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Schufa: Was Neuzugänge wissen müssen

Viele Neuzugänge in Deutschland erfahren erst bei der Wohnungssuche von der Schufa. Dabei entscheidet dieser Score über Mietvertrag, Bankkonto und Handyvertrag. Ein praktischer Leitfaden zur kostenlosen Selbstauskunft und zum Aufbau einer guten Bonität.

Redaktioneller BelegAusstehend4 QuellenlinksAktualisiert 28. Februar 2026Methodik

Berlinuna Redaktion

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Nour aus Damaskus lebt seit acht Monaten in Berlin. Ihre Zeugnisse hat sie beglaubigen lassen, ihr Deutsch ist auf B1-Niveau, und sie hatte sogar ein Notizbuch voller Wohnungsadressen dabei. Doch der erste Vermieter, den sie kontaktierte, stellte eine Frage, die sie nicht verstand: "Haben Sie eine Schufa-Auskunft?" Sie wusste nicht einmal, was das Wort bedeutet.

Nour ist kein Einzelfall. Die meisten Neuzugänge aus arabischen Ländern haben noch nie mit einem Bonitätsbewertungssystem zu tun gehabt. Weder in Syrien, noch im Irak oder in Ägypten gibt es etwas Vergleichbares. Aber in Deutschland bestimmt diese Zahl - ein Score zwischen 0 und 100 - vieles im Alltag.

Was genau steckt dahinter? Und warum interessieren sich alle dafür - Vermieter, Banken, sogar Mobilfunkanbieter?

Symbolbild: Finanzunterlagen und Dokumente
Symbolbild. Photo by Alexander Grey on Unsplash

Was ist die Schufa und wie funktioniert sie?

Die Schufa Holding AG ist Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei. 1927 gegründet, speichert sie Daten von mehr als 68 Millionen Personen. Im Kern sammelt sie Informationen über Ihre finanziellen Aktivitäten - Bankkonten, Kreditkarten, Darlehen, Mobilfunkverträge - und berechnet daraus einen Score, der Ihre Kreditwürdigkeit widerspiegelt.

Der Score reicht von 0 bis 100. Je höher, desto vertrauenswürdiger gelten Sie. Ein Wert über 97,5 gilt als ausgezeichnet; unter 90 kann es schwierig werden, eine Wohnung oder einen Kredit zu bekommen. Laut Schufa-Jahresbericht weisen 91 Prozent der gespeicherten Personen ausschließlich positive Einträge auf - das heißt, sie haben nie eine Zahlung versäumt.

Das größte Problem für Neuzugänge? Kein schlechter Score, sondern gar keiner. Wer neu im Land ist und keine Daten hat, bekommt die Bewertung "unbekannt". Und viele Vermieter behandeln "unbekannt" wie "negativ".

Datenkopie oder BonitätsAuskunft?

Hier herrscht große Verwirrung - selbst unter Deutschen. Es gibt zwei grundverschiedene Schufa-Berichte, die oft verwechselt werden.

Die Schufa-Datenkopie ist Ihr gesetzliches Recht nach Artikel 15 der DSGVO. Einmal jährlich können Sie diese kostenlos über meineschufa.de anfordern. Sie enthält sämtliche über Sie gespeicherten Daten - ist aber nur für Ihre eigenen Augen bestimmt, nicht zur Vorlage beim Vermieter.

Symbolbild: Deutsche Formulare und Dokumente
Symbolbild. Photo by Christian Lue on Unsplash

Die Schufa-BonitätsAuskunft hingegen ist das, was Vermieter bei der Wohnungsbewerbung verlangen. Sie kostet rund 29,95 Euro und zeigt nur die für den Vermieter relevanten Informationen - Ihren Score und allgemeine Angaben, ohne Ihre privaten Kontodaten preiszugeben. Die Verbraucherzentrale Berlin betonte, dass Vermieter auch nur diesen verkürzten Bericht verlangen dürfen.

Gute Bonität aufbauen - so geht es

Der erste und wichtigste Schritt: ein Bankkonto eröffnen und behalten. Die Verbraucherzentrale warnte davor, häufig Konten zu eröffnen und zu schließen - das sendet negative Signale an die Schufa. Stabilität zählt. Eröffnen Sie ein Konto (Sparkasse-Filialen gibt es in fast jedem Berliner Kiez, auch an der Karl-Marx-Straße in Neukölln) und bleiben Sie dabei.

Dann: Rechnungen pünktlich bezahlen. Immer. Jede verspätete Rechnung - ob Strom, Handy oder Internet - kann nach zwei schriftlichen Mahnungen als Negativeintrag gespeichert werden. Laut Schufa-Statistik aus dem Jahr 2024 haben mehr als 3,8 Millionen Menschen in Deutschland negative Einträge wegen verspäteter Zahlungen.

Vermeiden Sie außerdem, mehrere Kreditkarten gleichzeitig zu beantragen. Jeder Antrag wird als Anfrage in Ihrer Akte gespeichert, und zu viele Anfragen in kurzer Zeit drücken den Score. Aber es gibt einen wichtigen Unterschied: Ihre eigene Abfrage (Selbstauskunft) hat keinerlei Einfluss auf Ihren Score - nur Anfragen von Unternehmen und Banken werden gezählt.

Häufige Fehler bei Neuzugängen

Mehrere Berichte wiesen darauf hin, dass ein beträchtlicher Anteil der Schufa-Akten Fehler enthält. Deshalb sollten Sie mindestens einmal jährlich Ihre kostenlose Datenkopie anfordern und sorgfältig prüfen. Wenn Sie einen Fehler finden - eine alte Adresse, ein geschlossenes Konto, das nicht gelöscht wurde - können Sie direkt über die Schufa-Website Widerspruch einlegen. Die Schufa ist gesetzlich verpflichtet, Ihren Widerspruch innerhalb eines Monats zu prüfen.

Symbolbild: Person schreibt Notizen und prüft Dokumente
Symbolbild. Photo by Green Chameleon on Unsplash

Ein weiterer häufiger Fehler (besonders bei Neuzugängen): Briefe ignorieren. In Deutschland hat die Briefpost erhebliche rechtliche Bedeutung. Eine Mahnung, gefolgt von einem Mahnbescheid, kann Ihre Bonität für Jahre ruinieren.

Geht es auch ohne Schufa?

Theoretisch ja. Praktisch - nein. Allein auf dem Berliner Mietmarkt konkurrieren 50 bis 200 Bewerber um eine einzige Wohnung. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Mietpreise 2024 um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei diesem Wettbewerb suchen Vermieter nach jedem Grund, die Bewerberliste zu kürzen - und eine fehlende Schufa-Auskunft reicht dafür aus.

Nour (mit der wir begonnen haben) bekam am Ende ihre Auskunft und reichte sie bei der nächsten Wohnungsbewerbung ein. Ihr Score war nicht hoch - weil sie neu ist und wenig Daten vorliegen. Aber negativ war er auch nicht. Und das reichte.

Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Quellen

  1. Schufa Holding AG - Über uns
  2. meineSCHUFA.de - Datenkopie (kostenlose Selbstauskunft)
  3. Verbraucherzentrale - Schufa und Co.
  4. Statistisches Bundesamt - Wohnen

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28. Februar 2026
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