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Deutschlandticket: 58, 19 oder kuendigen?

In Berlin zahlen Tausende 58 Euro fuer das Deutschlandticket — obwohl sie ein Anrecht auf die 19-Euro-Variante haben. 468 Euro im Jahr, weil niemand es ihnen sagt. Dazu: dein Ticket gilt im RE von Berlin nach Magdeburg, aber wer im ICE damit erwischt wird, zahlt 60 Euro Strafe. Und 2027 ist offen. Drei Wege, zehn Tage Frist, eine Entscheidung.

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•2. Mai 2026•4 Min. Lesezeit•1 Aufrufe
Deutschlandticket: 58, 19 oder kuendigen?
Symbolbild

صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: jonasreichard/Pixabay · Pixabay License

Drei Jahre nach dem Start am 1. Mai 2023 kostet das Deutschlandticket nicht mehr 49, sondern 58 Euro im Monat. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. In Berlin gibt es eine Sozialvariante fuer 19 Euro — das Berlin-Ticket S — auf die Buergergeld-, Wohngeld- und Asylbewerberleistungs-Empfaengerinnen Anspruch haben koennen. Wer berechtigt ist und es nicht nutzt, zahlt 39 Euro mehr pro Monat, also rund 468 Euro pro Jahr.

Anlass dieses Textes: Die Tagesschau hat zum 3. Geburtstag eine offene Frage in den Raum gestellt — wie es 2027 weitergeht. Und wer im Mai monatlich kuendigen will, muss bei den meisten Verbuenden bis zum 10. des Monats reagieren, sonst laeuft das Abo im Juni regulaer weiter.

Was 58 Euro abdecken — und was nicht

Seit dem 1. Januar 2025 lag der Preis bei 58 Euro pro Monat, eine Erhoehung um 18 Prozent gegenueber dem Einfuehrungspreis von 49 Euro. Zum 1. Januar 2026 stieg der Preis erneut auf 63 Euro pro Monat — ein weiteres Plus von rund 8,6 Prozent. Damit faehrt man bundesweit alle Busse, Strassen-, U- und S-Bahnen sowie alle Regionalbahnen (RB) und Regional-Expresse (RE). Zwischen Berlin und Magdeburg, Koeln und Aachen oder Frankfurt und Wiesbaden ist alles inklusive.

Nicht inklusive sind ICE, IC und EC sowie die meisten Fernbusse wie FlixBus. Wer im ICE von Berlin nach Muenchen mit dem Deutschlandticket erwischt wird, zahlt laut Deutschland-Tarifverbund ein erhoehtes Befoerderungsentgelt von 60 Euro plus den vollen Fahrpreis. Wer regelmaessig zwischen zwei Staedten ICE faehrt, kombiniert das Deutschlandticket besser mit einem Sparpreis-Ticket der Deutschen Bahn — die starten bei 17.90 Euro fuer innerdeutsche Strecken, sind aber zuggebunden.

19 Euro: das Berlin-Ticket S

Das Berlin-Ticket S ist die Sozialvariante des Deutschlandtickets fuer Berlinerinnen mit anerkanntem Sozialleistungsbezug. Wer Buergergeld nach SGB II, Wohngeld oder Asylbewerberleistungen erhaelt, gehoert grundsaetzlich zum Kreis der Berechtigten — neben weiteren Gruppen, die die BVG separat festlegt. Der Preis: 27,50 Euro pro Monat (Stand Januar 2026, zuvor 19 Euro).

Wichtig: Die genaue Berechtigungsliste und die akzeptierten Nachweise koennen sich aendern. Verbindlich ist nur die aktuelle BVG-Seite zum Berlin-Ticket S. Wer einen Antrag stellen will, sollte den aktuellen Bescheid (vom Jobcenter, vom Wohngeldamt oder vom Landesamt fuer Fluechtlingsangelegenheiten) mitbringen und ein BVG-Kundenzentrum besuchen — etwa am Alexanderplatz, am Hauptbahnhof oder am Zoologischen Garten.

Ausserhalb Berlins gilt das nicht. NRW bietet das Deutschlandticket Sozial fuer rund 53 Euro pro Monat (Stand Januar 2026, ueber Rheinbahn/VRR), waehrend das traditionelle NRW-SozialTicket bei 49,90 Euro pro Monat liegt, die Region Hannover bietet das Deutschlandticket Hannover sozial fuer 35,40 Euro pro Monat (Stand Januar 2026) — diese Preise werden aber von den jeweiligen Verkehrsverbuenden festgelegt und koennen sich aendern. Ein landesweites Sozial-Deutschlandticket fuer Niedersachsen gibt es nicht. Wer in Koeln oder Hannover wohnt, sollte auf der Seite des oertlichen Verkehrsverbunds den aktuellen Preis pruefen, bevor er einen Antrag stellt.

2027: noch offen

Die Finanzierung von Bund und Laendern ist bis Ende 2030 gesichert — Bund und Laender steuern jeweils rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr bei, ab 2027 ist eine indexbasierte Preisanpassung vorgesehen. Ob der Preis ab Januar 2027 stabil bleibt, steigt oder das Ticket in geaenderter Form weiterlaeuft, ist Stand Mai 2026 nicht entschieden. Offizielle Mitteilungen des Bundesministeriums fuer Verkehr nennen keine konkreten Zahlen fuer 2027. Wer also liest, der Preis steige sicher auf einen bestimmten Betrag, liest eine Spekulation, keine Entscheidung.

Praktisch heisst das: Es gibt keinen Grund, jetzt aus Furcht vor einer kommenden Preiserhoehung schnell abzuschliessen. Das Abo ist monatlich kuendbar, ein Lock-in existiert nicht.

Drei Wege, je nach Lage

Wer in Berlin Buergergeld, Wohngeld oder Asylbewerberleistungen bezieht und derzeit das normale 58-Euro-Ticket abonniert hat, zahlt rund 39 Euro pro Monat zu viel. Erster Schritt: aktuellen Bescheid pruefen, BVG-Seite zum Berlin-Ticket S aufrufen, Kundenzentrum besuchen. Bei erfolgreichem Wechsel spart das rund 468 Euro im Jahr.

Wer den Nahverkehr nur selten nutzt, sollte rechnen. Eine Einzelfahrt in Berlin AB kostet 4.00 Euro (Stand 1. Januar 2026) — das Deutschlandticket lohnt sich rechnerisch ab etwa 16 Fahrten im Monat. Wer regelmaessig darunter bleibt und keine Regionalbahn-Strecken faehrt, fuer den ist Kuendigung sinnvoll. Antrag bis zum 10. des Monats fuer den Folgemonat.

Wer pendelt, taeglich faehrt oder die Regionalbahnen nutzt, fuer den bleibt das Deutschlandticket auch zu 58 Euro klar guenstiger als jede regionale Monatskarte. Wichtig nur: ICE- und IC-Strecken zusaetzlich mit Sparpreis-Ticket abdecken, nicht hoffen, dass die Kontrolleure ein Auge zudruecken.

Ein letzter Hinweis: Das Deutschlandticket gibt es ausschliesslich digital — als App-Ticket oder Chipkarte. Eine Papierversion existiert nicht. Wer mit leerem Akku in eine Kontrolle geraet und kein Backup hat, riskiert genauso ein erhoehtes Befoerderungsentgelt wie jemand ohne Ticket.

Die Informationen in diesem Artikel sind allgemeiner Natur und stellen keine Rechtsberatung dar. Für eine verbindliche Rechtsberatung wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Rechtsanwalt oder eine Migrationsberatungsstelle.

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