Politik

Syrien erkennt Kurden an: Nowruz ist Feiertag

In einem historischen Schritt hat der syrische Präsident Ahmad al-Sharaa ein Dekret erlassen, das die Kurden offiziell als integralen Bestandteil Syriens anerkennt und Nowruz zum Nationalfeiertag erklärt. Die Entscheidung kommt nach Jahrzehnten der Marginalisierung.

Redaktioneller BelegAusstehend3 QuellenlinksAktualisiert 17. Januar 2026Methodik

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Am 21. März jeden Jahres feiern Kurden Nowruz - das kurdische Neujahrsfest. Dieses Jahr werden sie es zum ersten Mal als offiziellen syrischen Nationalfeiertag begehen.

Das Dekret von Präsident Ahmad al-Sharaa war mehr als eine Verwaltungsentscheidung. Es war eine Anerkennung dessen, was das Assad-Regime über fünfzig Jahre lang geleugnet hatte: dass die Kurden - etwa 10% der Bevölkerung - ein integraler Bestandteil der syrischen Identität sind.

Wir haben lange auf diesen Moment gewartet, erklärte ein kurdisch-syrischer Aktivist, der seit 2015 in Berlin lebt. Mein Vater wurde in Qamischli geboren und starb ohne syrische Staatsbürgerschaft. Heute gibt es endlich eine offizielle Anerkennung unserer Existenz.

Was enthält das Dekret?

Das auf der offiziellen Website der syrischen Präsidentschaft veröffentlichte Dekret umfasst drei Hauptpunkte:

Erstens die Anerkennung, dass kurdische Bürger ein wesentlicher Teil des syrischen Volkes sind. Zweitens die Anerkennung der kurdischen Sprache und des kurdischen Erbes als Teil der nationalen Identität Syriens. Drittens die Erklärung von Nowruz (21. März) zum offiziellen Nationalfeiertag.

Traditionelle Nowruz-Feierlichkeiten mit Feuer und bunten Farben
Symbolbild. Photo by Farhad Sadykov on Unsplash

Laut Informationen der Deutschen Welle ebnet das Dekret den Weg für weitere Schritte, darunter möglicherweise die Einführung von Kurdisch-Unterricht an staatlichen Schulen in mehrheitlich kurdischen Gebieten.

Fünfzig Jahre der Verleugnung

Um die Bedeutung dieser Entscheidung zu verstehen, muss man ins Jahr 1962 zurückblicken. Damals führte das Baath-Regime eine Sonderzählung in der Provinz al-Hasaka durch, die etwa 120.000 Kurden über Nacht die syrische Staatsbürgerschaft entzog. Sie wurden zu Ausländern in ihrer eigenen Heimat.

Die kurdische Sprache? Verboten in Schulen und Behörden. Kurdische Namen für Kinder? Nicht erlaubt in offiziellen Registern. Sogar Nowruz-Feiern wurden oft gewaltsam unterdrückt.

Ein Forscher am Carnegie Middle East Center betonte: Was heute geschieht, ist eine Umkehrung eines langen Erbes der Zwangsarabisierungspolitik. Er fügte hinzu: Aber die eigentliche Frage ist: Werden diese Versprechen in die Realität umgesetzt?

Reaktionen in Berlin

In Deutschland, wo die größte kurdische Gemeinschaft Europas lebt (geschätzt etwa eine Million Menschen), waren die Reaktionen gemischt.

Im Berliner Bezirk Neukölln - Heimat einer großen syrisch-kurdischen Gemeinschaft - herrschte Vorsicht. Schöne Worte, sagte eine kurdische Frau, die ein kleines Restaurant in der Sonnenallee betreibt. Aber wir haben schon viele Versprechen gehört. Wichtig ist, was vor Ort passiert.

Der Kurdische Rat in Deutschland begrüßte das Dekret seinerseits als Schritt in die richtige Richtung, betonte jedoch die Notwendigkeit, es in praktische Maßnahmen umzusetzen, die die kulturellen und politischen Rechte der Kurden garantieren.

Friedliche Demonstration mit bunten Fahnen
Symbolbild. Photo by Ehimetalor Akhere Unuabona on Unsplash

Was bedeutet das für Syrer in Deutschland?

Für die etwa 900.000 Syrer in Deutschland - darunter Zehntausende Kurden - könnte dieses Dekret praktische Auswirkungen haben. Die offizielle Anerkennung der kurdischen Identität könnte die Dokumentation für diejenigen erleichtern, die ihre Staatsbürgerschaft verloren haben oder sie nie hatten.

Aber der Weg ist noch lang. Die Sicherheitslage in Nordsyrien - wo türkische Truppen und verschiedene Oppositionsfraktionen präsent sind - bleibt komplex. Und die Fragen über die Zukunft der kurdischen Selbstverwaltung im Nordosten sind noch nicht geklärt.

Dieses Dekret ist in erster Linie symbolisch, wies ein auf Syrien spezialisierter politischer Analyst hin. Aber Symbole sind wichtig. Es ist der erste Schritt zum Aufbau eines Syriens, das Platz für alle hat - Araber, Kurden und andere.

Am kommenden 21. März wird der Berliner Fernsehturm wie in den vergangenen Jahren in den Farben von Nowruz erstrahlen. Aber dieses Mal werden syrische Kurden feiern und wissen, dass ihr Fest nun auch in ihrer Heimat ein Nationalfeiertag ist. Ein kleiner Schritt? Vielleicht. Aber einer, auf den sie lange gewartet haben.

Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Quellen

  1. DW Arabisch - Historisches syrisches Dekret erkennt Kurden an
  2. Carnegie Middle East Center - Syrien-Analysen
  3. Statistisches Bundesamt - Migrations- und Integrationsstatistiken

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