Merz im Golf: Was bedeutet das für Araber hier?
Bundeskanzler Friedrich Merz beginnt seine erste Golfstaaten-Reise. Besuche in Saudi-Arabien, den VAE und Katar – auf der Suche nach Investitionen und Energiepartnerschaften. Die Frage für die arabische Community: Werden diese Beziehungen ihre Lage in Deutschland beeinflussen?
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In einem kleinen Restaurant in der Sonnenallee in Neukölln verfolgt Khaled die Nachrichten auf seinem Handy. Das Bild von Kanzler Merz mit dem saudischen Kronprinzen füllt den Bildschirm. "All diese Besuche und Milliarden", sagt er, während er seinen Kaffee umrührt, "aber am Ende bin ich bei der Ausländerbehörde nur eine Nummer in der Warteschlange."
Khaleds Beobachtung liegt nicht weit von der Realität entfernt. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den Golfstaaten florieren, doch ihr Einfluss auf arabische Migranten in Deutschland bleibt – bestenfalls – indirekt.
Die Zahlen der Reise
Kanzler Merz traf gestern in Riad ein – seine erste Auslandsreise seit Amtsantritt. Laut dem Bundeskanzleramt umfasst die Agenda Gespräche über Investitionen im Wert von 10 Milliarden Euro, Partnerschaften im Bereich grüner Wasserstoff und mögliche Rüstungsgeschäfte.
Das bilaterale Handelsvolumen erreichte 2025 14,7 Milliarden Euro – ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: Deutschland ist Saudi-Arabiens drittgrößter Handelspartner in Europa.
Die andere Seite der Beziehung
Doch diese warmen Wirtschaftsbeziehungen spiegeln sich nicht unbedingt in der Migrationspolitik wider. Analysten weisen darauf hin, dass Merz – schon vor seinem Amtsantritt – einer der schärfsten Kritiker der Asylpolitik unter Merkel war.
"Die Beziehungen zum Golf sind rein wirtschaftlicher Natur", erklärte Christina Schlöter, Analystin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). "Es gibt keine Verknüpfung mit der Migrationspolitik für normale Bürger."
Das bedeutet: Ein saudischer, syrischer oder ägyptischer Arbeitnehmer in Deutschland wird nicht direkt von diesen Besuchen profitieren. Aufenthalts- und Einbürgerungsgesetze bleiben völlig getrennt von Handelsabkommen.
Mögliche Ausnahmen?
Es gibt einen Bereich, der Auswirkungen zeigen könnte: hochqualifizierte Fachkräfte. Kooperationsabkommen in Sektoren wie Technologie und erneuerbare Energien könnten Türen für Ingenieure und Experten aus der Region öffnen.
Ein Bericht der Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer zeigt: 340 deutsche Unternehmen suchen arabische Fachkräfte in den Bereichen Energie und Bauwesen. Aber – und hier liegt die Ironie – viele dieser Unternehmen bevorzugen es, Talente direkt aus dem Golf zu rekrutieren, anstatt in Deutschland lebende Araber einzustellen.
Was die Community wirklich interessiert
In einer informellen Umfrage unter 500 Personen, durchgeführt von arabischen Organisationen in Berlin, wurden die Prioritäten abgefragt. Die Ergebnisse? Beschleunigung des Familiennachzugs (78%), bessere Anerkennung von Abschlüssen (65%), Bekämpfung von Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt (61%). Diplomatische Beziehungen zum Golf landeten auf dem letzten Platz.
"Der Kanzler besucht Riad und Doha, und wir warten 18 Monate auf einen Termin in der deutschen Botschaft in Beirut", sagte Rana, eine libanesische Mutter, die auf die Familienzusammenführung wartet. "Die Prioritäten sind klar."
Ein Blick nach vorn
Der Besuch von Merz im Golf mag Deutschlands wirtschaftliche Position stärken, aber er wird – zumindest mittelfristig – die Realität arabischer Migranten hier nicht verändern. Echter Wandel kommt durch Innenpolitik, durch Arbeits- und Aufenthaltsgesetze, durch Investitionen in Integrationsprogramme.
Bis dahin wird Khaled in Neukölln weiter die Nachrichten auf seinem Handy verfolgen – und versuchen, einen Termin bei der Ausländerbehörde zu bekommen.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- Die Bundesregierung - Offizielle Website
- Statistisches Bundesamt - Außenhandel
- Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)
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