Steuererklärung in Deutschland für Zugezogene
Praktischer Leitfaden zur Steuererklärung in Deutschland – so holen Sie Ihr Geld zurück
فريق برليننا
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Claudio Schwarz/Unsplash
Der Brief kam an einem kalten Dienstagmorgen in Ahmeds Briefkasten in Berlin-Neukölln an. Ein weißer Umschlag mit dem Stempel des Finanzamts Neukölln. Er öffnete ihn mit zögernden Händen und las Zeilen, die er größtenteils nicht verstand. Ein vertrautes Gefühl für viele Zugezogene in Deutschland.
Aber was viele nicht wissen: Dieser Brief könnte der Anfang einer erfreulichen Rückzahlung sein. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) erhalten Arbeitnehmer in Deutschland im Durchschnitt rund 1.000 Euro pro Jahr zurück — wenn sie eine Steuererklärung abgeben. Tausend Euro. Das ist kein Kleingeld.
Das Problem? Das deutsche Steuersystem ist selbst für Deutsche kompliziert. Wie soll sich jemand zurechtfinden, der erst vor wenigen Jahren ins Land gekommen ist und noch die Sprache lernt?
Fristen: Nicht verpassen
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erklärte, dass die Abgabefrist für die Steuererklärung des Jahres 2025 am 31. Juli 2026 endet — für alle, die ihre Erklärung selbst einreichen. Wer einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein beauftragt, hat bis Ende September 2026 Zeit. Zwei Monate mehr — und das ist nicht der einzige Vorteil professioneller Hilfe.
Aber muss wirklich jeder eine Steuererklärung abgeben? Nicht unbedingt. Arbeitnehmer mit nur einem Arbeitgeber und ohne Nebeneinkünfte sind gesetzlich nicht dazu verpflichtet. Eine freiwillige Steuererklärung lohnt sich dennoch in den meisten Fällen, weil über das Jahr hinweg oft zu viel Lohnsteuer einbehalten wird.
Was lässt sich absetzen?
Experten des offiziellen Portals Make it in Germany wiesen darauf hin, dass die sogenannten Werbungskosten — also beruflich bedingte Ausgaben — der wichtigste Abzugsposten sind. Jeder Arbeitnehmer erhält automatisch eine Pauschale von 1.230 Euro pro Jahr, ohne Nachweise vorlegen zu müssen. Wer jedoch mehr für Pendeln, Arbeitsmittel oder Fortbildungen ausgibt, darf die tatsächlichen Kosten geltend machen.
Einer der wichtigsten (und am häufigsten übersehenen) Posten ist die Entfernungspauschale für den Arbeitsweg. Sie beträgt 0,30 Euro pro Kilometer einfache Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Wer 20 Kilometer entfernt wohnt und 220 Tage im Jahr arbeitet, kann allein dadurch 1.320 Euro absetzen — mehr als die Pauschale.
ELSTER: Das Online-Portal
Das Bundesfinanzministerium betonte, dass ELSTER der offizielle Weg zur elektronischen Abgabe der Steuererklärung ist. Die Registrierung ist kostenlos, dauert aber einige Tage — der Aktivierungscode kommt per Post. Die Oberfläche gibt es nur auf Deutsch, und genau hier liegt die Hürde für viele Zugezogene.
Mehrere Steuerberater in Berlin warnten davor, sich bei ELSTER auf maschinelle Übersetzungen zu verlassen. Ein einziger Fehler bei der Dateneingabe kann die Bearbeitung verzögern oder sogar zur Ablehnung führen. Die sicherere Alternative — wenn auch langsamer — ist die Hilfe einer deutschsprachigen Person oder professionelle Unterstützung.
Lohnsteuerhilfeverein: Die kluge Wahl
Lohnsteuerhilfevereine bestätigten, dass ihre Leistungen deutlich günstiger sind als die eines freiberuflichen Steuerberaters. Der jährliche Mitgliedsbeitrag liegt in der Regel zwischen 50 und 300 Euro (je nach Einkommen), während ein Steuerberater schnell Tausende Euro kosten kann. Einzige Bedingung: Das Einkommen muss aus nichtselbständiger Arbeit stammen.
Berichte des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine zeigten, dass mehr als 4 Millionen Mitglieder in Deutschland jährlich von diesem Service profitieren. Allein in Berlin gibt es Dutzende Beratungsstellen in verschiedenen Stadtteilen — einige davon mit Mitarbeitern, die Arabisch, Türkisch oder Englisch sprechen.
Ahmed kam Wochen später zurück in sein Büro in Neukölln, diesmal mit einem Lächeln. Er hatte sich an einen Lohnsteuerhilfeverein nahe der Hermannstraße gewandt und seine Erklärung für zwei zurückliegende Jahre eingereicht, von denen er gar nicht wusste, dass er sie noch abgeben durfte. Das Ergebnis: eine Erstattung von über 1.800 Euro. Nicht schlecht für ein paar Stunden Papierkram.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
المصادر / Quellen
- Destatis — Statistisches Bundesamt: Arbeit
- Make it in Germany — Fachkräfteeinwanderungsgesetz
- ELSTER — Elektronische Steuererklärung
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