Politik

Merz in Indien: Was bedeutet das für arabische Arbeitnehmer?

Bei seinem ersten offiziellen Besuch in Neu-Delhi verkündete Bundeskanzler Merz einen historischen Durchbruch bei den EU-Indien-Freihandelsverhandlungen. Das Abkommen könnte Hunderttausende qualifizierter indischer Arbeitskräfte nach Deutschland bringen - was bedeutet das für arabische Fachkräfte in Tech, Ingenieurwesen und Medizin?

Redaktioneller BelegAusstehend5 QuellenlinksAktualisiert 13. Januar 2026Methodik

Berlinuna Redaktion

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Als Friedrich Merz am Samstag vor die Presse in Neu-Delhi trat, sprach er nicht nur über einen Handelsvertrag. Er zeichnete eine neue Karte des deutschen Arbeitsmarktes.

"Wir sind einem historischen Abkommen sehr nahe" - so beschrieb der Bundeskanzler die Verhandlungen mit dem asiatischen Riesen. Doch zwischen den Zeilen der diplomatischen Erklärungen verbergen sich Zahlen, die jeden Araber in Deutschland betreffen - ob berufstätig oder arbeitssuchend.

Die Zahlen, die niemand erwähnt

Nach Schätzungen des Bundesarbeitsministeriums braucht Deutschland jährlich 400.000 Fachkräfte, um die demografische Lücke zu schließen. Die Verhandlungen mit Indien zielen darauf ab, Arbeitsvisa für Inder in bestimmten Sektoren zu erleichtern: IT, Ingenieurwesen und Gesundheitswesen.

Das indische Parlamentsgebäude in Neu-Delhi
Symbolbild. Photo by Swapnil Bapat on Unsplash

Genau die drei Sektoren, in denen Tausende Araber in Deutschland arbeiten.

Laut Statistischem Bundesamt arbeiten derzeit etwa 47.000 Syrer im deutschen Gesundheitssektor, während über 12.000 Araber Positionen in großen Technologieunternehmen in Berlin, München und Frankfurt besetzen.

"Der Wettbewerb ist kein Nullsummenspiel" - aber

Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), betonte, dass das Abkommen "nicht über Nacht die Spielregeln ändern wird". Er fügte gegenüber DW hinzu: "Der deutsche Arbeitsmarkt hat Platz für alle - das Problem liegt nicht in der Zahl der Bewerber, sondern in der Geschwindigkeit der Verfahren."

Mohammed (Name geändert), ein syrischer Softwareentwickler, der seit 2019 in Berlin arbeitet, sieht das anders. "Bei meiner letzten Bewerbung kamen 60 Prozent der Kandidaten aus Indien. Die Unternehmen kennen sie - ihr Englisch ist ausgezeichnet, ihre Abschlüsse von weltweit bekannten Universitäten."

Die eigentliche Herausforderung? Nicht die Kompetenz. "Ich habe Deutsch B2 und Englisch C1", sagt Mohammed. "Aber wenn ein Unternehmen einen arabischen Namen im Lebenslauf sieht, kommt man manchmal nicht einmal zum Vorstellungsgespräch."

Modernes Tech-Büro mit Mitarbeitern an Computern
Symbolbild. Photo by Austin Distel on Unsplash

Was sich tatsächlich ändern könnte

Arbeitsmarktexperten warnen, dass das Abkommen - falls es zustande kommt - frühestens 2027 in Kraft treten wird. Bis dahin bleibt die Blaue Karte EU das wichtigste Instrument für den Zuzug qualifizierter Arbeitskräfte von außerhalb der EU.

Das Bundesinnenministerium bestätigte, dass 2025 insgesamt 38.000 Blaue Karten ausgestellt wurden - 22 Prozent davon an indische Staatsangehörige und nur 7 Prozent an Staatsangehörige aller arabischen Länder zusammen.

Die Kluft ist offensichtlich. Und sie könnte größer werden.

Ein praktischer Rat

Eine aktuelle Studie der IHK Berlin zeigt, dass arabische Arbeitnehmer mit anerkannten deutschen Qualifikationen (über das Anerkennungsverfahren) ihre Chancen auf eine Anstellung um 34 Prozent steigern konnten im Vergleich zu denjenigen mit ausschließlich ausländischen Abschlüssen.

"Ein deutscher Abschluss - selbst eine Weiterbildung - beruhigt den Arbeitgeber", erklärt Sara Hamdan, Berufsberaterin bei der Bundesagentur für Arbeit. "Es geht nicht nur um Wissen, sondern um Vertrauen."

Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Quellen

  1. DW - Merz in Indien: Historisches Handelsabkommen in Reichweite
  2. Destatis - Migration und Integration
  3. Make it in Germany - Fachkräfteeinwanderungsgesetz
  4. IHK Berlin - Service und Beratung

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13. Januar 2026
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