Chancenkarte: Jobsuche ohne Jobangebot
Deutschland braucht bis 2035 allein in Berlin 560.000 Fachkraefte. Die Chancenkarte laesst qualifizierte Arbeitskraefte ohne Jobangebot einreisen, ein Jahr lang suchen und nebenbei 20 Stunden arbeiten. Voraussetzung: sechs Punkte aus Abschluss, Sprache, Erfahrung und Alter. Wer knapp scheitert, braucht oft nur eine Luecke zu schliessen. Dieser Leitfaden zeigt, wo Sie stehen und was Ihr naechster Schritt ist.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: jaydeep_/Pixabay · Pixabay License
Wer als Fachkraft nach Deutschland kommen will, braucht normalerweise ein konkretes Jobangebot. Seit Juni 2024 gibt es eine Alternative: die Chancenkarte nach § 20a AufenthG. Mit mindestens sechs Punkten im neuen Punktesystem koennen qualifizierte Arbeitskraefte aus Drittstaaten fuer ein Jahr nach Deutschland einreisen und vor Ort nach einer Stelle suchen. Waehrend der Suchphase duerfen sie bis zu 20 Stunden pro Woche arbeiten.
So funktioniert das Punktesystem
Die erforderlichen sechs Punkte setzen sich aus vier Kategorien zusammen. Qualifikation: Ein anerkannter Hochschulabschluss bringt vier Punkte. Liegt der Abschluss in einem Engpassberuf (etwa IT, Ingenieurwesen oder Pflege), gibt es einen Zusatzpunkt. Eine anerkannte Berufsausbildung zaehlt ebenfalls vier Punkte. Wer ein laufendes Anerkennungsverfahren nachweisen kann, erhaelt Teilpunkte.
Sprache: Deutsch auf B2-Niveau ergibt drei Punkte, B1 zwei Punkte, A2 einen Punkt. Englisch auf C1-Niveau bringt einen weiteren Punkt. Deutsch- und Englischpunkte lassen sich kombinieren.
Berufserfahrung: Mindestens zwei Jahre einschlaegige Erfahrung in den letzten fuenf Jahren ergeben zwei Punkte. Ab fuenf Jahren sind es drei Punkte.
Alter: Unter 35 Jahren gibt es zwei Punkte, zwischen 35 und 40 einen Punkt. Ueber 40 entfallen die Alterspunkte, ein Antrag bleibt aber moeglich, wenn die uebrigen Kategorien ausreichen.
Deutschlandbezug: Wer bereits mindestens sechs Monate in Deutschland gelebt hat (Studium, Ausbildung oder Arbeit), erhaelt einen Zusatzpunkt.

Chancenkarte, Blue Card oder Fachkraefte-Visum?
Der entscheidende Unterschied: Die Chancenkarte erfordert kein Jobangebot. Die Blue Card setzt einen Arbeitsvertrag mit einem Mindestgehalt voraus (rund 45.934 Euro jaehrlich in Engpassberufen, hoeher fuer andere Taetigkeiten). Das Fachkraefte-Visum verlangt ebenfalls ein konkretes Jobangebot, jedoch ohne Gehaltsuntergrenze. Es richtet sich an Personen mit anerkannter Berufsausbildung.
Wann eignet sich welches Visum? Die Blue Card ist die beste Option fuer Akademiker mit einem gut bezahlten Stellenangebot, da sie den schnellsten Weg zur Niederlassungserlaubnis bietet. Das Fachkraefte-Visum passt zu Fachkraeften mit Berufsausbildung und Jobangebot. Die Chancenkarte ist fuer alle, die noch keine Stelle haben, aber die Qualifikation mitbringen, um in Deutschland zu suchen.
Antragstellung: Ablauf und Dokumente
Der Antrag wird bei der deutschen Botschaft oder dem Konsulat im Herkunftsland gestellt. Termine werden ueber die Botschaftswebseite gebucht, die Wartezeit betraegt je nach Land mehrere Wochen. Folgende Unterlagen werden benoetigt: gueltiger Reisepass, anerkannter Abschluss oder Nachweis eines laufenden Anerkennungsverfahrens, Sprachzertifikat (Goethe-Zertifikat, TestDaF oder IELTS), Nachweise der Berufserfahrung (Arbeitszeugnisse, Vertraege), Finanzierungsnachweis (ca. 992 Euro monatlich auf einem Sperrkonto) und Krankenversicherung. Die Bearbeitungszeit liegt in der Regel zwischen vier und zwoelf Wochen.
Zur Anerkennung auslaendischer Abschluesse: Das Verfahren kann vor der Einreise ueber die Datenbank anabin oder direkt bei der zustaendigen Stelle begonnen werden. In bestimmten Faellen laesst sich die Anerkennung auch nach der Einreise abschliessen.
Nebenjob-Regelung und Verlaengerung
Waehrend der Gueltigkeitsdauer duerfen Chancenkarte-Inhaber bis zu 20 Stunden pro Woche arbeiten. Das umfasst sowohl abhaengige Beschaeftigung als auch selbstaendige Taetigkeit. So koennen die Lebenshaltungskosten waehrend der Jobsuche gedeckt werden.
Laut make-it-in-germany.com kann die Chancenkarte verlaengert werden, wenn aktive Bewerbungsaktivitaeten nachgewiesen werden. Als Nachweis gelten: dokumentierte Bewerbungen, Einladungen zu Vorstellungsgespraechen, Registrierung bei der Agentur fuer Arbeit und Teilnahme an Qualifizierungsmassnahmen oder Sprachkursen. Alle Bewerbungsunterlagen und Einladungen sollten sorgfaeltig aufbewahrt werden.

Naechste Schritte
Wer seine Punktzahl berechnet und auf mindestens sechs kommt, kann mit der Dokumentensammlung beginnen und einen Botschaftstermin buchen. Wer knapp unter der Schwelle liegt, sollte die Luecke identifizieren: Ein intensiver B1-Deutschkurs dauert drei bis sechs Monate. Das Anerkennungsverfahren fuer auslaendische Abschluesse kann ueber anabin.kmk.org angestossen werden und nimmt oft mehrere Monate in Anspruch. Die Chancenkarte garantiert keine Anstellung, oeffnet aber den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt fuer die Suche vor Ort.
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