Vor genau einem Jahr kehrte Donald Trump ins Weiße Haus zurück. Und in 365 Tagen hat sich viel verändert - nicht nur in Washington, sondern auch in Berlin.
Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte kürzlich, dass Deutschland "seine transatlantischen Beziehungen neu bewertet". Aber was bedeutet das für die arabische Community, die zwischen diesen beiden Welten lebt?
Laut einer Analyse der Deutschen Welle führt Trump "einen scharfen Wandel in der Außenpolitik, der die Grundlagen der nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen internationalen Ordnung vor eine beispiellose Herausforderung stellt".
Deutschland sucht Alternativen
Die Zahlen sprechen für sich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben mehr als 1,2 Millionen Menschen arabischer Herkunft in Deutschland. Viele von ihnen verfolgen die Entwicklungen im Nahen Osten und in Amerika mit wachsender Besorgnis.
Politische Analysten erklärten, dass Trumps "America First"-Politik Europa (und insbesondere Deutschland) dazu drängt, nach größerer Unabhängigkeit zu suchen. Und das hat direkte Auswirkungen auf Migrations- und Integrationspolitik.
Der Nahe Osten in den neuen Berechnungen
Berichten zufolge haben Saudi-Arabien, Katar und Oman "Trump überzeugt, dem Iran eine Chance zu geben" für Verhandlungen. Diese Wende - falls zutreffend - könnte eine Entspannung der Spannungen in der Region bedeuten. Aber sie bedeutet auch eine Neuordnung der Allianzen.
Für Syrer in Deutschland ist die Lage komplizierter. Nach Assads Sturz nehmen die Diskussionen über Abschiebungen zu. Aber wie Rechtsexperten berichteten, "haben die meisten Syrer inzwischen stabile Aufenthaltstitel". Die echte Bedrohung betrifft diejenigen mit Vorstrafen oder abgelehnten Asylanträgen.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte, dass die neuen amerikanischen Zölle die deutsche Wirtschaft Milliarden Euro kosten könnten. Was bedeutet das für arabische Arbeitnehmer?
Die am stärksten betroffenen Sektoren - Automobil- und Maschinenbau - beschäftigen Tausende von Arabern. Ein Wirtschaftsexperte der Industrie- und Handelskammer Berlin wies darauf hin, dass "jede wirtschaftliche Verlangsamung zuerst die Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe trifft".
Gibt es eine positive Seite?
Einige Analysten sehen eine Chance. Ein Forscher am Berliner Institut für Politik betrachtete, dass "Deutschlands Abkehr von der vollständigen Abhängigkeit von Washington eine ausgewogenere Außenpolitik gegenüber der arabischen Welt bedeuten könnte".
Tatsächlich haben wir zunehmende diplomatische Besuche zwischen Berlin und arabischen Hauptstädten gesehen. Aber die praktische Umsetzung davon vor Ort - von Visa über Handel bis hin zu kultureller Zusammenarbeit - bleibt unklar.
Was sollte beobachtet werden?
In den kommenden Monaten sollten drei Themen besonders beobachtet werden. Erstens: die deutschen Wahlen und die Haltung der neuen Regierung zur Migration. Zweitens: die Iran-Verhandlungen und ihre Auswirkungen auf die regionale Stabilität. Und drittens: die amerikanische Handelspolitik und ihre Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt.
Ein Berater für arabische Angelegenheiten im Europäischen Parlament betonte, dass "die arabische Community in Deutschland nicht nur Empfänger von Politik ist - sie kann durch Abstimmung und bürgerschaftliches Engagement Einfluss nehmen". Mit nahenden Wahlen ist dieser Punkt wichtiger denn je.
Quellen
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