
Bildquelle: alazaat / Flickr (CC BY 2.0)
Arabisch zu Hause braucht Lesezeit
Ein Kind kann zu Hause Arabisch verstehen und beim Lesen trotzdem stocken. Das ist weder ein Versagen der Familie noch ein Beleg dafür, dass Arabisch weltweit bedroht wäre. Eine neue Science-Studie macht Sprachverlust messbar. In Berlin wird daraus eine konkrete Frage: Wo üben Kinder zwischen 6 und 13 Jahren Lesen und Schreiben, und sind im kostenlosen Kurs bis Dezember noch Plätze frei?
Berlinuna Redaktion
Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.
Dienstag, 16.30 Uhr, Stadtteilbibliothek Altglienicke: Bis Dezember 2026 soll dort außerhalb der Schulferien Arabisch gelesen und geschrieben werden. Der kostenlose Kurs richtet sich an Kinder von 6 bis 13 Jahren. Ob in der auf 15 Plätze begrenzten Gruppe noch etwas frei ist, steht auf der Bezirksseite allerdings nicht.
Ein Modell für 12.000 Jahre
Der aktuelle Anlass kommt aus der Forschung. Eine am 23. Juli 2026 in Science veröffentlichte Studie rekonstruiert die Entwicklung der weltweiten Sprachenvielfalt über etwa 12.000 Jahre. Grundlage sind unter anderem ethnografische Daten von 171 Jäger-und-Sammler-Gesellschaften. Weil aus frühen Epochen keine Sprachzählungen vorliegen, handelt es sich bei den historischen Zahlen um Modellschätzungen.
Nach einer Einordnung in Nature könnte die Menschheit vor 1.000 bis 3.000 Jahren Zehntausende Sprachen genutzt haben. Heute sind es ungefähr 7.500 gesprochene und gebärdete Sprachen. DW Arabic berichtete am 27. Juli über die Schätzung, dass mindestens vier Sprachen pro Jahr verschwinden. Daraus folgt nicht, dass Arabisch als Weltsprache gefährdet ist. Auch ein Kind, das häufiger Deutsch spricht, ist kein Beleg für eine solche globale Diagnose.
Verstehen ist nicht automatisch Lesen
Für Familien in Berlin ist eine andere Unterscheidung wichtiger: Ein Kind kann Arabisch in Gesprächen sicher verstehen und beim Lesen oder Schreiben dennoch unsicher sein. Schrift braucht Gelegenheit und Wiederholung. Genau darauf zielt das lokale Angebot, ohne Deutschlernen und Mehrsprachigkeit gegeneinanderzustellen.
Das Bezirksamt Treptow-Köpenick beschreibt den Kurs als Arabischunterricht im Lesen und Schreiben der Muttersprache, organisiert mit BENN. Er findet dienstags von 16.30 bis 18 Uhr in der Stadtteilbibliothek Altglienicke statt, ausgenommen die Ferien. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung aber erforderlich.
Die Meldung vom 15. Mai nennt maximal 15 Kinder, aber keinen aktuellen Buchungsstand. Eltern sollten deshalb per E-Mail an stadtbibliothek-altglienicke@ba-tk.berlin.de oder telefonisch unter 030 90297 6722 nach einem Platz oder einer Warteliste fragen. Eine unangekündigte Fahrt zur Bibliothek schafft keine Sicherheit.
Falls die Gruppe voll ist, hilft eine kleine feste Routine mehr als ein ehrgeiziges Familienprojekt, das nach zwei Wochen endet. Ein kurzer Lesetermin, ein selbst gewähltes Buch und eine echte Nachricht an Verwandte verbinden Schrift mit Alltag. So wird Arabisch nicht zum zusätzlichen Schulfach, sondern bleibt eine Sprache, die das Kind tatsächlich benutzt.
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- Aktualisiert
- 28. Juli 2026
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