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Gemeinschaft

Arabische Gründer im Berliner Tech-Boom

Berlin erlebte 2025 ein Rekordjahr mit 3.568 neuen Startups. Mittendrin: arabischstämmige Gründerinnen und Gründer, die trotz Finanzierungslücken und Netzwerk-Hürden erfolgreiche Unternehmen aufbauen und Deutschlands Innovationswirtschaft mitgestalten.

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فريق برليننا

Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.

•14. Februar 2026•4 Min. Lesezeit•62 Aufrufe
Arabische Gründer im Berliner Tech-Boom

Berlinuna / AI Generated

Nader saß allein in einem Co-Working-Space in Kreuzberg, die Wanduhr zeigte zwei Uhr morgens. Vor ihm zwei Bildschirme und drei leere Kaffeebecher. Er schrieb die letzten Zeilen Code für seine erste App. Acht Monate nach dieser Nacht hatte die Anwendung bereits mehr als zehntausend Nutzer.

Seine Geschichte ist kein Einzelfall. In Berlin baut eine wachsende Zahl arabischstämmiger Gründerinnen und Gründer ihre Tech-Unternehmen auf — mitten in einem der dynamischsten Startup-Ökosysteme Europas. Aber der Weg dorthin ist steinig.

Deutschland erlebte 2025 ein Rekordjahr bei Startup-Neugründungen. Laut Startup-Verband wurden 3.568 neue Startups gegründet — ein Plus von 29 Prozent gegenüber 2024. Davon setzen 27 Prozent auf Künstliche Intelligenz als zentralen Bestandteil ihres Geschäftsmodells. Berlin und München führen das Wachstum an.

Team arbeitet an Computerbildschirmen in einem modernen Tech-Büro
Symbolbild. Photo by Marvin Meyer on Unsplash

Von Aleppo nach Kreuzberg

Nader, ein syrischer Softwareingenieur, kam 2016 nach Berlin. Seine Geschäftsidee entstand aus einem persönlichen Problem: der Schwierigkeit, verlässliche arabischsprachige Informationen über deutsche Bürokratie zu finden. "Ich fragte in Facebook-Gruppen und bekam widersprüchliche Antworten", erklärte er. "Also dachte ich: Warum nicht etwas Besseres bauen?"

Die erste Hürde war nicht technischer Natur. Es war die Finanzierung.

Arabischstämmige Gründer in Deutschland stoßen auf eine deutliche Lücke beim Zugang zu Wagniskapital. Der Deutsche Startup Monitor 2025 zeigt: Finanzierung bleibt die größte Wachstumsbremse für Startups hierzulande — und für Gründer ohne klassisches deutsches Netzwerk ist es noch schwieriger. Aber das heißt nicht, dass alle Türen verschlossen sind.

Echte Ressourcen für Gründer

Berlin bietet zahlreiche Förderprogramme für Neugründer (unabhängig von der Nationalität). Das Berlin Startup Stipendium — verwaltet von der Investitionsbank Berlin (IBB) — gewährt Gründerteams ein monatliches Stipendium in der Frühphase. Und Co-Working-Spaces wie Factory Berlin bringen Hunderte Gründer unter einem Dach in Mitte zusammen.

Sara (Name geändert), eine jordanische Gründerin im Bereich Bildungstechnologie, betonte, dass die Teilnahme an einem Berliner Accelerator-Programm den Kurs ihres Unternehmens verändert habe. "Meinen ersten Investor traf ich bei einem Networking-Event in einem Co-Working-Space. Das wäre nicht passiert, wenn ich nur von meinem Zimmer aus gearbeitet hätte."

Gruppe von Menschen bei einem Arbeitstreffen an einem weißen Tisch
Symbolbild. Photo by Austin Distel on Unsplash

Die drei Hürden

Erfolg in Berlins Startup-Szene kommt für niemanden leicht — und für arabischstämmige Gründer gibt es zusätzliche Herausforderungen. Erstens die Sprachbarriere: Viele deutsche Investoren bevorzugen Pitches auf Deutsch, auch wenn sich die Lage im internationalen Berlin langsam verbessert. Zweitens das Netzwerk: Den Aufbau eines sogenannten Netzwerks braucht Zeit, manchmal Jahre. Und drittens die Bürokratie: Aufenthaltstitel für Selbständige erfordern zahlreiche Unterlagen und noch mehr Geduld.

Aber reichen die vorhandenen Ressourcen aus? Nicht immer. Wer jedoch aktiv sucht, findet Unterstützung. Die IHK Berlin bietet kostenlose Gründungsberatung, und arabisch-deutsche Wirtschaftsnetzwerke wie die Ghorfa (Arabisch-Deutsche Vereinigung für Handel und Industrie) schlagen wichtige Brücken zwischen beiden Kulturen.

Zahlen, die Mut machen

Trotz aller Herausforderungen gibt es Grund zur Zuversicht. Der Software-Sektor in Deutschland sprang von 618 Neugründungen 2024 auf 853 im Jahr 2025 — und genau in diesem Bereich finden viele arabischstämmige Gründer (insbesondere Ingenieure) ihren Wettbewerbsvorteil. Und KI — mittlerweile fast ein Viertel aller Neugründungen — eröffnet Möglichkeiten, die es vor wenigen Jahren noch nicht gab.

Arnas Bräutigam, Co-Founder von startupdetector, wies darauf hin, dass "Künstliche Intelligenz längst kein Nischenthema mehr ist, sondern die Gründungsdynamik in vielen Bereichen prägt — von Software über Medizin bis hin zu industriellen Anwendungen." Das bedeutet schlicht: Die Chancen wachsen.

Person hält eine Präsentation vor einer Gruppe in einem modernen Büro
Symbolbild. Photo by You X Ventures on Unsplash

Zurück nach Kreuzberg

Nader hat heute ein fünfköpfiges Team und ein kleines Büro in Neukölln. Millionär ist er nicht geworden. Aber er hat etwas aufgebaut, das funktioniert — und anderen hilft. Auf die Frage, welchen Rat er angehenden Gründern in Berlin geben würde, antwortete er nüchtern: "Warte nicht, bis alles perfekt ist. Fang mit einem Problem an, das du kennst."

In einer Stadt, in der innerhalb eines Jahres über dreitausend Startups gegründet wurden, ist das vielleicht der beste Rat.

Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Quellen

  1. Startup-Verband - Rekordjahr: Startup-Gründungen legen um rund ein Drittel zu (Januar 2026)
  2. Deutscher Startup Monitor 2025 - Startup-Verband
  3. IHK Berlin - Service und Beratung für Gründer
  4. Landesamt für Einwanderung Berlin - Aufenthaltstitel zur Erwerbstätigkeit
  5. Investitionsbank Berlin (IBB) - Förderprogramme

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