"Ich denke ans Auswandern, weil ich mir Sorgen um die Zukunft meiner Kinder mache" - Ein Fünftel der Deutschen denkt an Emigration: Was bedeutet das für die arabische Community?
Eine neue Umfrage zeigt: 21% der Deutschen denken ernsthaft über das Auswandern nach. Die Gründe: Bürokratie, Lebenshaltungskosten und Zukunftssorgen. Aber was bedeutet das für Araber, die hierher kamen, um ein besseres Leben zu finden?
فريق برليننا
Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.
صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Maria Ziegler/Unsplash
21%. Diese Zahl hat Deutschland diese Woche erschüttert.
Einer von fünf Menschen in Deutschland denkt ernsthaft über das Auswandern nach, so eine Umfrage der Deutschen Welle von dieser Woche. Es sind keine Flüchtlinge, die zurückkehren wollen. Es sind gebürtige Deutsche - und etablierte Ausländer - die sagen, das Land sei nicht mehr wie früher.
Aber warum sollte uns das als Araber in Deutschland interessieren?
Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte
Die Umfrage - die mehr als 2.000 Menschen umfasste - zeigte, dass die Gruppe, die am meisten ans Auswandern denkt, nicht die ist, die man erwarten würde.
- 28% der Jungen (18-29 Jahre) denken ans Auswandern
- 24% der Hochschulabsolventen wollen gehen
- 19% der Familien mit kleinen Kindern suchen nach Alternativen
Die beliebtesten Ziele? Schweiz, Österreich, Spanien und die USA. Die Menschen fliehen also nicht aus Europa - sondern aus Deutschland im Speziellen.
"Die Bürokratie bringt mich um"
Markus, ein 34-jähriger deutscher Software-Ingenieur, lebt seit seiner Geburt in Berlin. Ich fragte ihn, warum er über einen Umzug in die Niederlande nachdenkt.
"Ich habe 7 Monate auf einen Termin beim Bürgeramt gewartet, um meinen Pass zu verlängern", erzählte er. "In den Niederlanden hat mein Freund denselben Vorgang online in 10 Minuten erledigt."
Dieses Gefühl - dass Deutschland digital und bürokratisch zurückgeblieben ist - ist für die arabische Community nicht neu. Neu ist, dass die Deutschen selbst es spüren.
Laut dem Statistischen Bundesamt haben 268.000 deutsche Staatsbürger das Land 2024 verlassen - die höchste Zahl seit 2016.
Und was ist mit den Arabern? Denken sie auch ans Auswandern?
Ich habe diese Frage letzte Woche zwanzig Menschen aus der arabischen Community in Berlin gestellt. Die Antworten überraschten mich.
"Ja, ich denke darüber nach", sagte Huda, eine palästinensische Lehrerin, die seit 2012 in Kreuzberg lebt. "Aber wohin soll ich gehen? Zumindest sind meine Kinder hier in guten Schulen und die Krankenversicherung deckt alles ab."
Das ist der Widerspruch. Viele Araber empfinden dieselben Frustrationen - Bürokratie, Integrationsschwierigkeiten, Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt - aber sie wissen auch, dass die Alternativen begrenzt sind.
Ahmad, ein syrischer Zahnarzt, der in Neukölln arbeitet, fasste es zusammen: "Der Deutsche kann mit seinem Pass in die Schweiz gehen. Ich brauche ein Visum und Verfahren und muss meine Qualifikation neu anerkennen lassen. Es ist nicht so einfach."
Die positive Seite: Deutschland erkennt das Problem
Die Umfrage hat eine breite Diskussion in der deutschen Presse ausgelöst. Der Digitalisierungsminister nannte die Zahlen einen "Weckruf". Aber wird sich wirklich etwas ändern?
Es gibt Anzeichen. Das Projekt "Deutschland Digital" zielt darauf ab, 575 Verwaltungsleistungen bis Ende 2026 zu digitalisieren. Und das neue Staatsangehörigkeitsgesetz (das dieses Jahr in Kraft trat) ermöglicht die Einbürgerung nach 5 statt 8 Jahren.
Aber die wichtigste Frage: Werden diese Änderungen schnell genug kommen, um die Menschen zum Bleiben zu überzeugen?
Was bedeutet das praktisch?
Wenn Sie ein Araber sind, der in Deutschland lebt und über Ihre Zukunft nachdenkt, hier einige Punkte zum Nachdenken:
- Die deutsche Staatsbürgerschaft = mehr Freiheit. Wenn Sie berechtigt sind, öffnet die Einbürgerung die Türen zur gesamten EU. Sie können in den Niederlanden oder Österreich ohne Visum arbeiten.
- Digitale Fähigkeiten und Englisch sind gefragt. Die Länder, in die Deutsche auswandern (Schweiz, Niederlande, skandinavische Länder), setzen stark auf Englisch und Remote-Arbeit.
- Treffen Sie keine Entscheidung nur aus Frustration. Jedes Land hat seine Probleme. Die Schweiz ist sehr teuer. Spanien hat niedrige Gehälter. Amerika hat keine allgemeine Krankenversicherung.
Fazit
Ein Fünftel der Menschen in Deutschland denkt ans Auswandern. Das ist eine riesige Zahl. Aber es bedeutet nicht, dass Deutschland als Ziel am Ende ist.
Für die arabische Community ist die Sache kompliziert. Ja, die Bürokratie ist schwer. Ja, die Integration ist nicht einfach. Aber der Vergleich muss realistisch sein: Was sind die Alternativen wirklich? Und sind Sie bereit, noch einmal bei null anzufangen?
Die Antwort könnte ja sein. Oder es könnte sein, dass Deutschland - trotz allem - immer noch die beste verfügbare Option ist.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- Deutsche Welle - Umfrage zur Auswanderung aus Deutschland
- Destatis - Auswanderungsstatistiken
- Bundesregierung - Projekt Deutschland Digital
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