560.000 Stellen. So viele Arbeitskräfte braucht Berlin bis 2035, um die kommende Pensionierungswelle aufzufangen. Von den derzeit 2,19 Millionen Erwerbstätigen in der Stadt wird rund ein Viertel innerhalb von neun Jahren aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden.
Der Berliner Senat hat eine neue "Fachkräftestrategie 2035" vorgelegt, die gezielt auf Zuwanderung setzt. Die Zahlen stammen aus einer Analyse von The Local auf Grundlage von Senatsdaten. Die zentrale Botschaft: Berlin kann seinen Fachkräftebedarf nicht allein aus dem Inland decken.

Die gefragtesten Branchen
Drei Sektoren stechen hervor. Die IT- und Informationsbranche benötigt über 50.000 neue Fachkräfte. Die stationäre Pflege und soziale Dienste brauchen 34.000. Das Bildungswesen 27.000. Das sind keine Prognosen auf dem Papier, sondern Lücken, die sich mit jedem Renteneintrittsjahrgang vergrößern.
Gleichzeitig schrumpfen andere Bereiche. Die öffentliche Verwaltung verliert rund 28.600 Stellen. Der Einzelhandel 27.500. Das Baugewerbe 12.700. Die Nettorechnung (die oft übersehen wird) fällt aber positiv aus: 99.000 neue Arbeitsplätze werden geschaffen, 87.000 fallen weg.
Was heißt das konkret? Wer in IT, Pflege oder Bildung qualifiziert ist, findet in Berlin einen aufnahmefähigen Arbeitsmarkt. Aber wer eine Karriere in der Verwaltung oder im Einzelhandel plant, sollte die Entwicklung genau beobachten.
Die Strategie setzt auf Zuwanderung
Kern der Senatsstrategie ist eine Verdreifachung der Anerkennungen ausländischer Berufsabschlüsse. Für Ingenieure, Ärzte und Pflegekräfte aus Drittstaaten könnte das den Weg in den Arbeitsmarkt erheblich verkürzen. Die Anerkennung ausländischer Qualifikationen bleibt eines der größten Hindernisse für zugewanderte Fachkräfte (besonders aus dem arabischen Raum und Subsahara-Afrika).
Darüber hinaus sieht die Strategie 150 Wohnungen für Auszubildende vor und die Einrichtung einer mehrsprachigen digitalen Beratungsstelle an der Potsdamer Straße. Das Beratungszentrum soll bei der beruflichen Orientierung und bei Anerkennungsverfahren helfen.

Das Wohnungsproblem bleibt
Und dann ist da das Wohnungsproblem. Selbst gut bezahlte IT-Fachkräfte haben Schwierigkeiten, in Berlin eine bezahlbare Wohnung zu finden. 150 Azubi-Wohnungen klingen nach einem Anfang, sind aber angesichts des Gesamtbedarfs eher symbolisch. Laut der Investitionsbank Berlin (IBB) fehlen der Stadt jährlich zehntausende Wohnungen. Arbeitskräfte zu werben, ohne ihnen Wohnraum bieten zu können, bleibt die Achillesferse der Strategie.
Was Betroffene jetzt tun können
Wer einen ausländischen Berufs- oder Hochschulabschluss mitbringt, kann über das Portal Anerkennung in Deutschland prüfen, welche Stelle für die Bewertung zuständig ist. Die Website ist mehrsprachig verfügbar und führt Schritt für Schritt durch das Verfahren.
Für Interessierte an einer Ausbildung listet die IHK Berlin aktuelle Ausbildungsplätze. Die drei stärksten Wachstumssektoren bieten alle anerkannte Ausbildungsberufe an. Und wer direkte Beratung sucht, erreicht die Agentur für Arbeit unter der kostenlosen Hotline 0800 4 5555 00, auch in mehreren Sprachen.
Berlin gibt offen zu, dass es Zuwanderer braucht. Die Frage ist nicht, ob die Türen offen stehen. Sondern ob die Infrastruktur dahinter (vor allem der Wohnungsmarkt) bereit ist für diejenigen, die hindurchgehen.
Quellen
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