Bei unmittelbarer Lebensgefahr ist 112 der richtige Anruf, auch wenn die Gefahr durch eine psychische Krise entsteht. Das gilt ebenso für Angehörige, die Hilfe für einen anderen Menschen rufen. Nach Angaben des EU-Portals Your Europe verbindet die Nummer direkt mit den Rettungsdiensten. Der Anruf ist vom Festnetz und Mobiltelefon in der gesamten EU kostenlos.
Anlass für die Frage nach erreichbarer Hilfe ist ein Bericht der DW über gestiegene Suizidzahlen, besonders bei Frauen. Unter Berufung auf eine Auswertung des Nationalen Suizidpräventionsprogramms NaSPro nennt der Bericht einen Anstieg der Todesfälle bei Frauen um 17,9 Prozent und bei Männern um 5,8 Prozent. Verglichen werden die Jahre 2025 und 2024.
Die amtliche Grundlage liefert das Statistische Bundesamt: Für 2025 verzeichnet es 11.334 Suizidtote in Deutschland, 9,3 Prozent mehr als 2024. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse am 9. Oktober 2026. Männer machten weiterhin den überwiegenden Teil der Todesfälle aus. Die geschlechtsspezifischen Zuwächse stammen aus der von DW wiedergegebenen NaSPro-Auswertung.
Die Prozentangaben beschreiben Veränderungen der absoluten Fallzahlen. Sie sind keine Suizidraten bezogen auf die Bevölkerungszahl und auch keine altersbereinigten Raten. Aus ihnen allein lassen sich weder die Ursachen des Anstiegs noch das persönliche Risiko einer einzelnen Frau ableiten.
Ein Gespräch, auch ohne Diagnose
Wer belastet ist und zunächst jemanden zum Reden braucht, kann sich an die TelefonSeelsorge wenden: unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123. Die Gespräche sind kostenlos. Das Angebot besteht rund um die Uhr, auch sonntags und an Feiertagen. Man muss dem eigenen Problem beim Anruf keinen medizinischen Namen geben. Die Dienstseite nennt eine belastende Sorge, für die man gerade keine Lösung findet, als ausreichenden Anlass.
Am Telefon sprechen geschulte Ehrenamtliche mit den Anrufenden. Ein Name muss nicht genannt werden, die eigene Rufnummer wird nicht angezeigt. Die Mitarbeitenden unterliegen der Schweigepflicht. Nach Angaben des Dienstes ist der Anruf bei den meisten Telefonanbietern auch auf der Rechnung nicht erkennbar.
Rund um die Uhr bedeutet allerdings nicht, dass sofort eine Leitung frei ist. Die TelefonSeelsorge weist auf mögliche Belegungen hin und empfiehlt, es erneut oder zu einer anderen Tageszeit zu versuchen. Besteht unmittelbare Lebensgefahr, ist Warten auf ein Beratungsgespräch keine passende Zwischenlösung: Dann 112 wählen.
Die Beratungssprache vorher klären
Die TelefonSeelsorge bezeichnet ihr Angebot ausdrücklich als deutschsprachig. Für arabisch- und türkischsprachige Menschen verweist sie auf die muslimische TelefonSeelsorge MuTeS unter +49 30 44 35 09 821. Fragen Sie dort nach der Verfügbarkeit arabischsprachiger Beratung, den Zeiten und den Anrufkosten. Die Angaben zur kostenlosen Erreichbarkeit rund um die Uhr beziehen sich auf die oben genannten Nummern der TelefonSeelsorge.
Speichern Sie 112 als Notruf und 116 123 als deutschsprachige Telefonberatung, dazu die beiden Ausweichnummern. Wer Arabisch benötigt, kann den MuTeS-Kontakt mit einem Hinweis zur Klärung von Sprache, Zeiten und Kosten ergänzen. Angehörige können die Dienstseite gemeinsam mit der betroffenen Person öffnen und einen passenden Kontakt auswählen, sofern keine unmittelbare Gefahr besteht.
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