Steuererklärung: Geld zurück?
Viele ignorieren die Steuererklärung – zu kompliziert, denken sie. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Im Schnitt gibt es über 1.000 Euro zurück. So holen Sie sich Ihr Geld.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Cristina Gottardi/Unsplash
Maryam fragte ihre deutsche Kollegin im Büro: "Machst du eigentlich eine Steuererklärung?" Die Kollegin schaute überrascht: "Klar! Letztes Jahr habe ich 1.400 Euro zurückbekommen." Maryam (34, Softwareentwicklerin in Berlin) hat seit ihrer Ankunft vor fünf Jahren noch nie eine Steuererklärung abgegeben.
Damit ist sie nicht allein. Viele Zugewanderte meiden das Thema - entweder weil sie es für zu kompliziert halten oder weil sie gar nicht wissen, dass ihnen Geld zusteht. Die Wahrheit? Der Staat schuldet den meisten von ihnen Beträge, die sie überraschen würden.
Die Zahlen lügen nicht
Laut Statistischem Bundesamt lag die durchschnittliche Steuererstattung 2024 bei 1.072 Euro. Rund 88 Prozent derjenigen, die eine Erklärung abgaben, bekamen Geld zurück - nicht umgekehrt.
Warum? Weil der Arbeitgeber monatlich Steuern auf Basis einer Jahresschätzung abführt. Aber diese Schätzung berücksichtigt nicht Ihre tatsächlichen Ausgaben: Fahrtkosten zur Arbeit, Fachliteratur, in manchen Fällen sogar Ihre Brille.
Pflicht oder freiwillig?
Ein wichtiger Unterschied. Manche sind gesetzlich zur Abgabe verpflichtet - etwa wer mehrere Einkommensquellen hat oder im Laufe des Jahres Arbeitslosengeld bezogen hat. Aber selbst wenn Sie nicht verpflichtet sind, können Sie eine "freiwillige" Erklärung abgeben, um zu viel gezahlte Steuern zurückzuholen.
Die wichtigste Frage: Haben Sie Zeit bis zum 31. Juli? Wenn Sie pflichtveranlagt sind, ja. Bei freiwilliger Abgabe haben Sie vier volle Jahre. Heißt? Sie können jetzt die Erklärungen für 2022, 2023 und 2024 auf einmal einreichen.
Was kann man absetzen?
Die Liste ist länger als erwartet. Fahrtkosten zur Arbeit (30 Cent pro Kilometer, nur Hinweg) machen für die meisten den größten Teil aus. Wer täglich 20 Kilometer fährt, kommt allein durch diesen Posten auf einen Abzug von etwa 1.380 Euro jährlich.
Deutschkurse? Absetzbar, wenn sie mit Ihrer Arbeit zusammenhängen. Der Laptop, den Sie fürs Homeoffice gekauft haben? Ja. Sogar Umzugskosten, wenn der Grund beruflich war.
Wie fängt man an?
Die einfachste Option: ELSTER, das offizielle Portal der Finanzverwaltung. Komplett kostenlos, erfordert aber anfangs etwas Geduld. Die Registrierung dauert etwa zwei Wochen, weil der Aktivierungscode per Post kommt - ja, Papierpost.
Die Alternative? Apps wie Taxfix oder Wundertax. Deutlich einfacher, aber sie nehmen einen Teil Ihrer Erstattung (meist 35-40 Euro). Für alle, die nicht so gut Deutsch können, bieten diese Apps eine englische Oberfläche - manche sogar auf Arabisch.
Häufige Fehler
Fehler Nummer eins: Belege nicht aufbewahren. Auch wenn Sie dieses Jahr keine Erklärung machen, heben Sie jeden Beleg auf, der mit Ihrer Arbeit zusammenhängen könnte. Fehler Nummer zwei: Die Pauschalen vergessen. Zum Beispiel werden 1.230 Euro als Werbungskostenpauschale automatisch abgezogen - ohne Nachweis.
Fehler Nummer drei - und der häufigste unter Zugewanderten - ist der Glaube, das Steuersystem sei gegen sie gerichtet. Das Gegenteil ist meist der Fall. Das deutsche System geht davon aus, dass Sie einen Teil Ihrer Steuern zurückbekommen. Aber es gibt Ihnen nichts, wenn Sie nicht fragen.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- Statistisches Bundesamt - Lohn- und Einkommensteuer
- ELSTER - Elektronische Steuererklärung
- Bundesministerium der Finanzen - Steuerrechner
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