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"Meine Familie ist in Teheran und ich kann sie nicht erreichen" - Iran-Proteste erneuern Ängste der iranischen Diaspora in Deutschland

Während die Proteste im Iran eskalieren und das Internet abgeschaltet wird, stehen Tausende Iraner in Deutschland vor einer doppelten Krise: Sorge um Angehörige in der Heimat und Angst vor Auswirkungen auf ihren rechtlichen Status in Deutschland. Wie beeinflusst die politische Lage im Herkunftsland Ihr Leben in Berlin?

Redaktioneller BelegAusstehend2 offizielle LinksAktualisiert 10. Januar 2026Methodik

Berlinuna Redaktion

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Reza saß um 3 Uhr morgens am Küchentisch seiner Kreuzberger Wohnung. Das Telefon in seiner Hand zeigte zum 47. Mal: "Anruf fehlgeschlagen". Seine Mutter in Teheran hatte vor 18 Stunden zuletzt geantwortet. Seitdem: nichts.

Reza ist nicht allein. In den letzten Tagen, während die Proteste gegen das iranische Regime eskalieren und das Internet in weiten Teilen des Landes abgeschaltet wurde, haben sich Tausende Wohnungen in Berlin und ganz Deutschland in offene Wartezimmer verwandelt - Menschen starren auf Bildschirme und versuchen zu verstehen, was mit ihren Familien 4.000 Kilometer entfernt passiert.

Und das ist nicht nur eine emotionale Krise. Für viele stellt sich die Frage: Welche Auswirkungen hat die Situation im Iran auf meinen rechtlichen Status in Deutschland?

Mehr als 50 Tote - und die Zahlen steigen

Laut ARD-Berichten meldeten Aktivisten mehr als 50 getötete Demonstranten seit Beginn der Proteste. Die Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands gaben eine gemeinsame, scharfe Erklärung ab, in der sie "das Töten von Demonstranten" verurteilten und das iranische Regime zu "Zurückhaltung" aufriefen.

Aber diese Erklärung könnte für viele zu spät kommen. Fatemeh, 34, lebt seit 6 Jahren in Berlin. Ihr jüngerer Bruder hat an den Protesten in Teheran teilgenommen. "Seine letzte Nachricht war: 'Ich gehe heute Abend auf die Straße.' Seitdem habe ich nichts von ihm gehört." Ihre Stimme zittert am Telefon.

Demonstration gegen Ungerechtigkeit - Symbolbild
Symbolbild. Photo: Sebastian Herrmann/Unsplash

Wie wirkt sich das auf Ihren rechtlichen Status in Deutschland aus?

Die Frage, die viele stellen: Können die Proteste im Iran Asyl- oder Aufenthaltserlaubnis-Anträge in Deutschland beeinflussen?

Laut BAMF-Statistiken wurden 2025 68% der iranischen Asylanträge genehmigt. Aber mit der zunehmenden Repression könnte sich die Situation ändern.

Die Berliner Rechtsanwältin Sarah Mousavi, spezialisiert auf Migrationsrecht, erklärt: "Wenn Sie eine befristete Aufenthaltserlaubnis im Zusammenhang mit Asyl haben, sollten Sie von der sich verschlechternden Sicherheitslage profitieren. Die deutsche Regierung hat Abschiebungen in den Iran seit Jahren aus Menschenrechtsgründen gestoppt - und das wird sich nicht ändern, sondern eher verstärken."

Aber es gibt eine wichtige Warnung: "Wenn Sie an Demonstrationen in Deutschland gegen das iranische Regime teilnehmen, dokumentieren Sie dies. Sie könnten es später brauchen, wenn Sie einen Asylantrag oder eine Verlängerung Ihrer Aufenthaltserlaubnis auf der Grundlage möglicher politischer Verfolgung stellen."

Was tun, wenn der Kontakt zur Familie abbricht?

In Berlin haben Mitglieder der iranischen Gemeinschaft Kommunikationsnetzwerke über die Telegram-App aufgebaut (die im Iran teilweise noch über VPN funktioniert).

Praktische Tipps aus der Community:

  1. Nutzen Sie Telegram-Kanäle für iranische Städte - es gibt aktive Gruppen, die Echtzeit-Nachrichten aus jedem Viertel posten.
  2. Versuchen Sie Anrufe in den frühen Morgenstunden (3-5 Uhr Teheraner Zeit) - dann ist das Internet weniger blockiert, da die Nutzung geringer ist.
  3. Kontaktieren Sie Menschenrechtsorganisationen - Amnesty International in Berlin hat eine Notfall-Hotline.
  4. Führen Sie Protokoll über Ihre Versuche - falls Sie später nachweisen müssen, dass Sie keinen Kontakt zur Familie hatten (für Familienzusammenführung oder Asylanträge).

Demonstrieren in Deutschland: Ihre Rechte und Risiken

Iraner in Berlin planen für Samstag, den 11. Januar, eine Solidaritätsdemonstration vor der iranischen Botschaft. Laut Berliner Versammlungsrecht haben Sie das volle Recht zur Teilnahme - unabhängig von Ihrem Aufenthaltsstatus.

Aber seien Sie vorsichtig:

  • Das iranische Regime ist dafür bekannt, Demonstranten im Ausland zu fotografieren. Wenn Sie Familie im Iran haben, könnte dies eine Gefahr für sie darstellen.
  • Nehmen Sie Ihren iranischen Reisepass nicht zur Demonstration mit - tragen Sie nur Ihre deutsche Aufenthaltserlaubnis.
  • Wenn Sie Drohungen von regimenahen Stellen erhalten, informieren Sie sofort die deutsche Polizei. Sie hat eine Sondereinheit zum Schutz vor ausländischen Bedrohungen.

"Wir sind nicht allein"

Reza, der seit 48 Stunden nicht geschlafen hat, sagt: "Das Einzige, was mich bei Verstand hält, ist zu wissen, dass Tausende andere Familien in Berlin durch denselben Albtraum gehen. Wir tauschen Nachrichten aus, beruhigen einander. Das ist mehr als nur eine Gemeinschaft - es ist ein Rettungsnetz."

Am Donnerstagmorgen erhielt Reza eine Kurznachricht von einer unbekannten Nummer: "Mir geht es gut. Benutze das Telefon unseres Nachbarn. Mach dir keine Sorgen." Es war seine Mutter.

Er weiß, dass die Gefahr damit nicht vorbei ist. Aber in diesem Moment kann er zumindest atmen.

Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

المصادر / Quellen

  1. Tagesschau - Proteste im Iran: Demonstrationen weiten sich aus
  2. DW Arabic - بيان شديد اللهجة لقادة فرنسا وبريطانيا وألمانيا ضد قتل المحتجين في إيران
  3. BAMF - Aktuelle Zahlen zu Asyl

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