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Politik

Höheres Rentenalter in Deutschland: Neue Belastung für später angekommene Migranten

Während die CDU für eine Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre plädiert, sehen sich tausende arabische Migranten, die erst in ihren 30ern und 40ern nach Deutschland kamen, einer harten Realität gegenüber: längere Arbeitszeiten für eine Rente, die kaum reicht. Die Geschichte von Samir aus Aleppo zeigt die wahren Kosten dieser Debatte.

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فريق برليننا

Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.

•29. Dezember 2025•3 Min. Lesezeit•108 Aufrufe
Höheres Rentenalter in Deutschland: Neue Belastung für später angekommene Migranten

Lorem Picsum

Samir Al-Hassan steht vor der Schweißmaschine in einer Fabrik in Berlin-Marienfelde. Er ist 52 Jahre alt. Vor neun Jahren kam er aus Aleppo. In seinem Kopf rechnet er: Wenn sie das Rentenalter auf 70 anheben, muss er noch 18 Jahre arbeiten - und seine Rente wird trotzdem unter 900 Euro im Monat bleiben.

"In Syrien war ich 15 Jahre lang Architekt", sagt Samir und wischt sich den Schweiß von der Stirn. "Hier? Niemand erkennt meinen Abschluss an. Ich habe mit 43 bei null angefangen."

Arbeiter in deutscher Fabrik - Symbolbild
Fabrikarbeiter gehören zu den am stärksten Betroffenen der Rentenalter-Debatte

Die Zahlen sind gnadenlos

In einer kontroversen Entwicklung fordert der Wirtschaftsrat der CDU eine schrittweise Anhebung des Rentenalters über 67 hinaus - möglicherweise bis 70. Der Grund? Die alternde deutsche Gesellschaft. Aber wer zahlt den Preis?

Laut Daten des Statistischen Bundesamts liegt das Durchschnittsalter von Migranten bei ihrer Ankunft in Deutschland bei 31,4 Jahren. Das bedeutet, dass die meisten keine 35 Beitragsjahre erreichen werden - das Minimum für eine volle Rente. Das Rentenalter auf 70 anheben? Für viele wird es unmöglich.

Eine im November 2024 vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge veröffentlichte Studie zeigt: 63% der syrischen Geflüchteten arbeiten in körperlich anstrengenden Jobs - Bau, Reinigung, Fabriken. Kann ein 68-jähriger Körper Zementsäcke schleppen?

Später Einstieg bedeutet magere Rente

In einem Café an der Sonnenallee treffe ich Fatima Al-Ali (47), eine irakische Krankenschwester, die erst nach vier Jahren die Anerkennung ihrer Ausbildung erhielt. "Ich habe mit 42 angefangen, offiziell zu arbeiten", sagt sie und rührt in ihrer Kaffeetasse. "Selbst wenn ich bis 67 arbeite, bekomme ich 740 Euro Rente im Monat - das hat mir die Deutsche Rentenversicherung ausgerechnet."

Sie fügt hinzu: "Und jetzt wollen sie das Alter auf 70 anheben? Das bedeutet drei zusätzliche Jahre - und eine Rente von vielleicht 820 Euro. In Berlin kostet allein die Miete 800 Euro."

Rentenberechnung - Herausforderung für ältere Migranten
Niedrige Renten erwarten diejenigen, die spät im deutschen Arbeitsmarkt gestartet sind

Alternative Lösungen: Nur Lippenbekenntnisse?

Experten vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung schlagen Lösungen vor wie die Anerkennung von Arbeitsjahren im Ausland oder die Senkung des Minimums von 35 auf 25 Jahre für Migranten. Aber bisher sind das nur Ideen.

Mohammed Al-Tamimi, ein auf Migrationsrecht spezialisierter Anwalt in Berlin, weist auf ein tieferes Problem hin: "Das aktuelle System geht davon aus, dass man mit 22 anfängt zu arbeiten und bis 67 weitermacht. Das trifft auf die meisten Migranten nicht zu - besonders Flüchtlinge, die Jahre mit Integration und Bürokratie verloren haben."

In seinem Büro an der Karl-Marx-Straße öffnet Al-Tamimi die Akte eines Mandanten: "Dieser Mann kam 2015 an, verbrachte zwei Jahre im Asylverfahren, drei Jahre in Integrations- und Sprachkursen. Er begann 2020 richtig zu arbeiten - mit 38. Wie soll er eine anständige Rente bekommen?"

Was bedeutet das für die nächste Generation?

Die Debatte über das höhere Rentenalter sind nicht nur wirtschaftliche Zahlen. Sie berühren den Kern der gesellschaftlichen Integration. Wenn Migranten das Gefühl haben, dass das System gegen sie arbeitet - dass sie länger als Deutsche arbeiten müssen, aber weniger bekommen - wie sollen sie dann Loyalität zu dieser Gesellschaft aufbauen?

Zahlen der Bundesregierung zeigen: 41% der 2024 in Deutschland geborenen Kinder haben einen Migrationshintergrund. Sie werden die Steuerzahler von morgen sein - und beobachten, wie Deutschland ihre Eltern behandelt hat.

Samir, der Arbeiter, mit dem ich begann, beendet seine Schicht um 17 Uhr. Er zieht die dicken Lederhandschuhe aus und seufzt. "Ich bin nicht gegen Arbeit", sagt er. "Aber ich möchte nur wissen: Werde ich jemals ausruhen können? Oder werde ich im Stehen sterben?"

Das ist die eigentliche Frage hinter all diesen Zahlen und politischen Debatten.

Sorgen älterer Menschen um die Zukunft - Symbolbild
Eine ungewisse Zukunft erwartet Migranten, die spät ins Berufsleben eingestiegen sind

المصادر / Quellen

  1. Deutsche Welle - Rentendebatte Deutschland, Dezember 2024
  2. Statistisches Bundesamt - Migrationsdaten und Demografie 2024
  3. BAMF - Arbeitsmarktintegrationsstudie, November 2024
  4. Deutsche Rentenversicherung - Rentenrechner und Voraussetzungen
  5. DIW Berlin - Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Rentenforschung

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