegen der Sprachbarriere. Huda wies auf eine Loesung hin: Ich nahm meine Freundin zum Uebersetzen mit. Manche Schulen stellen Dolmetscher, wenn man vorher fragt.
Viertens: Gesamtschule ist kein Versagen. Einige der besten Schulen in Berlin sind Integrierte Sekundarschulen. Die Bewertung haengt von der Schule selbst ab, nicht vom Typ.
Eine Erfolgsgeschichte
Yousef - Hudas Sohn - ist jetzt in der zehnten Klasse einer Integrierten Sekundarschule. Seine Noten haben sich stark verbessert, und er bereitet sich auf den Uebergang in die Oberstufe vor, um sein Abitur zu machen.
Huda erzaehlte, was sie gelernt hat: Wenn ich gewusst haette, was ich jetzt weiss, haette ich mir nicht so viele Sorgen gemacht. Das deutsche System wirkt anfangs beaengstigend - aber es gibt zweite und dritte Chancen. Das Wichtigste ist, im Bildungsleben Ihres Kindes praesent zu sein, nicht alle Regeln des Systems zu verstehen.
Dann fuegte sie lachend hinzu: Und jetzt verstehe ich das Wort Empfehlung gut - und weiss, dass es nur eine Empfehlung ist, kein endgueltiges Urteil.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphaere geaendert.
Quellen
- Senatsverwaltung fuer Bildung Berlin - Schulinformationen
- Destatis - Migrations- und Integrationsstatistiken
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