SCHUFA: Was Neulinge wissen müssen
Viele Zugewanderte verlieren Wohnungsangebote oder Handyverträge wegen SCHUFA-Problemen, von denen sie nichts wussten. Dieser Leitfaden erklärt, wie man die kostenlose Datenkopie anfordert, welche Fehler den Score ruinieren und wie man falsche Einträge korrigiert.
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Sara kam vor zwei Jahren nach Berlin und fand innerhalb weniger Monate eine Stelle in der Pflege. Als sie sich jedoch um eine Wohnung in Charlottenburg bewarb, verlangte der Vermieter ein Dokument, von dem sie noch nie gehört hatte: eine SCHUFA-Auskunft. Sie hatte keinen negativen Eintrag. Sie hatte gar keinen Eintrag.
Saras Geschichte ist kein Einzelfall. Tausende Neuankömmlinge (besonders aus arabischen Ländern) stoßen ohne Vorwarnung auf das deutsche Bonitätssystem. Und die Folge? Abgelehnte Wohnungsanträge, gescheiterte Handyverträge, sogar verweigerte Bankkonten -- nicht wegen Schulden, sondern wegen fehlender Daten.
Die SCHUFA -- Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung -- ist Deutschlands größte Kreditauskunftei. Sie speichert Daten von rund 68 Millionen Personen und arbeitet mit über 9.000 Vertragspartnern zusammen: Banken, Telekommunikationsunternehmen, Vermieter. Wer eine Wohnung mieten, ein Bankkonto eröffnen oder einen Handyvertrag unterschreiben will, kommt an der SCHUFA kaum vorbei.
Wie funktioniert der Score?
Der SCHUFA-Score bewegt sich zwischen 0 und 100 Prozent. Je höher, desto besser. Ab 97,5 Prozent gilt man als ausgezeichnet. Unter 90 Prozent werden Vermieter und Banken skeptisch. Über die Webseite meineschufa.de kann man einmal jährlich eine kostenlose Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO anfordern. Diese Datenkopie ist nicht zu verwechseln mit dem kostenpflichtigen SCHUFA-BonitätsCheck, der 29,95 Euro pro Monat kostet.
Aber reicht es, den Bericht einfach anzufordern? Nein. Zu verstehen, was den Score beeinflusst, ist der entscheidende Schritt.
Fehler, die den Score ruinieren
Die Verbraucherzentrale warnt: Einer der häufigsten Fehler von Neuankömmlingen ist, innerhalb kurzer Zeit mehrere Bankkonten zu eröffnen. Jede Kontoeröffnung wird als Kreditanfrage registriert, und mehrere Anfragen in wenigen Wochen signalisieren -- aus Sicht des Systems -- finanzielle Instabilität. Das passiert oft, wenn jemand Banken vergleichen möchte, ohne die Konsequenzen zu kennen.
Der zweite Fehler -- und der folgenschwerste -- ist das Ignorieren überfälliger Rechnungen. Eine unbezahlte Handyrechnung über 30 Euro kann zu einem Negativeintrag führen, der drei Jahre nach Begleichung bestehen bleibt. Drei Jahre wegen 30 Euro.
Ein weiterer häufiger Fehler (den viele übersehen): alte Kreditkarten oder ungenutzte Konten nicht zu kündigen. Das System wertet mehrere offene Konten als potenzielles Risiko, selbst wenn sie völlig leer sind.
Guten Score aufbauen -- von null
Die gute Nachricht: Eine positive Kredithistorie aufzubauen ist nicht kompliziert. Es beginnt damit, ein einziges Bankkonto zu eröffnen und dabei zu bleiben. Die SCHUFA bestätigt, dass regelmäßiges Zahlungsverhalten -- pünktliche Rechnungen, ein stabiler Handyvertrag -- den Score innerhalb von 12 bis 18 Monaten verbessert.
Für Personen ohne jegliche Einträge empfiehlt die Verbraucherzentrale einen einfachen Postpaid-Handyvertrag als schnellsten Weg zu einem positiven Score. Voraussetzung: die monatliche Rechnung pünktlich bezahlen. Das ist deutlich einfacher, als viele denken.
Falsche Daten? Korrigieren lassen
Laut Berichten der Verbraucherzentrale enthalten etwa 28 Prozent aller SCHUFA-Auskünfte fehlerhafte oder veraltete Einträge. Wer einen Fehler entdeckt, hat nach dem Datenschutzrecht Anspruch auf Korrektur. Die SCHUFA muss innerhalb von vier Wochen antworten. Reagiert sie nicht oder verweigert die Berichtigung, kann man eine Beschwerde beim Landesdatenschutzbeauftragten einreichen.
In Berlin-Neukölln -- wo ein großer Teil der arabischen Community lebt -- berichtet ein Verbraucherrechtsanwalt, dass viele seiner arabischsprachigen Mandanten fehlerhafte Einträge erst entdecken, wenn ihr Wohnungsantrag abgelehnt wird. Das Problem liegt nicht nur am System. Es liegt daran, dass niemand den Neuankömmlingen erklärt, wie es funktioniert.
Wohnungssaison steht bevor
Der Frühling ist Hochsaison für die Wohnungssuche in Deutschland, und es lohnt sich, die kostenlose Datenkopie jetzt anzufordern. Der Prozess ist einfach: auf meineschufa.de gehen, "Datenkopie" wählen (nicht das Bezahl-Abo), das Formular mit Ausweisdaten ausfüllen. Der Bericht kommt innerhalb von ein bis zwei Wochen per Post.
Die SCHUFA verzeichnete 2025 einen Anstieg der Datenkopie-Anfragen um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr -- ein Zeichen wachsenden Bewusstseins. Aber in der arabischen Community wissen noch immer viele nicht, dass dieses Recht überhaupt existiert.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
المصادر / Quellen
- SCHUFA - Datenkopie (kostenlose Selbstauskunft nach Art. 15 DSGVO)
- Verbraucherzentrale - SCHUFA-Eintrag und SCHUFA-Auskunft
- Make it in Germany - Bankkonto eröffnen
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