Bis zu 40 Flugzeuge am Boden. So lautet die Warnung von Lufthansa-Chef Carsten Spohr, die in dieser Woche fuer Unruhe in der Branche sorgte. Grund: Weite Teile des iranischen Luftraums sind gesperrt, und die Folgen reichen weit ueber den Nahen Osten hinaus.
Spohr schloss auch Kurzarbeit fuer Teile der Belegschaft nicht aus. Ein deutlicher Kurswechsel gegenueber frueheren Aussagen, in denen es lediglich um laengere Flugzeiten ging. Jetzt steht die Frage im Raum, ob bestimmte Strecken ueberhaupt noch bedient werden koennen. Fuer die rund 80.000 Beschaeftigten der Lufthansa Group in Deutschland ist das mehr als eine Schlagzeile.
Denn betroffen sind nicht nur Nahost-Fluege nach Beirut, Kairo oder Amman. Auch Langstreckenverbindungen nach Suedostasien (Bangkok, Tokio, Singapur) fuehrten bislang ueber iranisches Gebiet. Die Umwege kosten laut Eurocontrol-Daten zwischen einer und drei Stunden zusaetzliche Flugzeit, was sich direkt in hoeheren Kerosinkosten und damit hoeheren Ticketpreisen niederschlaegt.

Wettbewerbsnachteil fuer Lufthansa
Waehrend Lufthansa Routen streicht, stehen Konkurrenten wie Emirates und Turkish Airlines besser da. Beide verfuegen ueber Drehkreuze (Dubai, Istanbul), die alternative Routing-Optionen ermoeglichen. Und Reisende merken das. Wer im Sommer in den Nahen Osten will, wird zunehmend bei diesen Airlines buchen. Ein Marktanteilsverlust, der Lufthansa zusaetzlich unter Druck setzt.
Das groesste Problem? Die Ungewissheit. Niemand weiss, wie lange die Luftraumsperrungen anhalten. Und solange sie bestehen, planen Airlines im Nebel.
Was Kurzarbeit fuer Flughafen-Beschaeftigte bedeutet
An deutschen Flughaefen arbeiten ueberdurchschnittlich viele Menschen mit Migrationsgeschichte, insbesondere in der Bodenabfertigung, Gepaecklogistik und Sicherheit. Sollte Kurzarbeit kommen (noch ist kein Antrag gestellt), wuerden viele von ihnen als Erste betroffen sein.
Konkret heisst das: verkuerzte Arbeitszeiten bei 60 bis 67 Prozent des Nettolohns, finanziert durch die Bundesagentur fuer Arbeit. Aber Kurzarbeit darf nicht einseitig angeordnet werden. Es braucht entweder eine Betriebsvereinbarung oder eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag. Wer unsicher ist, sollte den eigenen Vertrag pruefen und sich an den Betriebsrat wenden.
Was Reisende jetzt tun sollten
Wer im Sommer in den Nahen Osten fliegen moechte, sollte frueh buchen. Je naeher der Reisetermin rueckt, desto weniger Optionen bleiben, und die Preise steigen. Alternativen wie Turkish Airlines (ueber Istanbul) oder Emirates (ueber Dubai) bieten derzeit teilweise guenstigere und zuverlaessigere Verbindungen als Lufthansa.
Auf Flightradar24 laesst sich vorab pruefen, welche Routen aktuell tatsaechlich geflogen werden. Das hilft bei der Einschaetzung, ob eine gebuchte Verbindung realistisch ist.
Bei Flugausfaellen greift die EU-Verordnung 261/2004: Bis zu 600 Euro Entschaedigung bei Langstrecken ueber 3.500 Kilometer, dazu Umbuchung oder Erstattung. Allerdings koennen Airlines Luftraumsperrungen als "aussergewoehnliche Umstaende" geltend machen, was den Entschaedigungsanspruch einschraenkt. Der Anspruch auf Umbuchung oder Rueckerstattung bleibt aber bestehen.
Quellen
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