"Nach 8 Jahren erkannten sie meinen Abschluss an" - Wie sich die Anerkennung ausländischer Ärzte 2026 ändert
2018 kam Sara aus Damaskus mit Medizinstudium und 5 Jahren Berufserfahrung. 2026 erhielt sie endlich ihre volle Approbation. Doch neue Änderungen im Anerkennungsgesetz bedeuten: Heutige Ärzte warten keine 8 Jahre mehr - aber der Weg bleibt komplex.
فريق برليننا
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Photo by National Cancer Institute on Unsplash
Im Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin-Moabit öffnete Sara den Umschlag. Darin: ein einziges Blatt mit rotem Stempel. "Approbation als Ärztin". Die volle ärztliche Zulassung.
Acht Jahre. Von Ärztin in Damaskus zu Putzfrau in Berlin, dann Medizinpraktikantin, dann Assistenzärztin mit eingeschränkter Lizenz. Und jetzt, endlich: voll anerkannte Ärztin.
"Ich dachte, mein syrischer Abschluss ist hier wertlos," sagt Sara, 38, jetzt bei der Charité. "Aber das System hat sich geändert. Würde ich heute anfangen, wäre der Weg schneller - aber immer noch schwer."
Deutschland braucht Ärzte - dringend
Laut Statistischem Bundesamt benötigt Deutschland bis 2030 zusätzliche 120.000 Ärzte, um den akuten Mangel zu decken - besonders in ländlichen Gebieten und Kernfächern wie Innere Medizin und Psychiatrie.
2025 arbeiteten 59.400 ausländische Ärzte in Deutschland - 13% aller praktizierenden Ärzte. Davon 5.200 allein aus Syrien, was Syrer zur drittgrößten Gruppe ausländischer Ärzte nach Rumänen und Griechen macht, laut Bundesärztekammer.
Doch Ärztebedarf bedeutet nicht, dass der Weg leicht ist. Die Anerkennung ausländischer Medizinabschlüsse in Deutschland ist lang und komplex - aber in den letzten Jahren schneller geworden.
Was sich 2026 änderte: Neue Anerkennungsregeln
Hauptänderungen, die 2026 in Kraft traten:
1. Einheitliche Gleichwertigkeitsprüfung
Früher mussten ausländische Ärzte die Kenntnisprüfung bestehen - eine sehr schwere praktische Prüfung mit echten Patienten vor einem Panel deutscher Ärzte. Bestehensquote: 40% beim ersten Versuch.
Jetzt gibt es einen alternativen Weg: die Gleichwertigkeitsprüfung - eine strukturiertere Prüfung mit theoretischem und praktischem Teil, aber klareren Kriterien. Immer noch schwer, aber fairer und transparenter.
2. Spezialisierte medizinische Sprachprüfung (Fachsprachenprüfung)
B2-Zertifikat in Deutsch reicht nicht mehr. Alle ausländischen Ärzte müssen nun die Fachsprachenprüfung bestehen - eine medizinspezifische Sprachprüfung, die testet, ob Sie können:
- Anamnese bei deutschem Patienten erheben
- Diagnose, Risiken und Behandlungen dem Patienten erklären
- Arztbrief in korrektem medizinischem Deutsch schreiben
- Mit anderen Ärzten und Pflegepersonal kommunizieren
"Die Sprachprüfung war härter als die Kenntnisprüfung," sagt Ahmed, ein irakischer Arzt, der 2025 seine Approbation erhielt. "Wörter wie Herzinsuffizienz lernen ist einfach. Aber dem 75-jährigen Patienten erklären, warum er einen Herzkatheter braucht - auf einfachem, verständlichem Deutsch - das ist eine Kunst."
3. Schnellere Berufserlaubnis (befristete Lizenz)
Während Sie auf die volle Anerkennung (Approbation) warten, können Sie als Arzt mit befristeter Lizenz (Berufserlaubnis) arbeiten. 2026 wurde der Prozess vereinfacht:
- Bearbeitungszeit: 3-6 Monate (vorher 12-18 Monate)
- Gehalt: Gleiches Gehalt wie deutscher Assistenzarzt (ca. 5.000-6.500€ monatlich)
- Dauer: Jährlich verlängerbar bis zur Approbation
Vollständige Schritte: Von ausländischem Abschluss zur Approbation
Schritt 1: Abschlussbewertung (Dokumenten-Gleichwertigkeitsprüfung)
Antrag bei der Anerkennungsstelle in dem Bundesland, wo Sie arbeiten möchten. In Berlin: Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo).
