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Zuckersteuer: Kommt sie nach Deutschland?

Deutschland gehört zu den Spitzenreitern beim Konsum zuckerhaltiger Getränke in Europa, hat aber keine Zuckersteuer wie Großbritannien oder Frankreich.

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Zuckersteuer: Kommt sie nach Deutschland?

SymbolbildBildquelle: Daria-Yakovleva · Pixabay License

Redaktioneller BelegVon der Berlinuna Redaktion4 QuellenlinksAktualisiert 22. März 2026Methodik
Quellenbeleg

Ein Glas Apfelsaft enthält mehr Zucker als ein Glas Cola. Keine Übertreibung - das steht auf der Nährwerttabelle. Aber wer dreht die Flasche um und liest die Angaben?

Die Debatte über eine Zuckersteuer in Deutschland ist zurück. Kein fertiger Gesetzentwurf, kein baldiger Beschluss - aber eine Diskussion, die lauter wird. Forscher und Politiker fragen: Sollte Deutschland nachholen, was Großbritannien, Frankreich, Irland und Portugal längst getan haben?

Das Thema betrifft nicht nur die Politik. Es betrifft den Einkaufswagen bei REWE oder Lidl, die Säfte und Limonaden, die (gerade im Ramadan) in größeren Mengen eingekauft werden, und die langfristige Gesundheit der ganzen Familie.

Deutschland an der europäischen Spitze

Beim Konsum zuckerhaltiger Getränke liegt Deutschland europaweit ganz vorne. Und trotzdem hat die freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller kaum etwas bewirkt. Laut Tagesschau sank der Zuckergehalt in deutschen Softdrinks um gerade einmal zwei Prozent. Eine Zahl, die kaum ins Gewicht fällt.

Der Vergleich mit Großbritannien macht den Unterschied deutlich. Nach Einführung der Sugar Tax 2018 reagierten die Hersteller mit Rezepturänderungen - nicht die Verbraucher änderten ihr Verhalten, sondern die Industrie reformulierte ihre Produkte. Das Ergebnis? Der Zuckergehalt in britischen Getränken sank bis 2021 um rund 29 Prozent.

Zahlen, die aufhorchen lassen

Eine Studie der Technischen Universität München unter Leitung des Gesundheitsökonomen Michael Laxy, veröffentlicht in PLOS Medicine, kommt zu bemerkenswerten Ergebnissen: Eine gestaffelte Steuer auf zuckerhaltige Getränke könnte in Deutschland rund 240.000 Fälle von Typ-2-Diabetes verhindern. Laxy erklärte, die mögliche Einsparung liege bei 16 Milliarden Euro an gesellschaftlichen Kosten, davon vier Milliarden direkt im Gesundheitssystem.

Die restlichen zwölf Milliarden ergäben sich aus indirekten Effekten - weniger Krankheitstage, weniger Frühverrentung, weniger wirtschaftliche Verluste durch vorzeitige Todesfälle im erwerbsfähigen Alter.

Debatte, kein Beschluss

Ein wichtiger Punkt: Es gibt derzeit keinen Gesetzentwurf für eine Zuckersteuer in Deutschland. Was stattfindet, ist eine politische und wissenschaftliche Diskussion. Der Bürgerrat Ernährung konnte sich nicht auf eine Empfehlung für eine Zuckersteuer einigen - lehnte aber auch einen Gegenentwurf ab, der explizit keine Steuer empfahl. Das Thema spaltet.

Die Weltgesundheitsorganisation hingegen ist eindeutig: Sie empfiehlt eine Steuer von mindestens 20 Prozent auf zuckerhaltige Getränke. Und die empfohlene Tageshöchstmenge für freien Zucker? 25 Gramm. Eine einzige 330-ml-Dose Limonade enthält in der Regel über 35 Gramm.

So liest man das Etikett

Unabhängig davon, was der Bundestag entscheidet, lässt sich heute schon prüfen, wie viel Zucker man tatsächlich kauft. Jedes Lebensmittel in Deutschland trägt eine Nährwerttabelle. Die entscheidende Zeile heißt "davon Zucker" - und sie ist immer pro 100 Gramm oder 100 Milliliter angegeben.

Eine einfache Rechnung: Steht auf einer 500-ml-Flasche "10 g Zucker pro 100 ml", enthält die gesamte Flasche 50 Gramm - das Doppelte der WHO-Tageshöchstmenge. Das gilt auch für Fruchtsäfte (100% Saft), die viele für grundsätzlich gesund halten.

Der Diabetologe Matthias Laudes vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein wies darauf hin, dass zuckerhaltige Getränke besonders problematisch sind. Der Grund: Ohne Fette oder Proteine kann der Darm den Zucker sofort aufnehmen - schneller als bei fester Nahrung.

Beim nächsten Einkauf

Niemand verlangt, auf Saft oder Limonade zu verzichten. Aber Wissen verändert Entscheidungen. Beim nächsten Besuch bei EDEKA oder Kaufland: Flasche umdrehen. Die Zeile "davon Zucker" lesen. Zwei Produkte vergleichen. Vielleicht stellt man fest, dass der "natürliche" Saft mehr Zucker enthält als die Cola daneben. Und falls die Steuer irgendwann kommen sollte - was derzeit offen ist - wäre man vorbereitet. Wichtiger noch: Die Gesundheit der Familie wartet nicht auf den Bundestag.

Quellen

  1. Tagesschau - So sinnvoll wäre eine Zuckersteuer
  2. WHO - Sugars and sugar substitutes: Fact sheet
  3. PLOS Medicine - Studie der TU München zur Wirksamkeit einer Zuckersteuer
  4. Deutsche Diabetes Gesellschaft - Informationen zu Diabetes in Deutschland

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