Secondhand in Deutschland: So spart man
Zwei Drittel der Deutschen kaufen gebrauchte Waren online, der Markt generiert Milliardenumsätze. Für arabische Neuankömmlinge in Berlin ist der Secondhand-Markt kein Luxus, sondern ein praktisches Werkzeug zum Einrichten und Sparen. Ein Leitfaden zu Plattformen, Flohmärkten und Tipps.
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Als Nora vor acht Monaten in Berlin ankam, war der Preis eines einfachen Küchentischs bei IKEA ihr erster Schock: 149 Euro. Für eine Familie, die noch Bürgergeld bezieht, ist das viel Geld. Aber eine deutsche Nachbarin zeigte ihr die App Kleinanzeigen. Drei Tage später hatte sie einen Tisch in einwandfreiem Zustand — für 20 Euro, inklusive Lieferung.
Noras Erfahrung ist kein Einzelfall. Zwei Drittel aller Deutschen kaufen mittlerweile gebrauchte Produkte online, wie die Deutsche Welle im Februar 2026 berichtete. Der Gebrauchtwarenmarkt generiert Milliardenumsätze — und der Hauptgrund ist nicht nur Nachhaltigkeit, sondern schlicht die steigenden Lebenshaltungskosten.
Für arabische Neuankömmlinge bietet der Secondhand-Markt eine echte Chance, eine komplette Wohnung für einen Bruchteil der Kosten einzurichten. Aber wo fängt man an? Und wie schützt man sich vor Betrug?
Die wichtigsten Plattformen
Die erste Plattform, die jeder in Deutschland kennen sollte, ist Kleinanzeigen (bis 2024 noch eBay Kleinanzeigen). Die Seite funktioniert wie ein riesiger offener Marktplatz: Möbel, Elektronik, Fahrräder, Kinderkleidung, sogar Autos. Das Beste daran? Viele Anzeigen bieten Sachen unter "zu verschenken" an — komplett kostenlos. Man kann die Ergebnisse nach Stadt oder Stadtteil filtern.
Dann gibt es Vinted, die beliebteste App für Secondhand-Kleidung in Europa. Gegründet 2008, hat die Plattform inzwischen Millionen von Mitgliedern und bietet längst nicht mehr nur Kleidung an — Kindermöbel, Handtaschen und Sportschuhe gehören mittlerweile zum Angebot. Verkäufer zahlen keine Provision, was die Preise (meistens) niedriger hält als im stationären Handel.
Und dann wäre da noch der Facebook Marketplace. In Berlin gibt es dort aktive arabische Gruppen wie "Free Your Stuff Berlin" und diverse Kauf-Verkauf-Gruppen. Der Vorteil: Die Kommunikation läuft manchmal auf Arabisch, und die Abholung geschieht oft im selben Kiez.
Flohmärkte und die NochMall
Wer Dinge lieber vor dem Kauf anfassen möchte — gerade bei Möbeln und Elektronik ist das sinnvoll — findet in Berlin fast jedes Wochenende einen Flohmarkt. Die bekanntesten sind der Mauerpark-Flohmarkt am Sonntag in Prenzlauer Berg und der Markt am Boxhagener Platz in Friedrichshain jeden Samstag. Die Preise sind dort fast immer verhandelbar. Ein Detail, das viele Neuankömmlinge nicht wissen.
Aber die eigentliche Überraschung, die viele Arabisch sprechende Berliner nicht kennen, ist die NochMall — das Gebrauchtwarenkaufhaus der Berliner Stadtreinigung (BSR). Auf über 2.000 Quadratmetern gibt es dort Möbel, Sportgeräte, Haushaltswaren, Bücher und Elektronik zu günstigen Preisen. Geöffnet ist Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr. Das Sortiment wechselt wöchentlich, weil die Waren aus Recyclinghöfen stammen — wer etwas Gutes findet, sollte also nicht zu lange zögern.
Vorsicht vor Betrug
Nicht alles, was günstig aussieht, ist auch seriös. Die Verbraucherzentrale Berlin wies darauf hin, dass Beschwerden über Betrug auf Verkaufsplattformen 2025 deutlich gestiegen sind. Die häufigsten Maschen: Vorauszahlung per Banküberweisung vor der Übergabe oder irreführende Fotos, die den tatsächlichen Zustand verschleiern.
Die goldene Regel? Nie bezahlen, bevor man die Ware gesehen hat. Falls der Online-Kauf unvermeidbar ist, sollte man die sichere Bezahlfunktion innerhalb der App nutzen (bei Kleinanzeigen heißt sie "Sicher bezahlen"), die den Käufer schützt, wenn die Ware nicht ankommt. Direkte Banküberweisungen an Unbekannte sind der häufigste Fehler.
Wichtig zu wissen: Für Gebrauchtwaren von Privatpersonen (nicht von Händlern) gibt es in Deutschland keine gesetzliche Gewährleistung. Das heißt: Wenn der gebrauchte Laptop, den man über Kleinanzeigen gekauft hat, nach zwei Tagen kaputtgeht, kann man ihn nur zurückgeben, wenn man nachweist, dass der Verkäufer einen Mangel absichtlich verschwiegen hat.
Verhandeln und Qualität prüfen
Feilschen ist beim Gebrauchtkauf in Deutschland völlig in Ordnung. Aber es gibt einen empfohlenen Stil: Eine höfliche Nachricht mit der Frage "Ist der Preis verhandelbar?" kommt besser an als ein sofortiges Niedrigangebot — Letzteres verärgert viele deutsche Verkäufer.
Bei Elektronik sollte man das Gerät immer vor der Bezahlung einschalten lassen. Und bei Möbeln (besonders Betten und Sofas) unbedingt auf Bettwanzen prüfen — ein echtes Problem in Berlin, über das niemand offen spricht. Gebrauchte Kleidung wäscht man am besten bei hoher Temperatur, bevor man sie trägt.
Was lohnt sich gebraucht — und was nicht?
Allgemeine Möbel wie Tische, Schränke und Regale gehören zu den besten Secondhand-Käufen, weil die Qualität mit bloßem Auge erkennbar ist. Winterkleidung und Mäntel sind ebenfalls eine gute Wahl, weil sie neu sehr teuer sein können. Und Kinderausstattung — Kinderwagen, Hochstühle, Spielzeug — gehört zu den meistgesuchten Artikeln auf Kleinanzeigen, weil Kinder schnell wachsen und vieles in fast neuwertigem Zustand weiterverkauft wird.
Andererseits warnte die Verbraucherzentrale vor dem Kauf gebrauchter Kindersitze für Autos, da versteckte Schäden (etwa von einem früheren Unfall) die Sicherheit gefährden können. Gebrauchte Sportschuhe mögen preislich verlockend sein, verlieren aber nach längerem Gebrauch ihre Stützfunktion.
Am Ende ist der Secondhand-Markt in Deutschland mehr als nur eine Sparmöglichkeit — er ist Teil einer ganzen Kultur. Und für die arabische Community in Berlin ist er ein praktischer Einstieg in ein günstigeres und klügeres Alltagsleben. Alles, was man braucht, ist ein Smartphone und etwas Geduld.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
المصادر / Quellen
- DW Arabisch - Secondhand-Markt in Deutschland generiert Milliarden (Februar 2026)
- NochMall - Gebrauchtwarenkaufhaus der BSR Berlin
- Kleinanzeigen - Deutschlands größter Kleinanzeigenmarkt
- Vinted - Über uns: Secondhand-Plattform für Kleidung und mehr
- Verbraucherzentrale - Betrug beim Onlinekauf erkennen
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