Erforderliche Dokumente:
- Medizinabschluss (übersetzt und beglaubigt von vereidigtem Übersetzer)
- Transcript (Notenübersicht) aller Jahre
- Führungszeugnis - kann bei jedem Bürgeramt beantragt werden
- Gesundheitszeugnis von deutschem Arzt
- B2-Deutschzertifikat (Goethe, telc oder TestDaF)
- Reisepass und Aufenthaltstitel
Kosten: 200-600€ (Antragsgebühren) + 100-300€ pro beglaubigter Übersetzung.
Schritt 2: Fachsprachenprüfung bestehen
Wird von Ärztekammern in jedem Bundesland durchgeführt. In Berlin organisiert von der Ärztekammer Berlin.
Prüfungsteile:
- Arzt-Patienten-Gespräch: 20 Minuten mit Schauspieler als Patient. Sie müssen vollständige Anamnese erheben.
- Fallpräsentation: Sie erhalten Patientenakte, müssen Diagnose und Behandlung dem Panel erklären.
- Arztbrief schreiben: In korrektem medizinischem Deutsch.
Saras Tipp: "Lernen Sie nicht nur medizinische Begriffe auswendig. Gehen Sie zu einem deutschen Hausarzt und hören Sie zu, wie er mit älteren Patienten spricht. Das hat mir geholfen."
Kosten: 300-600€ (Prüfungsgebühr).
Schritt 3: Berufserlaubnis (befristete Lizenz) erhalten
Sobald Sie die Fachsprachenprüfung bestehen, können Sie die Berufserlaubnis beantragen. Diese erlaubt Ihnen, in einem bestimmten Krankenhaus oder einer Praxis zu arbeiten, während Sie sich auf die Abschlussprüfung vorbereiten.
Vorteile:
- Arbeiten als Assistenzarzt
- Volles Gehalt (5.000-6.500€ monatlich je nach Erfahrung)
- Unter Aufsicht eines deutschen Arztes
- Gültig für ein Jahr, verlängerbar
Schritt 4: Kenntnisprüfung oder Gleichwertigkeitsprüfung bestehen
Die letzte - und schwerste - Prüfung. Es gibt zwei Wege:
Weg A: Kenntnisprüfung (traditionelle Prüfung)
- Praktische Prüfung mit 4 echten Patienten (1 Stunde pro Patient)
- Sie müssen: Untersuchen, diagnostizieren, Behandlung vorschlagen, Fragen des Panels beantworten
- Fachgebiete: Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie, Pädiatrie
- Bestehensquote: 40-50% beim ersten Versuch
Weg B: Gleichwertigkeitsprüfung (neue Prüfung - 2026)
- Theorieteil: Multiple-Choice-Fragen (MCQ) ähnlich deutschem Physikum
- Praxisteil: Zwei klinische Fälle (Simulationen, keine echten Patienten)
- Bestehensquote: 55-60% beim ersten Versuch (etwas höher)
"Die neue Prüfung ist fairer," sagt Dr. Mahmoud, ein palästinensischer Arzt, der die Gleichwertigkeitsprüfung im Dezember 2025 bestand. "Bei der Kenntnisprüfung hängt Erfolg manchmal vom Glück mit dem Patienten ab. Bei der neuen Prüfung sind Fragen klar, Kriterien transparent."
Kosten: 800-1.500€ (Prüfungsgebühr).
Wie viel kostet der gesamte Weg - und woher das Geld nehmen?
