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1000 Tage Krieg: Sudan blutet
1000 Tage nach Ausbruch des Krieges zwischen der sudanesischen Armee und den Rapid Support Forces erleben Millionen Sudanesen eine beispiellose humanitäre Katastrophe. Allein in Berlin verfolgen tausende sudanesische Familien die Nachrichten mit wachsender Sorge.
Berlinuna Redaktion
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In seiner kleinen Wohnung in Wedding sitzt Khaled seit dem Morgengrauen vor seinem Handy. Sechs Uhr morgens Berliner Zeit bedeutet acht Uhr in Khartum. Er wartet auf eine Nachricht von seiner Mutter, deren Stimme er seit zwei Wochen nicht gehört hat. "Das Internet fällt tagelang aus", sagt er. "Manchmal denke ich, Stille ist besser als schlechte Nachrichten."Khaled ist nicht allein.
Am vergangenen Mittwoch erreichte der sudanesische Krieg seinen tausendsten Tag. Tausend Tage Kämpfe zwischen der sudanesischen Armee unter Abdel Fattah al-Burhan und den Rapid Support Forces unter Mohamed Hamdan Dagalo (Hemedti). Das Ergebnis? Mehr als 12 Millionen Vertriebene – die höchste Zahl weltweit.
Aber Zahlen allein erzählen nicht die ganze Geschichte. In Berlin leben etwa 8.000 Sudanesen, laut Statistischem Bundesamt. Viele von ihnen kamen vor dem Krieg als Studenten oder Fachkräfte. Und jetzt? Sie sind zur Lebensader ihrer Familien geworden – sie schicken Geld, versuchen Visa zu besorgen, rufen bei Botschaften an.
"Meine Schwester lebt in einem Flüchtlingslager im Tschad"
Sara (34) arbeitet als Krankenschwester an der Charité in Berlin. Vor zwei Jahren plante sie noch, ihre Familie in Khartum zu besuchen. Heute lebt ihre jüngere Schwester in einem Flüchtlingslager im Osten des Tschad."Sie floh mit ihren zwei Kindern zu Fuß", erzählt Sara. "Die Reise dauerte elf Tage. Sie hat alles verloren."Sara versucht nun, einen Antrag auf Familienzusammenführung zu stellen. Das Problem? Es gibt seit April 2023 keine funktionierende deutsche Botschaft im Sudan. Die nächste Option ist die Botschaft in Addis Abeba – eine unmögliche Reise für ihre Schwester.
Ein Sprecher des Auswärtigen Amts erklärte gegenüber DW, dass Deutschland die internationalen Bemühungen für einen Waffenstillstand unterstütze. Aber vor Ort haben viele das Gefühl, dass die Welt den Sudan vergessen hat.
Eine beispiellose Hungerkrise
Es ist nicht nur der Krieg. Es ist auch die Hungersnot.Laut dem Welternährungsprogramm leiden 25 Millionen Sudanesen unter akuter Ernährungsunsicherheit. Das bedeutet, dass fast die Hälfte der Bevölkerung nicht weiß, woher ihre nächste Mahlzeit kommt. Im Bundesstaat Nord-Darfur wurde im September 2024 offiziell eine Hungersnot ausgerufen – die erste weltweit seit Jahren.
"Ich schicke jeden Monat 300 Euro an meine Familie", sagt Ahmed, ein Lieferfahrer in Berlin. "Vor dem Krieg reichte das für zwei Monate. Jetzt kaum für zwei Wochen. Die Preise sind verrückt."
Was kann die Diaspora tun?
Trotz der Entfernung versucht die sudanesische Diaspora in Deutschland, was sie kann. Die Organisation "Sudan Offenbach" wies darauf hin, dass sie seit Kriegsbeginn über 50.000 Euro für Hilfsmaßnahmen gesammelt hat. In Berlin finden monatliche Protestkundgebungen vor dem Brandenburger Tor statt, um internationale Aufmerksamkeit zu erregen.
Aber reicht das?Mariam, eine sudanesische Aktivistin in Berlin, betonte: "Das Problem ist nicht nur das Spendensammeln. Das Problem ist, dass niemand über den Sudan spricht. Gaza, Ukraine – alles bekommt Aufmerksamkeit. Aber wir? Stille."
In seiner Wohnung in Wedding erhält Khaled endlich eine WhatsApp-Nachricht von seiner Mutter. Nur zwei Worte: "Mir geht's gut." Er lächelt zum ersten Mal seit Wochen. Dann öffnet er die Geldtransfer-App und schickt, was er kann.
Tausend Tage sind vergangen. Und das Warten geht weiter.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
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- 23. Januar 2026
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