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Warum Fachkräfte Deutschland verlassen

2024 verließen 1.264.000 ausländische Staatsangehörige Deutschland. Die Friedrich-Ebert-Stiftung befragte 400 hochqualifizierte Fachkräfte, die das Land verlassen haben. Das Ergebnis: 41 Prozent konnten keine deutschen Freundschaften aufbauen, 38 Prozent fühlten sich nie zuhause. Diskriminierung, Bürokratie und hohe Steuern trieben viele fort, doch 40 Prozent wären bereit zurückzukehren.

Redaktioneller BelegAusstehend1 offizielle LinksAktualisiert 22. März 2026Methodik

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1.264.000 ausländische Staatsangehörige haben Deutschland im Jahr 2024 verlassen. Nicht Touristen, nicht Austauschstudierende. Darunter Ingenieure, Ärztinnen, IT-Fachkräfte. Menschen, die mit einem Arbeitsvisum kamen, um zu bleiben. Und dann gingen.

Was hinter dieser Zahl steckt, zeigt eine neue Untersuchung der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Stiftung befragte 400 hochqualifizierte Fachkräfte, die Deutschland den Rücken gekehrt haben. Die zentrale Frage: Warum seid ihr gegangen?

Die Antworten hatten wenig mit Gehalt oder Karriere zu tun. Es ging um etwas Grundlegenderes.

Blick über die Berliner Stadtlandschaft, aus der jährlich Hunderttausende qualifizierte Zuwanderer abwandern
Symbolbild. Photo by Adam Vradenburg on Unsplash

Einsam unter Millionen

Der häufigste Grund war nicht das Wetter, nicht die Sprache, nicht die Steuerlast. 41 Prozent der Befragten nannten die Schwierigkeit, deutsche Freundschaften aufzubauen. Keine Bürobekanntschaften, kein Smalltalk im Aufzug. Echte Freundschaften. Die Art, die einem das Gefühl gibt, ein Leben außerhalb der Arbeit zu haben.

Dazu kommt ein tieferes Problem: 38 Prozent gaben an, sich in Deutschland nie "zuhause" gefühlt zu haben. Dieses Gefühl (das sich schwer in Zahlen fassen lässt) baut sich langsam auf. Es beginnt mit einem Blick in der U-Bahn und wächst, wenn man zum zehnten Mal gefragt wird: "Aber wo kommst du wirklich her?", nachdem man erklärt hat, seit acht Jahren in Berlin-Neukölln zu leben.

Aber die Erfahrungen gehen über vage Gefühle hinaus. Befragte berichteten von rassistischen Übergriffen durch Hochschulprofessoren, von Diskriminierung an akademischen Einrichtungen wegen Hautfarbe und Akzent. Das ist kein diffuses Unbehagen, sondern systematische Ausgrenzung an Orten, die eigentlich die offensten sein sollten.

Hohe Steuern, magere Gegenleistung

Ein indischer Teilnehmer der Studie brachte es auf den Punkt: "Der Wert der Steuern, die wir zahlen, passt nicht zu dem, was wir bekommen." Er verwies auf die langen Wartezeiten im Gesundheitssystem, die monatelangen Verzögerungen bei Einwanderungsbehörden und eine Bürokratie, die jeden mit derselben Gleichgültigkeit behandelt.

Noch schärfer wird der Vergleich bei Befragten aus Rumänien und Bulgarien. Diese wiesen darauf hin, dass die Einkommensteuer in ihren Heimatländern bei rund 10 Prozent liegt, während sie in Deutschland ein Vielfaches davon bezahlen. Und der Unterschied liegt nicht nur im Steuersatz, sondern in dem, was man für jeden Euro zurückbekommt.

Dokumente und Formulare als Symbol für die deutsche Bürokratie, mit der zugewanderte Fachkräfte kämpfen
Symbolbild. Photo by Christian Lue on Unsplash

Während Hunderttausende gehen, versucht Deutschland gleichzeitig, neue Fachkräfte zu gewinnen. Die Bundesregierung erteilte 2024 rund 172.000 Arbeitsvisa, gegenüber 158.000 im Vorjahr, wie aus Daten zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz hervorgeht. Das Paradox? Deutschland öffnet die Vordertür, während die Leute durch die Hintertür verschwinden.

Die Tür steht offen für eine Rückkehr

Das vielleicht wichtigste Ergebnis der Studie steht am Ende: 40 Prozent der abgewanderten Fachkräfte erklärten, grundsätzlich offen für eine Rückkehr zu sein. Das heißt: Die Beziehung zu Deutschland ist nicht zerbrochen, aber sie braucht etwas anderes. Nicht einfachere Visa oder höhere Gehälter (die gibt es bereits), sondern einen Wandel in der Art, wie Institutionen mit Zugewanderten umgehen.

Forscher der Stiftung warnten, dass Deutschland Milliarden in Integrationskurse und Anwerbeprogramme investiert, diese Menschen dann aber durch ein soziales Umfeld verliert, das sie nicht wirklich willkommen heißt. Das Problem liegt nicht bei den Gesetzen. Es liegt in der Alltagskultur.

Kann Deutschland das ändern? Die Frage ist nicht, ob es das kann, sondern ob es das will. Denn die Fachkräfte, die gegangen sind, gingen nicht, weil sie keine Arbeit fanden. Sie gingen, weil sie keine Heimat fanden.

Quellen

  1. Friedrich-Ebert-Stiftung - Themenportal Flucht, Migration, Integration (Studie zu abgewanderten Fachkräften)
  2. Statistisches Bundesamt - Wanderungsstatistik 2024 (Zu- und Fortzüge)
  3. Make it in Germany - Fachkräfteeinwanderungsgesetz (Arbeitsvisa-Statistik)
  4. BAMF - Integrationskursstatistik
  5. The Local DE - Why Skilled Immigrants Are Leaving Germany (Jan 2026)

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22. März 2026
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