Gesamtkosten von Anfang bis Approbation:
- Anerkennungsgebühren: 200-600€
- Beglaubigte Übersetzungen: 500-1.000€
- Deutschkurse (A1 bis B2): 2.000-4.000€
- Fachsprachenprüfung: 300-600€
- Medizinische Vorbereitungskurse: 1.000-3.000€
- Gleichwertigkeitsprüfung: 800-1.500€
- Gesamt: 5.000-11.000€
Finanzierungsoptionen:
- Anerkennungszuschuss: Bis zu 600€ für Anerkennungs- und Übersetzungskosten. Beantragbar über Anerkennungsportal.
- Darlehen von Jobcenter oder Arbeitsagentur: Wenn arbeitssuchend gemeldet, können sie Sprach- und Vorbereitungskurse finanzieren.
- Stipendien von Hilfsorganisationen: Organisationen wie Caritas und Diakonie bieten finanzielle Unterstützung für geflüchtete Ärzte.
Wo finde ich Vorbereitungskurse?
Spezialisierte medizinische Vorbereitungskurse in Berlin:
- Marburger Bund: Kenntnisprüfungs-Vorbereitungskurse (3-6 Monate, 2.000-3.000€)
- Ärztekammer Berlin: Medizinische Sprachkurse und Prüfungsvorbereitung
- Charité International Academy: Intensive Vorbereitungsprogramme (aber teuer: 4.000-6.000€)
Was wenn ich durchfalle?
Die meisten Ärzte bestehen nicht beim ersten Versuch. Das ist normal.
- Sie können die Prüfung nach 3-6 Monaten wiederholen
- Sie erhalten detaillierten Bericht über Ihre Schwächen
- Sie können weiter mit Berufserlaubnis arbeiten
- Keine Begrenzung der Versuche (aber jeder Versuch kostet 800-1.500€)
"Ich fiel zweimal durch die Kenntnisprüfung," sagt Laila, eine Zahnärztin aus dem Irak. "Beim dritten Mal bestand ich. Gib nicht auf. Jeder Versuch lehrt etwas Neues."
Alternativen, wenn der medizinische Weg zu lang ist
Wenn die Approbation zu lange dauert oder zu schwierig ist, gibt es andere medizinische Berufe:
- Krankenpfleger/in: Ihr Medizinabschluss wird teilweise anerkannt, ermöglicht direkten Einstieg in verkürzte Pflegeausbildung (1-2 Jahre). Gehalt: 3.200-4.500€.
- Medizinischer Fachangestellte/r: Arbeit in Privatpraxen, ohne schwere Prüfung. Gehalt: 2.500-3.500€.
- Pharmazeutisch-technischer Assistent: Kurze Ausbildung (1-2 Jahre) für Apothekenarbeit. Gehalt: 2.800-3.800€.
Saras Rat für neue Ärzte
"2018 half mir niemand. Ich lernte auf die harte Tour," sagt Sara, jetzt Ärztin bei der Charité.
Ihre Tipps:
- Deutschkurs sofort beginnen: Schon vor Ankunft. B2 ist Minimum, aber C1 macht das Leben leichter.
- Berufserlaubnis zuerst holen: Nicht warten. Arbeit in deutschem Krankenhaus ist beste Vorbereitung für Abschlussprüfung.
- Ausländischen Ärzte-Supportgruppen beitreten: Auf Facebook und WhatsApp gibt es aktive Gruppen, wo Ärzte Prüfungs- und Jobtipps austauschen.
- Geld für Prüfungen sparen: Sie brauchen mindestens 5.000€. Planen Sie voraus.
- Nicht aufgeben: Der Weg ist lang. Aber am Ende lohnt es sich.
Heute arbeitet Sara in der Notaufnahme der Charité - eines der besten Krankenhäuser Europas. Acht Jahre Kampf, aber sie schaffte es. Und dank der neuen Änderungen 2026 müssen heute ankommende Ärzte nicht acht Jahre warten. Vielleicht vier. Vielleicht drei.
Der Weg ist immer noch schwer. Aber er ist kürzer geworden - und fairer.
Hinweis: Namen in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
المصادر / Quellen
- Statistisches Bundesamt - Arbeitsmarkt Gesundheitswesen
- Bundesärztekammer - Ärztestatistik 2025
- Anerkennung in Deutschland - Anerkennungsverfahren für Ärzte
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