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Steuererklärung: So holen Sie Geld zurück
Viele Zugewanderte wissen nicht, dass sie jedes Jahr Hunderte oder gar Tausende Euro vom Finanzamt zurückbekommen können. Die Frist für die Steuererklärung 2025 rückt näher. Dieser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, welche Unterlagen nötig sind, welche Freibeträge gelten und welche kostenlosen Tools helfen.
Berlinuna Redaktion
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Samer, ein syrischer Ingenieur, lebt seit vier Jahren in Berlin und hat noch nie eine Steuererklärung abgegeben. Er dachte, die monatlichen Lohnsteuerabzüge seien das Ende der Geschichte. Dann erzählte ihm ein deutscher Kollege, dass er mehr als tausend Euro zurückbekommen könnte. Samer glaubte es zunächst nicht.
Kein Einzelfall. Laut Statistischem Bundesamt liegt die durchschnittliche Steuererstattung in Deutschland bei rund 1.063 Euro pro Jahr. Und dennoch verzichten viele Zugewanderte (besonders aus der arabischen Community) auf ihre Steuererklärung. Der Grund? Sie wissen schlicht nicht, dass ihnen dieses Geld zusteht.
Die Frist für die Steuererklärung 2025 endet am 31. Juli 2026 bei eigenständiger Abgabe. Wer einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein beauftragt, hat bis zum 30. April 2027 Zeit. Aber warum warten? Je früher Sie abgeben, desto schneller kommt das Geld.
Wer muss eine Steuererklärung abgeben?
Nicht jeder ist gesetzlich verpflichtet. Angestellte mit einem einzigen Arbeitsverhältnis in Steuerklasse I können freiwillig abgeben. Und genau das sollten sie auch tun - die überwiegende Mehrheit der freiwilligen Einreicher bekommt Geld zurück.
Pflicht wird es hingegen bei Ehepaaren mit den Steuerklassen III und V, bei Nebeneinkünften über 410 Euro jährlich oder beim Bezug von Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld. Wer die Frist verpasst, muss mit einem Verspätungszuschlag rechnen - mindestens 25 Euro pro Monat.
Was brauchen Sie vorab?
Zunächst Ihre Steueridentifikationsnummer - die elfstellige Nummer, die Sie nach Ihrer Erstanmeldung per Post erhalten haben. Verlegt? Sie können sie beim Bundeszentralamt für Steuern erneut anfordern. Dann die elektronische Lohnsteuerbescheinigung, die Ihr Arbeitgeber Anfang des Jahres ausstellt.
Danach gilt es, die absetzbaren Ausgaben zusammenzutragen: Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (die Pendlerpauschale beträgt 0,30 Euro pro Kilometer einfache Strecke); Fortbildungskosten und Sprachkurse; Homeoffice-Pauschale von 6 Euro pro Tag bei maximal 210 Tagen im Jahr. Und vergessen Sie nicht die Umzugskosten, falls Sie berufsbedingt umgezogen sind - ein Posten, den viele Zugewanderte übersehen.
ELSTER: Das kostenlose Finanzamt-Tool
Die offizielle Plattform heißt ELSTER (Elektronische Steuererklärung). Die Registrierung ist kostenlos, dauert aber rund zwei Wochen - der Aktivierungscode kommt per Post. Erster Tipp: Registrieren Sie sich jetzt, auch wenn Sie die Erklärung erst später einreichen wollen.
Die Oberfläche (nur auf Deutsch verfügbar, leider) wirkt anfangs etwas unübersichtlich. Aber für einfache Fälle gibt es vereinfachte Formulare. Und das Praktische: ELSTER zieht die Lohnsteuerdaten automatisch vom Arbeitgeber - kein manuelles Eintippen nötig.
Einfachere Alternativen
Wem ELSTER zu umständlich ist, findet Hilfe bei Apps wie Wundertax, Taxfix oder Steuerbot. Diese stellen einfache Fragen (teils auf Englisch verfügbar) und füllen die Formulare automatisch aus. Für einfache Fälle oft kostenlos, sonst zwischen 30 und 40 Euro - ein Bruchteil der möglichen Erstattung.
Noch persönlicher? Ein Lohnsteuerhilfeverein. Der Mitgliedsbeitrag richtet sich nach dem Einkommen und beginnt bei etwa 50 Euro jährlich. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums nutzen mehr als 4 Millionen Menschen in Deutschland diese Vereine.
Typische Fehler von Neuankömmlingen
Fehler Nummer eins - und der häufigste - ist, gar keine Steuererklärung abzugeben. Viele denken, das deutsche Steuersystem sei undurchdringlich. Aber die Realität sieht anders aus. Fehler Nummer zwei: die Pendlerpauschale vergessen. Wer täglich 20 Kilometer zur Arbeit fährt (in Berlin etwa von Neukölln nach Mitte, ganz alltäglich), kommt auf einen Abzug von über 1.300 Euro jährlich vom zu versteuernden Einkommen.
Und Fehler Nummer drei? Keine Belege aufbewahren. Eine einfache Regel: Heben Sie jeden Beleg auf, der mit Arbeit, Bildung oder Gesundheit zu tun hat. Selbst die Kosten für Deutschkurse (ob am Goethe-Institut oder einer anderen zugelassenen Sprachschule) sind absetzbar, sofern sie berufsbezogen sind.
Was passiert nach der Abgabe?
Nach der Einreichung über ELSTER oder eine andere Plattform kommt der Steuerbescheid vom zuständigen Finanzamt - üblicherweise innerhalb von 6 bis 12 Wochen. Bei einer Erstattung wird der Betrag direkt auf Ihr Bankkonto überwiesen. Der Bund der Steuerzahler betonte wiederholt, dass sich der Aufwand selbst für einfache Fälle lohne. Und falls Sie mit dem Bescheid nicht einverstanden sind: Ein Einspruch ist innerhalb eines Monats möglich. Kostenlos und ohne Anwalt.
Samer hat übrigens letztes Jahr zum ersten Mal seine Steuererklärung eingereicht. Er bekam 1.247 Euro zurück. Jetzt erinnert er jeden arabischen Kollegen in seiner Firma daran, dasselbe zu tun. Ihr Geld wartet - lassen Sie es nicht beim Finanzamt liegen.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
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- Aktualisiert
- 3. März 2026
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