Wer am Mittwoch auf seinem Handy eine Nachricht mit einem QR-Code oder einem Link zur "Geraeteverknuepfung" fuer Signal bekommt, sollte ihn auf keinen Fall scannen. Genau dieser Trick hat laut Tagesschau-Bericht mehrere Bundestagsabgeordnete getroffen. Wer klickt, sieht nichts, merkt nichts, und gibt trotzdem den vollen Zugriff auf jede eingehende Nachricht frei: Bank-TANs, BAMF-Post, Familienchats.
Die Tagesschau berichtete am 23. April, dass Signal-Konten mehrerer Abgeordneter des Deutschen Bundestages per Phishing uebernommen wurden. Laut demselben Bericht soll auch das Konto von Bundestagspraesidentin Julia Kloeckner betroffen sein. Eine offizielle Bestaetigung lag bis Redaktionsschluss nicht vor. Die Methode jedoch ist bekannt und wird aktuell auch gegen Privatpersonen eingesetzt.
Wichtig vorab: Weder Signal noch WhatsApp sind geknackt. Die Ende-zu-Ende-Verschluesselung funktioniert. Der Angriff zielt auf eine legitime Funktion: das Verknuepfen eines zweiten Geraets ueber einen QR-Code. Wer diese Funktion einmal richtig einstellt, ist gegen den gesamten Angriffstyp geschuetzt. Das dauert drei Minuten.

Schritt 1: Verknuepfte Geraete pruefen
Signal oeffnen, dann auf Einstellungen, anschliessend auf Verknuepfte Geraete. Dort erscheint jedes Geraet, das jemals mit dem eigenen Konto verbunden wurde, mit Datum und letzter Aktivitaet. Steht dort ein Geraet, das man nicht kennt, es antippen und entfernen. Die Sitzung des Angreifers endet sofort.
Bei WhatsApp ist der Weg identisch: Einstellungen, dann Verknuepfte Geraete. Das Bundesamt fuer Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt, diese Liste regelmaessig zu pruefen, nicht nur nach einer Schlagzeile.
Schritt 2: PIN aktivieren
Der zweite Schritt verhindert, dass jemand die eigene Rufnummer auf einem anderen Geraet neu registrieren kann, selbst wenn er kurzzeitig Zugriff auf SMS-Codes haette. In Signal fuehrt der Weg ueber Einstellungen, Konto, Signal-PIN, dann Registrierungssperre aktivieren. Eine PIN waehlen, die man sich merken kann, aber niemand erraten wuerde.
Bei WhatsApp heisst das Gegenstueck Zwei-Schritt-Verifizierung. Einstellungen, Konto, Zwei-Schritt-Verifizierung. Eine sechsstellige PIN eingeben. WhatsApp fragt diese PIN gelegentlich ab, um die Identitaet zu bestaetigen, und verhindert damit die Uebernahme der Rufnummer auf einem fremden Geraet.
Schritt 3: Eine Regel, die keine Ausnahme hat
Einen QR-Code zur Geraeteverknuepfung, der per Nachricht geschickt wird, niemals scannen. Diese Funktion ist ausschliesslich fuer eigene Geraete gedacht. Man oeffnet Signal Desktop auf dem eigenen Laptop, sieht den Code dort auf dem Bildschirm, und scannt ihn mit dem eigenen Handy. Es gibt keinen legitimen Grund, warum irgendjemand einem einen solchen Code schicken sollte, auch nicht ein Freund, auch nicht ein angeblicher Support-Mitarbeiter.

Wenn das Konto schon kompromittiert ist
Wer bei Schritt 1 ein unbekanntes Geraet findet, sollte mehr tun als es nur zu entfernen. Signal komplett neu registrieren: App deinstallieren, neu installieren, Rufnummer erneut bestaetigen. Dadurch werden alle zuvor verknuepften Geraete, inklusive dem des Angreifers, automatisch abgemeldet. Unmittelbar danach die Signal-PIN aktivieren.
Bei WhatsApp loggt eine Neuregistrierung auf dem eigenen Geraet alle anderen Sitzungen aus. Danach Bankkonten, Mail-Postfach und Behoerdenportale wie ELSTER pruefen und Passwoerter aendern, die waehrend des Zeitraums der Uebernahme per Nachricht verschickt worden sein koennten.
Warum diese drei Schritte reichen
Das BSI und die offizielle Support-Dokumentation von Signal stimmen in diesen drei Punkten ueberein: verknuepfte Geraete pruefen, PIN aktivieren, keine Fremd-QR-Codes scannen. Die Verschluesselung der Apps bleibt intakt. Angegriffen wird die Vertrauensebene davor, die Einstellung, die man einmal setzt und dann fast nie wieder anschaut. Genau dort schliesst dieser Check die Luecke.
Drei Minuten jetzt verhindern eine Luecke, die man sonst wochenlang nicht bemerkt.
Redaktioneller Hinweis
Die Informationen in diesem Artikel sind allgemeiner Natur und stellen keine Rechtsberatung dar. Für eine verbindliche Rechtsberatung wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Rechtsanwalt oder eine Migrationsberatungsstelle.
Berlinuna Redaktion
Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.
Nutzen über diesen Besuch hinaus
Heute ein kleiner Schritt, morgen ein Grund zurückzukommen
Artikel speichern, später weiterlesen oder Berlinuna jeden Morgen erhalten.
Weiter von hier
Passende Lektüre, ein praktischer nächster Schritt oder das Spiel des Tages.
- 01
Signal-Phishing: Zwei Minuten fuer Ihr Konto
Wenn Ministerinnen und Minister der Bundesregierung auf einen Phishing-Angriff per Signal hereinfallen, ist die durchschnittliche Nutzerin nicht besser geschuetzt. Die Verschluesselung wurde nicht gebrochen. Ein QR-Code reicht, um das Geraet eines Fremden mit Ihrem Konto zu verknuepfen, der dann jede neue Nachricht mitliest. Die Gegenmassnahme braucht keine neue App und keinen IT-Profi, sondern zwei Minuten in den Einstellungen von Signal und WhatsApp. Bevor jemand Ihren Chat mit der Familie im Ausland mitliest.
Lebensführerفريق برليننا - 02
Die 12 besten Apps zum Deutschlernen
Von Duolingo bis Babbel: Ein praktischer Leitfaden zu den besten Apps zum Deutschlernen. Mit konkreten Empfehlungen je nach Sprachniveau und Budget, speziell für arabischsprachige Lernende in Deutschland — inklusive empfohlenem Lernpfad von A1 bis B1.
Lebensführerفريق برليننا
