SCHUFA: Der unsichtbare Torwächter
Saras Wohnungsantrag wurde dreimal abgelehnt, bevor sie den Grund verstand. Das SCHUFA-System bestimmt in Deutschland über Wohnung, Handyvertrag und Bankkonto. Ein praktischer Leitfaden für Neuzugewanderte, die dieses System verstehen und ihren Score verbessern wollen.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Leonhard_Niederwimmer/Pixabay · Pixabay License
Sara, syrische Mutter aus Neukölln, hat sich auf 14 Wohnungen beworben. Drei Monate lang. Jedes Mal dieselbe Antwort: "Wir brauchen eine SCHUFA-Auskunft." Sie wusste nicht, was das ist. Und niemand hat es ihr erklärt.
Das Problem liegt nicht bei Sara. Es liegt an einem System, das Neuzugewanderten nie erklärt wird — obwohl es über ihren Alltag bestimmt. Die SCHUFA ist ein privates Unternehmen, das finanzielle Daten von über 68 Millionen Menschen in Deutschland speichert. Handyverträge, Kredite, Bankkonten, Kreditkarten — alles wird erfasst.
Aber warum sollte sich jeder Neuankömmling damit beschäftigen?
Was speichert die SCHUFA über Sie?
Die SCHUFA speichert sowohl positive als auch negative Daten. Positiv: ein eröffnetes Bankkonto, pünktlich gezahlte Kreditraten. Negativ: verspätete Zahlungen, offene Forderungen. Aus diesen Daten berechnet das Unternehmen einen Score zwischen 0 und 100 Prozent.
Ein Wert über 97,5 Prozent gilt als sehr geringes Risiko. Unter 90 Prozent? Dann wird es schwierig. Das größte Problem für Neuzugewanderte: Sie starten ohne jegliche Kredithistorie. Keine Daten bedeuten kein Vertrauen.
Auswirkungen auf Wohnung und Verträge
Wie die Verbraucherzentrale erläuterte, verlangen die meisten Vermieter in Großstädten eine SCHUFA-Auskunft. In Berlin (wo sich manchmal 200 Familien auf eine einzige Wohnung bewerben) ist der Bericht praktisch eine Eintrittskarte. Ohne ihn wird man nicht einmal zur Besichtigung eingeladen.
Und es geht nicht nur um Wohnungen. Mobilfunkanbieter wie Vodafone und Telekom prüfen den Score vor einem Monatsvertrag. Banken ebenfalls — bei der Kontoeröffnung oder Kreditvergabe. Selbst einige Versicherungen greifen auf die Bonitätsauskunft zurück.
Kostenlose Auskunft: So geht es
Nach Artikel 15 der DSGVO hat jeder das Recht auf eine kostenlose Datenkopie pro Jahr. Diese kann über meineSCHUFA.de unter der Option "Datenkopie" angefordert werden -- nicht ueber die kostenpflichtige Variante, die prominenter angezeigt wird. Das ist ein Detail, das viele uebersehen (besonders Menschen mit geringen Deutschkenntnissen).
Laut dem SCHUFA-Jahresbericht 2024 sind ueber 91 Prozent aller gespeicherten Daten positiv. Aber selbst ein kleiner Fehler bei negativen Eintraegen kann eine Wohnung oder einen Kredit kosten. Und deshalb -- was viele nicht wissen -- kann man fehlerhafte Eintraege direkt anfechten.
Fehler korrigieren und Widerspruch einlegen
Findet man falsche Angaben im eigenen Bericht, kann man schriftlich Widerspruch bei der SCHUFA einlegen. Das Unternehmen ist gesetzlich verpflichtet, innerhalb von 30 Tagen zu pruefen und den Fehler zu korrigieren oder den Eintrag zu loeschen. Die Verbraucherzentrale warnte davor, dass selbst verspaetete Zahlungen kleiner Betraege (ab 50 Euro) als Negativmerkmal gespeichert werden koennen, wenn sie laenger als 60 Tage offen stehen.
Ein wichtiger Punkt: Negative Eintraege bleiben nicht ewig. Sie werden automatisch drei Jahre nach Begleichung der Schuld geloescht. Aber drei Jahre ohne passende Wohnung oder normalen Handyvertrag? Eine lange Zeit.
Eine gute Kredithistorie aufbauen
Finanzexperten wiesen darauf hin, dass der beste Weg zum Aufbau einer Kredithistorie mit einfachen Schritten beginnt. Ein Girokonto eroeffnen, Rechnungen puenktlich bezahlen. Wer einen Handyvertrag abschliesst, sollte die monatlichen Zahlungen zuverlaessig leisten. Jede positive Transaktion wird vermerkt.
Gleichzeitig sollte man vermeiden, in kurzer Zeit mehrere Kredit- oder Kreditkartenantraege zu stellen. Jede Anfrage wird registriert, und zu viele Anfragen senken den Score. Fachleute betonen ausserdem, ungenutzte Bankkonten und Kreditkarten zu kuendigen -- sie erscheinen als offene Verpflichtungen.
Und wenn man gar keinen SCHUFA-Eintrag hat?
Fuer Neuzugewanderte ohne Kredithistorie gibt es Alternativen. Manche Vermieter akzeptieren einen Kontoauszug mit regelmaessigem Einkommen statt einer SCHUFA-Auskunft. Banken wie N26 und Vivid eroeffnen Konten ohne SCHUFA-Pruefung -- ein guter Ausgangspunkt.
Ein Berliner Verbraucherrechtsanwalt raeumt ein, dass das System grundlegend reformiert werden muesste. Neuzugewanderte werden fuer fehlende Daten bestraft, nicht fuer schlechtes Finanzverhalten. Das ist ein grosser Unterschied. Aber bis sich das aendert -- und das wird nicht bald geschehen -- ist das Verstaendnis der Spielregeln der erste Schritt.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphaere geaendert.
Quellen / المصادر
- SCHUFA Datenkompass - Jahresbericht und Statistiken
- meineSCHUFA.de - Kostenlose Datenkopie nach DSGVO Art. 15
- Verbraucherzentrale - SCHUFA und Bonitaetsauskunft
- DSK - Auskunftsrecht nach Art. 15 DSGVO
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