Syrer: Einbürgerung statt Rückkehr
Neue Zahlen zeigen: Die Zahl der Syrer, die Deutschland verlassen, sinkt weiter. Was hält sie hier? Die Antwort überrascht.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Markus Spiske/Unsplash
Im Berliner Landesamt für Einwanderung wartet Hassan seit sechs Stunden. Der 34-jährige Syrer will nicht nur seinen Aufenthalt verlängern — er stellt einen Einbürgerungsantrag. Syrien hat sich verändert, sagt er. Aber mein Leben ist jetzt hier.
Hassan ist kein Einzelfall. Neue Zahlen der Bundesregierung (als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken) zeigen: Die Zahl der Syrer, die Deutschland verlassen, sinkt deutlich. Gleichzeitig sind die Einbürgerungsanträge von Syrern um 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Die Zahlen sprechen für sich
Laut BAMF-Statistiken leben derzeit etwa 974.000 Syrer mit gültigen Aufenthaltstiteln in Deutschland. Während im ersten Halbjahr 2025 rund 4.200 Syrer das Land verließen, stellten im gleichen Zeitraum mehr als 75.000 Einbürgerungsanträge.
Warum dieser Wandel? Die Gründe sind vielfältig — und teilweise überraschend.
Meine Kinder kennen Damaskus nicht
Fatima, Mutter von drei Kindern in Neukölln, kam 2015 nach Deutschland. Ihr jüngstes Kind wurde hier geboren und war nie in Syrien. Mein Sohn fragt mich: Wo ist Syrien? erzählt Fatima. Er sagt, sein Zuhause ist hier. Und ich — ehrlich gesagt — weiß nicht mehr, welches Zuhause ich meine.
Diese Situation wiederholt sich. Syrische Kinder in Deutschland (mehr als 280.000) wachsen mit deutscher Sprache und doppelter Identität auf. Aber auch die Eltern haben sich verändert — ein ganzes Jahrzehnt des Aufbaus eines neuen Lebens lässt sich nicht einfach auslöschen.
Der wirtschaftliche Faktor
Ein Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt: 56 Prozent der Syrer in Deutschland arbeiten Vollzeit oder Teilzeit. Und der Anteil steigt jährlich. Mahmoud, Software-Ingenieur bei einem Berliner Startup, sagt: Mein Monatsgehalt hier entspricht dem, was ich in Damaskus in einem ganzen Jahr verdient hätte — wenn ich überhaupt Arbeit gefunden hätte.
Aber Geld ist nicht alles. Krankenversicherung, kostenlose Schulen, politische Stabilität — all das nennen Syrer, wenn man sie nach den Gründen für ihr Bleiben fragt.
Rückkehr ist derzeit unrealistisch
Beamte des UNHCR warnen: Die Lage in Syrien — trotz jüngster politischer Veränderungen — bleibt instabil. Die Infrastruktur ist in weiten Teilen zerstört, Grundversorgung (Strom, Wasser, Gesundheit) eingeschränkt.
Berichten zufolge kehrten seit 2020 weniger als ein Prozent der Syrer in Deutschland freiwillig zurück. Und die Zahlen sinken, statt zu steigen.
Was bedeutet das für Deutschland?
Syrer sind Teil des deutschen sozialen Gefüges geworden. Ärzte, Lehrer, Restaurantbesitzer, Ingenieure — sie tragen zur Wirtschaft bei und zahlen Steuern. Aber ist die deutsche Gesellschaft bereit, sie als Deutsche zu akzeptieren und nicht nur als Flüchtlinge?
Diese Frage bleibt offen. Aber die Zahlen sind eindeutig: Syrer haben sich für das Bleiben entschieden. Und die deutsche Staatsbürgerschaft ist nicht nur ein Dokument — es ist die Anerkennung, dass dieses Land zur Heimat geworden ist.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- BAMF - Ausländerstatistik
- DW - Syrer: Einbürgerung statt Rückkehr
- UNHCR - Syria Situation
- IAB - Arbeitsmarktforschung
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