In seinem Büro im Bundestag kündigte Jörg Steinbach, Mitglied des Wirtschaftsflügels der CDU, einen Vorschlag an, den er als "notwendig" bezeichnete: die Einschränkung des gesetzlichen Rechts auf Teilzeitarbeit. Die Reaktionen kamen schneller als erwartet.
Der Vorschlag klingt zunächst einfach. Seine Befürworter wollen die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 34,4 Stunden - dem niedrigsten Wert in Europa laut Statistischem Bundesamt - anheben. Das Ziel? Den Fachkräftemangel bekämpfen, der die deutsche Wirtschaft schätzungsweise 90 Milliarden Euro jährlich kostet.
Aber es gibt ein Problem. 80 Prozent der Teilzeitbeschäftigten in Deutschland sind Frauen.
Widerstand formiert sich
"Das ist ein direkter Angriff auf die Rechte berufstätiger Frauen", erklärte Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), auf einer Pressekonferenz in Berlin. Der Vorschlag ignoriere die Realität von Müttern, die den Großteil der Kinderbetreuung übernehmen.
Die Zahlen stützen ihre Position. Laut einer aktuellen Studie des DIW Berlin arbeiten 47 Prozent der Mütter mit Kindern unter sechs Jahren in Teilzeit, verglichen mit nur 6 Prozent der Väter. Die Kluft ist enorm - und der neue Vorschlag könnte sie noch vergrößern.
Selbst innerhalb der Partei sind kritische Stimmen zu hören. Die ehemalige Familienministerin Annette Widmann-Mauz betonte: "Die Lösung liegt nicht in der Einschränkung von Rechten, sondern in besserer Kinderbetreuung."
Was bedeutet das für Zugewanderte?
Für arabische Familien in Deutschland ist die Lage kompliziert. Viele Mütter (besonders die kürzlich Angekommenen) arbeiten in Teilzeit, während sie Deutsch lernen oder ihre Kinder betreuen. Eine Einschränkung dieses Rechts könnte sie vor eine schwierige Wahl stellen: Vollzeit arbeiten oder gar nicht.
"Ich arbeite 20 Stunden pro Woche und lerne Deutsch", sagte Sara, eine syrische Mutter in Neukölln. "Wenn ich 40 Stunden arbeiten müsste - wer holt meine Kinder von der Schule ab?"
Wird der Vorschlag umgesetzt?
Die kurze Antwort: Nicht so bald. Der Vorschlag befindet sich noch in der internen Diskussionsphase und benötigt die Zustimmung der Koalitionspartner - die nicht begeistert sind.
Aber die Debatte hat etwas Wichtiges offengelegt. In Deutschland geht es bei der Diskussion über Arbeitszeiten nicht nur um Wirtschaft. Es geht darum, wer die Last der Betreuungsarbeit trägt - und wer den Preis dafür zahlt.
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Quellen
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