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Wohnungsdiskriminierung? Das AGG hilft
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Bildquelle: صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: KRiemer/Pixabay · Pixabay License

Wohnungsdiskriminierung? Das AGG hilft

Viele Araber in Deutschland erleben Diskriminierung bei der Wohnungssuche. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gibt Betroffenen das Recht auf Beschwerde und Entschädigung. Ein praktischer Leitfaden zu Dokumentation, Beschwerde und rechtlicher Hilfe.

Redaktioneller BelegAusstehend1 offizielle LinksAktualisiert 8. März 2026Methodik

Berlinuna Redaktion

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Nora schickte in zwei Monaten 38 Wohnungsbewerbungen in Berlin ab. Keine einzige Antwort. Ihre deutsche Nachbarin (gleiches Einkommen, gleiche Qualifikation) bekam in der ersten Woche drei Besichtigungstermine. Der einzige Unterschied? Der Name.

Das ist kein Einzelfall. Laut dem Jahresbericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes betrafen rund 14 Prozent aller Beschwerden den Wohnungsmarkt. Der häufigste Grund: ethnische Herkunft. Genau das, was viele Araber in Deutschland täglich erleben.

Aber es gibt ein Gesetz, das schützt. Es heißtAllgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) - und es gibt Betroffenen klare Rechte. Wenn man weiß, wie man sie nutzt.

Fassade eines Wohngebäudes in Berlin - Symbolbild
Symbolbild. Photo by Joakim Honkasalo on Unsplash

Was das Gesetz genau sagt

Das AGG trat 2006 in Kraft und verbietet Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft, Religion, des Geschlechts, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität. Entscheidend dabei: Das Gesetz gilt nicht nur im Arbeitsleben, sondern auch bei Alltagsgeschäften und auf dem Wohnungsmarkt.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes erläuterte, dass die Ablehnung einer Wohnungsbewerbung wegen des Namens, des Akzents oder des Herkunftslandes einen direkten Verstoß gegen Paragraph 19 AGG darstellt. Das betrifft große Wohnungsunternehmen ebenso wie private Vermieter (mit Ausnahme derjenigen, die eine Wohnung innerhalb der eigenen Wohnung vermieten).

Das eigentliche Problem? Viele Betroffene wissen gar nicht, dass dieses Gesetz existiert. Und selbst die, die davon gehört haben - scheuen den rechtlichen Aufwand.

Diskriminierung dokumentieren

Dokumentation ist die Grundlage für alles. Ohne Beweise bleibt eine Beschwerde wirkungslos. Das bedeutet konkret: Screenshots aller Nachrichten mit dem Vermieter sichern, Datum und Uhrzeit genau notieren, Kopien der Originalanzeige aufbewahren. Bei telefonischen Absagen sofort aufschreiben, was gesagt wurde - Datum, Uhrzeit, Name des Gesprächspartners und der genaue Wortlaut.

Das Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin (ADNB) wies auf eine wirksame Methode hin: Eine Person mit deutsch klingendem Namen bewirbt sich direkt nach dem Betroffenen auf dieselbe Wohnung - mit gleichen Qualifikationen und gleichem Einkommen. Erhält diese Person eine Einladung und der Betroffene nicht, ist das ein starker Beweis. Man nennt es "Testing".

Person prüft Dokumente und Unterlagen - Symbolbild zur Dokumentation
Symbolbild. Photo by Helloquence on Unsplash

Beschwerde einreichen - die konkreten Schritte

Nach der Dokumentation kommt der schwierigere Teil - die formelle Beschwerde. Die Antidiskriminierungsstelle betonte, dass Betroffene sich direkt telefonisch (030 18555 1855) oder über dasKontaktformular auf der Website melden koennen. Die Beratung ist kostenlos und in mehreren Sprachen verfügbar. Aber ein Punkt wird oft übersehen: Die schriftliche Forderung muss innerhalb von zwei Monaten nach dem Vorfall eingereicht werden. Zwei Monate - danach verfällt der Anspruch.

Die Behörde hob hervor, dass die Forderung auch eine finanzielle Entschädigung umfassen kann. In früheren Fällen (dokumentiert durch deutsche Gerichte) erhielten Betroffene Entschädigungen zwischen 1.000 und 5.000 Euro. Keine riesigen Summen, aber ein deutliches Signal.

Wer hilft in Berlin?

Gerade in Berlin (wo die größte arabische Community Deutschlands lebt) gibt es mehrere Anlaufstellen mit kostenloser Beratung. Das ADNB in Kreuzberg nimmt jährlich Hunderte Beschwerden entgegen und bietet kostenlose Rechtsberatung auf Arabisch und Deutsch an. Rechtsberater warnten, dass der häufigste Fehler das Warten sei - je früher man sich meldet, desto besser die Chancen.

Regierungsgebäude in Berlin - Symbolbild
Symbolbild. Photo by Christian Lue on Unsplash

Darüber hinaus können sich Betroffene an dieLandesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung (LADS) wenden, die Betroffene mit spezialisierten Anwälten verbindet. Und wichtig: Man braucht keine Niederlassungserlaubnis. Auch Personen mit befristeter Aufenthaltserlaubnis haben das Recht, nach dem AGG Beschwerde einzureichen.

Was das Gesetz nicht abdeckt

Rechtsexperten merkten an, dass das AGG nicht in jedem Fall greift. Wenn der Vermieter im selben Gebäude wohnt und nur eine einzige Wohnung vermietet, gilt das Gesetz möglicherweise nicht. Ebenso wenig, wenn die Ablehnung auf nachvollziehbaren finanziellen Gründen basiert (etwa ungenügendes Einkommen oder negativer SCHUFA-Eintrag) - das zählt rechtlich nicht als Diskriminierung.

Aber genau hier liegt das Dilemma - viele Vermieter nutzen solche Gründe als Vorwand. Sie lehnen wegen des Namens ab und behaupten dann finanzielle Gründe. Deshalb sind frühe Dokumentation und Testing unverzichtbare Werkzeuge.

Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Quellen / المصادر

  1. Antidiskriminierungsstelle des Bundes - Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
  2. Antidiskriminierungsstelle - Bericht an den Bundestag (Jahresbericht)
  3. Antidiskriminierungsstelle - Beratungsangebot und Kontakt
  4. Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin (ADNB) - Beratung und Unterstützung
  5. Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung (LADS Berlin)

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