Führerschein: 41 % scheitern an Theorie
Über 829.000 Menschen fielen 2024 durch die theoretische Fahrprüfung in Deutschland. Für Neuankömmlinge aus Syrien, dem Irak oder dem Libanon gibt es keine Anerkennung — sie müssen den Führerschein komplett neu machen. Ein datenbasierter Überblick mit konkreten Kosten und Schritten.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Helloquence/Unsplash · Unsplash License
829.045 Menschen sind 2024 bei der theoretischen Führerscheinprüfung in Deutschland durchgefallen. Das entspricht einer Durchfallquote von 41,3 Prozent — so die aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Für Neuankömmlinge aus Syrien, dem Irak oder dem Libanon bedeutet der Weg zum deutschen Führerschein allerdings weit mehr als nur eine Prüfung.
Die praktische Prüfung fällt etwas gnädiger aus. Von 1.798.479 Prüfungen endeten 540.354 mit einem Nichtbestehen — eine Quote von 30 Prozent. Diese Zahlen gelten für alle Prüflinge im Land. Aber wer seinen Führerschein komplett neu machen muss (und das betrifft die Mehrheit der arabischen Neuankömmlinge), steht vor einer besonders hohen Hürde.
Warum eigentlich? Die Antwort findet sich in Anlage 11 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV). Dort sind alle Staaten aufgelistet, deren Führerscheine Deutschland ganz oder teilweise anerkennt. Und die meisten arabischen Länder stehen nicht auf dieser Liste.
Anlage 11: Wer darf umschreiben, wer nicht?
Die Berliner Fahrerlaubnisbehörde in Charlottenburg entscheidet auf Grundlage dieser Bundesliste über jede Umschreibung. Syrien, der Irak, der Libanon, Ägypten, Algerien und Libyen — für all diese Länder gibt es keine Anerkennung. Wer von dort kommt, muss den Führerschein komplett neu erwerben: Theorieunterricht, Fahrstunden, beide Prüfungen. Kein Weg daran vorbei.
Aber es gibt Ausnahmen. Der ADAC erklärte, dass für einige arabische Staaten bilaterale Teilanerkennungen gelten. Jordanische Führerscheininhaber etwa sind in manchen Bundesländern von der praktischen Prüfung befreit — es reicht die Theorie. Marokko genießt einen ähnlichen Status. Und für die Golfstaaten (VAE, Bahrain, Katar, Kuwait) gibt es weitgehend direkte Umschreibungen — allerdings abhängig vom Führerscheintyp und dem jeweiligen Bundesland.
Die tatsächlichen Kosten: 2.500 bis 4.000 Euro
Mahmoud lebt seit 2016 in Neukölln und hat 3.200 Euro für seinen Führerschein bezahlt. Die Aufschlüsselung: Fahrschulgebühren für Theorie und Praxis (etwa 1.500 bis 2.500 Euro), TÜV-Gebühr für die Theorieprüfung (circa 23 Euro), TÜV-Gebühr für die praktische Prüfung (circa 117 Euro) sowie Passfotos, beglaubigte Übersetzung und Sehtest. Jeder Fehlversuch kostet extra — und bei einer Durchfallquote von 41 Prozent in der Theorie ist das keine abstrakte Gefahr.
Die größte Herausforderung? Nicht nur das Geld. Mahmoud betonte: „Die Theorieprüfung gibt es seit 2016 auf Arabisch, das hat mir sehr geholfen. Aber die Fragen sind völlig anders als das, was ich aus Syrien kannte — Vorfahrtsregeln an Kreuzungen, die ich noch nie gesehen hatte.“ Und die Wartezeit. Berliner Fahrschulen warnten, dass Prüfungstermine für die praktische Prüfung drei Monate im Voraus ausgebucht sein können. Die Gesamtdauer von der Anmeldung bis zum Führerschein liegt bei vier bis acht Monaten.
Theorieprüfung auf Arabisch: Segen und Fluch zugleich
Seit 2016 kann die Theorieprüfung bundesweit auf Arabisch abgelegt werden. Der TÜV-Verband bestätigte damals, dass die Einführung eine direkte Reaktion auf die hohe Zahl arabischsprachiger Geflüchteter war. Allerdings berichten viele Prüflinge von ungenauen oder umständlichen Übersetzungen — ein Problem, auf das arabische Online-Foren seit Jahren hinweisen.
Die Alternative wäre, die Prüfung auf Deutsch oder Englisch zu absolvieren. Aber reicht das wirklich für jemanden, der erst vor zwei Jahren angekommen ist? In den meisten Fällen nicht. Die arabische Version bleibt trotz ihrer Schwächen die praktikabelste Option.
Was tun als Neuankömmling?
Der Prozess beginnt mit der Registrierung des ausländischen Führerscheins bei der örtlichen Fahrerlaubnisbehörde innerhalb von sechs Monaten nach der Anmeldung, dann folgt die Einschreibung in einer zugelassenen Fahrschule. Danach stehen mindestens 14 Theoriestunden und durchschnittlich 20 bis 30 Fahrstunden an, gefolgt von der Theorieprüfung und — bei Bestehen — der praktischen Prüfung.
Integrationsberater der Bundesagentur für Arbeit wiesen darauf hin, dass manche Jobcenter einen Teil der Kosten übernehmen, wenn der Führerschein für eine konkrete Stelle notwendig ist. Kein Automatismus — es muss beantragt und begründet werden.
Insgesamt wurden 2024 in Deutschland 1,49 Millionen Fahrerlaubnisse erteilt. Viele davon (besonders in der arabischen Community) waren hart erkämpft — finanziell und emotional. Aber dieser Plastikausweis bleibt, ob es einem gefällt oder nicht, ein Schlüssel zu Unabhängigkeit und Arbeitsmarkt in einem Land, dessen Infrastruktur rund ums Auto gebaut wurde.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- KBA — Fahrerlaubnisprüfungen 2024
- KBA — Fahrerlaubniserteilungen 2024
- ADAC — Ausländische Führerscheine
- Fahrerlaubnisbehörde Berlin (LABO)
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