Nachrichten

Medizin-Nobelpreis: Was Optogenetik kann

Ein Medizin-Nobelpreis weckt schnell Hoffnung auf neue Behandlungen.

Teilen
Medizin-Nobelpreis: Was Optogenetik kann

Bildquelle: Bd008 · CC BY-SA 4.0

Redaktioneller BelegGeprüft2 QuellenlinksAktualisiert 6. Oktober 2026Methodik
Quellenbeleg

Bestimmte Nervenzellen mit Licht aktivieren und dann beobachten, was das auslöst: An diesem Forschungswerkzeug haben Peter Hegemann, Georg Nagel und Karl Deisseroth gearbeitet. Für ihre Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen und zur Optogenetik erhalten sie den Medizin-Nobelpreis 2026. Die Entscheidung wurde laut dem arabischsprachigen Bericht von DW am Montag, 5. Oktober 2026, vom Nobelkomitee in Stockholm bekannt gegeben.

Zwei der ausgezeichneten Forscher arbeiten an deutschen Hochschulen: Hegemann forscht nach Angaben der tagesschau an der Humboldt-Universität zu Berlin, Nagel an der Universität Würzburg. Deisseroth arbeitet laut DW an der Stanford University in den USA.

Mit Optogenetik untersuchen Forschende, wie bestimmte Nervenzellen Erinnerungen, Gefühle und Verhalten beeinflussen. Die tagesschau beschreibt das Vorgehen so: Ausgewählte Zellen werden mithilfe von Licht an- oder ausgeschaltet. Anschließend lässt sich beobachten, ob dadurch etwa eine Erinnerung oder ein Gefühl entsteht. Die gezielte Veränderung der Zellaktivität hilft damit, die Funktion bestimmter Nervenzellen zu erforschen.

Einen frühen Schritt zu diesem Werkzeug dokumentierte Deisseroth 2005. Nach dem Bericht von DW veröffentlichte er damals Ergebnisse aus Versuchen mit Nervenzellen von Ratten. Er hatte das Gen für ein lichtempfindliches Protein in die Zellen eingebracht und konnte anschließend mit blauem Licht ein Nervensignal auslösen. Zwei Jahre später gelang der Einsatz dieses Lichtschalters im Gehirn lebender Mäuse.

Das Protein heißt Channelrhodopsin und stammt aus einer einzelligen Alge. Hegemann und Nagel hatten laut DW untersucht, warum diese auf eine Lichtquelle zuschwimmt. Dabei entdeckten sie das Protein auf der Zelloberfläche. Seine besondere Eigenschaft erklärt den Lichtschalter: Bei blauem Licht öffnet sich ein Kanal, durch den elektrisch geladene Teilchen, sogenannte Ionen, in die Zelle strömen. So entsteht ein elektrisches Signal. Wird das Protein in andere Zellen eingebracht, reagieren auch diese auf Licht.

DW berichtet außerdem von klinischen Versuchen, mithilfe der Optogenetik das Sehvermögen von Menschen mit eingeschränkter Sicht wiederherzustellen. Hier wird eine medizinische Anwendung des Forschungswerkzeugs untersucht. Die Auszeichnung allein belegt weder den Erfolg einer solchen Behandlung noch ihre Verfügbarkeit für Patienten; dafür braucht es Nachweise zur jeweiligen Anwendung.

Wer später auf ein Therapieversprechen stößt, kann zuerst nach der Originalstudie und einem unabhängigen Beleg für die behauptete Verfügbarkeit suchen. Bei der Studie zählt, was an Zellen, Tieren oder Menschen tatsächlich gemessen wurde und welche Grenzen die Ergebnisse haben. Den Begriff Optogenetik erklärt der tagesschau-Bericht im Abschnitt „Geheimnisse des Gehirns entschlüsseln“.

Teilen

Berlinuna Redaktion · Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.

So arbeiten wir: redaktionelle Methodik

Weiter von hier

Passende Lektüre, ein praktischer nächster Schritt oder das Spiel des Tages.

  1. 01

    Literaturnobelpreis: Am 8. Oktober ab 13 Uhr

    Wer vor der Bekanntgabe einen Namen in der Lesegruppe teilt, sollte genau auf die Quelle schauen. Der Literaturnobelpreis wird am Donnerstag, 8. Oktober 2026, frühestens um 13 Uhr Berliner Zeit bekanntgegeben. Namen auf Favoritenlisten sind damit noch keine offiziell bestätigten Nominierungen. Wo die Entscheidung veröffentlicht wird und was die Schwedische Akademie über ihr Auswahlverfahren offenlegt, lässt sich vorab prüfen.

    Kulturفريق برليننا
  2. 02

    Chemie-Nobelpreis: Was das für Arzneien heißt

    Zwei Molekülvarianten können wie rechte und linke Hand aufgebaut sein und unterschiedliche Eigenschaften haben. Der Chemie-Nobelpreis 2026 würdigt Henri B. Kagan und Kenso Soai für Entdeckungen, mit denen sich die Bildung eines Spiegelbilds gezielt begünstigen lässt. Das hilft beim Planen chemischer Reaktionen für Arzneimittel. Eine therapeutische Wirkung belegt die Auszeichnung jedoch nicht. Welche Forschung dahintersteht und worauf es beim Teilen einer Meldung über ein angeblich neues Medikament ankommt.

    Nachrichtenفريق برليننا

Kommentare

Kommentare werden geladen...