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Rente: Was Migranten oft nicht wissen

Millionen Zugewanderte zahlen monatlich in die Rentenversicherung ein, doch viele kennen ihre Ansprüche nicht. Die Zahlen zeigen eine deutliche Rentenlücke zwischen Deutschen und Ausländern. Dabei gibt es konkrete Schritte, um die eigene Altersvorsorge zu verbessern.

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فريق برليننا

Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.

•14. Februar 2026•4 Min. Lesezeit•251 Aufrufe
Rente: Was Migranten oft nicht wissen

Berlinuna / AI Generated · Berlinuna Original

739 Euro monatlich. So hoch ist die durchschnittliche Rente, die Ausländer in Deutschland erhalten -- verglichen mit rund 1.170 Euro bei deutschen Staatsangehörigen. Die Kluft ist gewaltig, die Gründe nachvollziehbar: weniger Beitragsjahre, lückenhafte Anerkennung von Arbeitszeiten im Herkunftsland und Unwissenheit über bestehende Rechte.

Das deutsche Rentensystem funktioniert nach einem simplen Prinzip: Man zahlt während des Berufslebens ein und erhält im Alter eine monatliche Rente. Aber die Details entscheiden darüber, ob man im Ruhestand würdevoll lebt oder auf staatliche Hilfe angewiesen ist.

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) veröffentlichte Zahlen für 2025, wonach die durchschnittlichen Entgeltpunkte bei Ausländern nur 60 Prozent des Durchschnitts der deutschen Versicherten erreichen. Das Kernproblem? Fehlende Beitragsjahre. Wer erst mit 30 oder 40 nach Deutschland kam, dem fehlen ein bis zwei Jahrzehnte an Einzahlungen.

Symbolbild: Euro-Münzen und Ersparnisse
Symbolbild. Photo by Ibrahim Boran on Unsplash

So funktionieren Entgeltpunkte

Jedes Beitragsjahr bringt Punkte. Verdient man genau so viel wie der Durchschnittsverdiener (etwa 45.000 Euro jährlich im Jahr 2025), gibt es einen Punkt. Derzeit ist ein Entgeltpunkt 39,32 Euro monatliche Rente wert -- und dieser Betrag steigt mit jeder Rentenanpassung. Die Bundesregierung bestätigte, dass die nächste Anpassung im Juli 2026 den Rentenwert erneut anheben wird.

Hussein, ein syrischer Geflüchteter, kam 2015 nach Berlin und ist heute 42 Jahre alt. Er arbeitet seit sechs Jahren im Baugewerbe. Den jährlichen Brief der DRV -- die sogenannte Renteninformation -- hatte er nie geöffnet. "Ich dachte, das wäre Werbung", erzählt er. Dabei zeigt dieses Schreiben genau, wie viele Punkte er gesammelt hat und was ihn im Alter erwartet.

Aber reicht das wirklich für ein würdiges Leben nach 67?

Altersarmut bei Zugewanderten

Laut Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sind Migranten über 65 etwa doppelt so häufig auf Grundsicherung im Alter angewiesen wie Deutsche. Insgesamt beziehen mehr als 680.000 Menschen in Deutschland diese Leistung, wobei der Anteil der Ausländer überproportional hoch ist.

Noch komplizierter wird es für diejenigen, die eine Rückkehr ins Herkunftsland erwägen. Viele Migranten der ersten Generation wissen nicht, dass Deutschland bilaterale Sozialversicherungsabkommen mit mehreren Ländern geschlossen hat (unter anderem mit der Türkei, Tunesien und Marokko). Diese Abkommen ermöglichen, Arbeitszeiten in beiden Ländern zusammenzurechnen.

Konkrete Schritte zur Verbesserung

Der erste und wichtigste Schritt: das eigene Rentenkonto prüfen. Das geht über das Online-Portal "Mein Rentenkonto" oder durch einen Besuch bei einer Beratungsstelle. In Berlin gibt es mehrere Standorte, darunter die Filiale in der Knabenstraße 2 in Kreuzberg. Wer Lücken im Versicherungsverlauf entdeckt -- bei Zugewanderten keine Seltenheit -- kann eine kostenlose Kontenklärung beantragen.

Wer die Rente tatsächlich aufstocken will, hat die Möglichkeit freiwilliger Beiträge. Die DRV wies in einer Meldung vom 9. Februar 2026 darauf hin, dass noch bis zum 31. März freiwillige Beiträge für das Vorjahr eingezahlt werden können. Der Mindestbeitrag liegt bei 103,42 Euro monatlich, der Höchstbeitrag bei 1.404,30 Euro. Jede Einzahlung bringt zusätzliche Entgeltpunkte.

Ein oft übersehener Punkt betrifft Eltern. Viele arabische Mütter und Väter melden Kindererziehungszeiten nicht an -- dabei bringen diese bis zu drei Jahre an Entgeltpunkten pro Kind. Drei Gratispunkte. Hussein selbst erfuhr erst kürzlich, dass seiner Frau Rentenansprüche für ihre beiden Kinder zustehen, die sie nie beantragt hatte.

Was passiert bei Rückkehr?

Wer Deutschland dauerhaft verlässt und mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt hat (Mindestversicherungszeit), verliert seinen Rentenanspruch nicht. Die DRV überweist die Rente auf ein Bankkonto im Ausland. Wer weniger als fünf Jahre eingezahlt hat und keinem Sozialversicherungsabkommen unterliegt, kann frühestens 24 Monate nach der Ausreise eine Beitragserstattung beantragen. Die Entscheidung ist nicht leicht.

Wie die Deutsche Welle berichtete, stehen Tausende syrische Geflüchtete, die an eine Rückkehr denken, vor einem Dilemma: jetzt einen kleinen Betrag zurückfordern oder Jahrzehnte auf eine womöglich bescheidene monatliche Rente warten. Eine pauschale Antwort gibt es nicht.

Und für alle, die bleiben und deren Rente nicht reicht, gibt es die Grundsicherung im Alter als Sicherheitsnetz. Der Antrag erfordert allerdings eine vollständige Offenlegung der finanziellen Verhältnisse -- und gerade ältere arabische Migranten scheuen diesen Schritt oft aus Scham oder Unkenntnis. Dabei handelt es sich um einen Rechtsanspruch. Keine Almosen.

Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Quellen / المصادر

  1. Deutsche Rentenversicherung - Rentenanpassung und aktuelle Rentenwerte
  2. Deutsche Rentenversicherung - Freiwillige Beiträge: Frist bis 31. März 2026
  3. Deutsche Rentenversicherung - Mein Rentenkonto
  4. Statistisches Bundesamt - Migration und Integration
  5. DW Arabic - Berichte über Migration und Rückkehr

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