Steuererklärung: Ihr Geld wartet
Viele Migranten in Deutschland verzichten auf die Steuererklärung und verschenken dabei jährlich Hunderte Euro. Die durchschnittliche Erstattung liegt bei 1.172 Euro. Dieser praktische Guide erklärt, wer abgeben muss, was absetzbar ist und wie Sie mit ELSTER oder Steuer-Apps starten.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Micheile Henderson/Unsplash · Unsplash License
Salma kam vor drei Jahren nach Berlin. Seitdem arbeitet sie Vollzeit, zahlt brav ihre Lohnsteuer. Eine Steuererklärung hat sie nie gemacht. Der Grund? Niemand hat ihr gesagt, dass sie sich einen Teil davon zurückholen kann.
Salma ist kein Einzelfall. Millionen Arbeitnehmer in Deutschland (viele davon mit Migrationshintergrund) lassen ihr Geld beim Finanzamt liegen. Laut Finanztip liegt die durchschnittliche Erstattung bei rund 1.172 Euro pro Jahr. Genug für eine Monatsmiete in vielen deutschen Städten.
Das Timing stimmt: Die Abgabefrist für die Steuererklärung 2025 läuft bis zum 31. Juli 2026. Aber selbst wer nicht zur Abgabe verpflichtet ist, sollte über eine freiwillige Erklärung nachdenken. Es könnte die klügste finanzielle Entscheidung des Jahres sein.
Pflicht oder freiwillig? Wer abgeben muss
Zur Abgabe verpflichtet ist, wer Einkünfte aus mehreren Arbeitgebern hatte, Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld oder Kurzarbeitergeld bezog oder als Ehepaar die Steuerklassenkombination III/V gewählt hat. Aber die größte Gruppe -- Angestellte mit einem einzigen Arbeitsvertrag und Steuerklasse I -- muss gar keine Erklärung abgeben. Und genau hier liegt das verschenkte Geld.
Die freiwillige Abgabe (Antragsveranlagung) bedeutet: Sie bitten das Finanzamt, Ihre Steuerlast zu prüfen. Wurde zu viel einbehalten -- und das ist häufig der Fall -- bekommen Sie die Differenz zurück. Und das Beste? Für die freiwillige Abgabe haben Sie vier Jahre Zeit. Das heißt: Jetzt können Sie die Erklärungen für 2022, 2023, 2024 und 2025 auf einmal einreichen.
Was Migranten absetzen können
Hier wird es spannend -- besonders für Zugewanderte. Fahrtkosten zur Arbeit (Entfernungspauschale) bringen 30 Cent pro Kilometer für die ersten 20 Kilometer und 38 Cent ab dem 21. Kilometer. Wer 25 Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt wohnt und 220 Tage im Jahr arbeitet, kann allein dadurch über 1.500 Euro geltend machen.
Dann die Deutschkurse. Ja, Integrationskurse und Sprachkurse lassen sich als Werbungskosten absetzen, wenn die Sprache für den Beruf nötig ist. Und die Homeoffice-Pauschale bringt sechs Euro pro Tag, maximal 210 Tage im Jahr -- das sind bis zu 1.260 Euro.
Nicht zu vergessen: Umzugskosten für berufsbedingte Umzüge und die doppelte Haushaltsführung für alle, die in einer Stadt arbeiten und ihre Familie in einer anderen haben. Eine Situation, die unter arabischen Familien (besonders in den ersten Jahren nach der Ankunft) weit verbreitet ist.
Drei Wege zur Steuererklärung
Der kostenlose Weg führt über ELSTER, das offizielle Steuerportal der Finanzverwaltung. Die Registrierung dauert etwa zwei Wochen (der Aktivierungscode kommt per Post), also früh anfangen. Die Plattform ist nur auf Deutsch verfügbar -- das größte Hindernis für viele Migranten. Aber hat man die Grundbegriffe einmal verstanden, ist der Prozess überschaubarer als gedacht.
Die zweite Option sind kostenpflichtige Apps wie Taxfix und Wundertax. Diese stellen einfache Fragen auf Deutsch oder Englisch und füllen die Erklärung automatisch aus. Die Kosten liegen bei etwa 35 bis 40 Euro, wobei man nur zahlt, wenn tatsächlich eine Erstattung herauskommt. Für Ersteinreicher eine praktische Lösung.
Und der dritte Weg -- bei vielen der beliebteste -- ist der Lohnsteuerhilfeverein. Der Jahresbeitrag richtet sich nach dem Einkommen und beginnt bei rund 50 Euro. Dafuer uebernimmt ein Steuerberater die gesamte Arbeit. Allein in Berlin gibt es Dutzende Beratungsstellen verschiedener Vereine, darunter VLH und Akademische Arbeitsgemeinschaft.
Haeufige Fehler vermeiden
Der haeufigste Fehler? Gar nicht erst abgeben. Viele glauben, die Steuererklaerung sei zu kompliziert oder nur fuer Deutsche gedacht. Beides stimmt nicht. Laut Statistischem Bundesamt geben rund 14 Millionen Menschen jaehrlich ihre Erklaerung ab -- und die Mehrheit erhaelt Geld zurueck.
Ein weiterer Fehler: Belege nicht aufbewahren. Heben Sie jede Quittung fuer Arbeits-, Bildungs- und Fahrtkosten auf. Die VLH wies darauf hin, dass viele Arbeitnehmer nicht wissen, dass Kinderbetreuungskosten zu zwei Dritteln absetzbar sind -- bis zu 4.000 Euro pro Kind und Jahr.
Aber lohnt sich der ganze Aufwand wirklich? Die Zahlen sprechen fuer sich. Selbst bei einem simplen Fall -- ein Job, keine Kinder -- bringen Fahrtkosten und Versicherungsbeitraege allein oft 200 bis 300 Euro zurueck. Mit Homeoffice-Pauschale oder Sprachkursen steigt der Betrag schnell.
Salma (aus der Einleitung) hat schliesslich vier Steuererklaerungen auf einmal ueber Taxfix eingereicht. Ergebnis: 3.800 Euro Erstattung. Vier Erklaerungen, drei Stunden Zeitaufwand. Das ist kein geschenktes Geld -- es ist Ihr Geld, das beim Finanzamt auf Sie wartet.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphaere geaendert.
Quellen
- Finanztip - Steuererklaerung 2025: Durchschnittliche Erstattung 1.172 Euro
- ELSTER - Offizielles Steuerportal der Finanzverwaltung
- VLH - Vereinigte Lohnsteuerhilfe: Steuer machen lassen
- Statistisches Bundesamt - Steuerstatistiken Deutschland
- Finanztip - Entfernungspauschale: 30 bzw. 38 Cent pro Kilometer
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